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Löst eine provisorische Radbrücke die Probleme am Blauen Wunder?

Das Blaue Wunder und der Schillerplatz in Dresden sollen einen Radweg bekommen. Weil dafür eine Fahrspur wegfällt, droht ein Verkehrschaos. Hilft eine Brücke nur für Radler?

Von Dirk Hein
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Um Radfahrer runter vom Blauen Wunder zu bekommen, fordert die CDU eine provisorische Brücke.
Um Radfahrer runter vom Blauen Wunder zu bekommen, fordert die CDU eine provisorische Brücke. © Peter Hilbert

Dresden. Noch in diesem Herbst will Verkehrsbürgermeister Stephan Kühn (Grüne) einen Radweg vom Körnerplatz über das Blaue Wunder bis zum Schillerplatz und darüber hinaus anlegen lassen. Doch fast alle Parteien haben Bedenken, dass der ohnehin schon überlastete Schillerplatz den Wegfall einer Fahrspur nicht verkraften kann. Auch die DVB sorgen sich um das Tempo ihrer Busse, die mit den Autos auf der Brücke im Stau stehen würden. Jetzt liegt ein neuer Lösungsvorschlag vor.

Wieso drohen Staus am Blauen Wunder?

Eigentlich führen drei Fahrstreifen über das Blaue Wunder. Die Elbquerung wird jedoch allein bis 2026 für 30 Millionen Euro saniert. Weitere Arbeiten dürften folgen. Während der derzeitigen Bauarbeiten auf der Brücke hat sich zwar gezeigt, dass der Verkehr auf der Brücke auch mit zwei Spuren rollen kann. Problematisch wird es jedoch am Schillerplatz.

Dort soll eine von drei Fahrspuren wegfallen und zum Radweg in Richtung Hüblerstraße werden. Eine Spur soll Autos zukünftig die Fahrt geradeaus und das Linksabbiegen ermöglichen. Eine Spur wird zur reinen Abbiegespur nach rechts in Richtung Naumannstraße und Käthe-Kollwitz-Ufer. Der neue Radweg wird zwischen den beiden Fahrspuren geführt.

Der Wegfall einer Spur im Kreuzungsbereich bringt aber bei gleichbleibendem Verkehr Stau mit sich. Weil dadurch die Busse der DVB mit Schlange stehen würden, will die Stadt an den Ampeln am Schillerplatz die Grünphasen verlängern. Die Folge wären dann jedoch längere Staus zum Beispiel auf der Tolkewitzer Straße, auf der vor wenigen Wochen nach großen Protest erst eine Autospur zugunsten der DVB weggefallen ist. "Dem Blauen Wunder droht der Verkehrsinfarkt", befürchtet CDU-Stadtrat Veit Böhm.

Warum könnte eine provisorische Radbrücke helfen?

Aus CDU-Sicht können weder am Schillerplatz noch am Körnerplatz Fahrspuren wegfallen, damit dort Radwege entstehen. Um für Radfahrer dennoch eine Lösung anzubieten, fordert die CDU eine provisorische Radbrücke in der Nähe des Blauen Wunders, über die Radfahrer geleitet werden sollen. Die Loschwitzer Brücke soll im Gegenzug für Radler gesperrt werden.

Radfahrer, so der Plan, sollen vorbei am Körnergarten oder entlang des Parkplatzes an der Fidelio-F.-Finke-Straße an die Elbe und von dort über die Brücke in Richtung der Straße Am Schillergarten geführt werden. CDU-Verkehrsexperte Veit Böhm schlägt dafür eine provisorische Brücke vor. Die Brücken-Pläne sollen jetzt mit der Bürgerschaft diskutiert werden, eventuell folgt ein Antrag im Stadtrat.

Vorbild sei die Rad- und Fußgängerbrücke, die während der Bauarbeiten an der Albertbrücke eine Elbquerung ermöglichte. Die "Kleine Albertbrücke" war zwischen Juni und November 2011 gebaut worden. Die rund 80 Tonnen schwere und 326 Meter lange Konstruktion stand bis Frühling 2015. Sie kostete mit Bau und Rückbau fünf Millionen Euro.

Die "Kleine Albertbrücke" führte bis 2015 neben der Albertbrücke über die Elbe.
Die "Kleine Albertbrücke" führte bis 2015 neben der Albertbrücke über die Elbe. © Marco Klinger/MKL-NEWS

Die neue Interimsbrücke am Blauen Wunder soll dabei laut Stadtrat Böhm so lange wie möglich stehen, mindestens aber für die Dauer der Sanierung des Blauen Wunders, besser noch, bis im Umfeld eine neue Elbquerung entstanden ist - Planungen dafür und einen späteren Neubau fordert die CDU in einem extra Antrag.

Welche Rolle spielen die DVB?

Seit Jahren wird im Rathaus versucht, Busse und Bahnen der DVB zu beschleunigen. Die momentanen Planungen der Stadt zum Radweg am Blauen Wunder würden aber, zumindest ohne geänderte Ampelschaltung am Schillerplatz, zu Staus auf dem Blauen Wunder führen. In ihnen würden auch die Busse der Linien 61, 63 und 84 stehen. "Es ist davon auszugehen, dass wir allein durch den Radweg bis zum Schillerplatz etwas Zeit verlieren, dazu laufen Gespräche mit der Stadt", sagt DVB-Sprecher Falk Lösch.

Aufgrund des baulichen Zustandes des Blauen Wunders - die Brücke bekam im "Brücken-Tüv" die schlechteste Note aller Dresdner Elbquerungen - gibt es für die Loschwitzer Brücke aber eine Gewichts-Begrenzung. Busse der DVB dürfen sich auf der Brücke zwar begegnen, nicht aber hintereinander darüber fahren. Die Regel bestätigte Sprecher Falk Lösch. Bei einem Stau auf der Brücke würden so weitere Probleme entstehen.

Was entgegnet die Stadt?

Im Rathaus lehnt man den Bau einer provisorischen Brücke am Blauen Wunder ab. "Das Planverfahren, um Baurecht an der Elbe zu erlangen, ist genauso aufwendig, wie für den Neubau einer Brücke. Der dafür erforderliche Zeitraum von drei bis fünf Jahren ließe sich nicht in die Instandsetzungsstrategie des Blauen Wunders integrieren", sagt Bürgermeister Kühn. Veit Böhm kritisiert, das die Verwaltung eine provisorische Brücke nicht bereits bei den Planungen für die Sanierung der Loschwitzer Brücke mit geplant habe.

Bei grob geschätzten Baukosten von 6,5 Millionen Euro, sei eine provisorische Brücke aus Sicht der Stadt aber auch nicht verhältnismäßig. Radfahrer könnten während der Bauarbeiten auf dem Blauen Wunder auf der Straße fahren, die Höchstgeschwindigkeit würde dafür auf 20 Stundenkilometer angesenkt.

Auch Stadtrat Tilo Wirtz (Linke) rät von "Brücken-Experimenten" ab. Radfahrer sollten durchaus die Fahrspuren auf der Brücke mit nutzen dürfen. "Diese haben Autofahrer nicht exklusiv."