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Wie eine Dresdner Hunde-Kita die Arbeit im Lockdown sichert

Steffen Neumann betreut in seiner Huta bis zu 25 Hunde täglich, momentan kommen weniger. Vor allem für Welpen könnte das problematisch werden.

Steffen Neumann (rechts) betreut mit seinem Mitarbeiter Florian Fränkel täglich bis zu 25 Hunde in seiner Hundetagesstätte.
Steffen Neumann (rechts) betreut mit seinem Mitarbeiter Florian Fränkel täglich bis zu 25 Hunde in seiner Hundetagesstätte. © René Meinig

Dresden. Derzeit ist die Hundetagesstätte (Huta) von Steffen Neumann ein regelrechtes Ausflugsziel geworden. Familien und einzelne Spaziergänger kommen zum umzäunten Gelände an der Weißiger Heinrich-Lange-Straße, um die spielenden Hunde zu beobachten. "Es ist ja alles zu, auch der Zoo, also erfreuen sie sich bei uns an den Tieren", sagt Neumann.

2012 hat er die Huta mit großem Auslauf, Hütten und Spielgeräten eröffnet, seitdem stieg die Zahl der Hunde stetig, die von ihren Besitzern hier täglich oder für einige Tage der Woche abgegeben werden. Meist sind es 20 bis 25, die ihre Stunden im Rudel verbringen. Doch die Corona-Pandemie geht auch an Steffen Neumanns Arbeit nicht vorbei. Bereits im ersten Lockdown im Frühjahr brachten immer weniger Kunden ihre Hunde in die Huta. "Viele waren im Home Office und betreuten ihren Hund zuhause", sagt Neumann. Inzwischen ist die Situation ähnlich.

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Finanzielle Verluste

Für den 56-Jährigen bedeutet das enorme finanzielle Verluste, wenn nur fünf bis zehn Hunde am Tag kommen. Auch die Welpenspielstunden am Samstag und das Hundetraining dürfen nicht stattfinden. Das Geld fehlt Neumann, der Miete für das Grundstück und auch seine beiden Mitarbeiter bezahlen muss. Die sind zwar teilweise in Kurzarbeit, doch ganz nach Hause schicken möchte er sie nicht. "Sie sind eine große Unterstützung für mich und brauchen auch den Kontakt zu den Hunden."

Die Huta zuzumachen kommt für Steffen Neumann nicht infrage. "Das ist mein Leben. Nachdem ich vorher in der Landwirtschaft tätig war, habe ich mir das aufgebaut." Die Besitzer der Hunde sind ihm dafür außerordentlich dankbar, denn viele von ihnen sind auf die Betreuung ihrer Tiere angewiesen.

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Kathrin Teich arbeitet in der ambulanten Krankenpflege, ihr Mann Ronny Oelmann ist Elektromeister. "Home Office ist für uns kein Thema, ich arbeite zudem in Schichten, deshalb sind wir sehr froh, unseren Milan täglich in der Huta abgeben zu können", sagt Teich. Mit dem Chiba Inu hat sie sich einen großen Wunsch erfüllt. Bereits als er klein war, ist sie mit ihm zu Neumanns Welpenspielstunden gegangen. "Das war perfekt für die Sozialisation des Hundes. Aber auch jetzt legt Steffen Neumann großen Wert auf die Erziehung der Hunde, Gehorsam ist wichtig. So müssen sich die Tiere stets vor dem Eingang hinsetzen und warten, bis das Herrschen oder Frauchen zum Abholen in die Huta eintritt", sagt die 52-Jährige.

Auch Ines Wendt hätte ein großes Problem, wenn die Huta schließen würde. Die Familienhelferin arbeitet im Jugendamt der Stadt und muss fast täglich Hausbesuche machen. Ihre Französische Bulldogge Benito darf dort nicht dabei sein. Benito geht auch viel lieber zu seinen Freunden in die Huta, wo der quirlige Rüde gern gesehen ist. "Am besten kommt er mit ganz Großen zurecht, der weiß, wie man es macht", sagt Wendt lachend.

Für sie ist erstaunlich, wie entspannt die Tiere aller Rassen und Größen in der Huta zusammenleben und spielen. Damit das klappt, wählt Steffen Neumann die Hunde genau aus, die in die Huta kommen dürfen. Denn ein Unruhestifter könnte die Arbeit sehr gefährden. Nur wer sich in das Rudel integriert, darf bleiben. Getestet wird das bereits am Zaun. "Ich musste 2020 tatsächlich einen Hund ablehnen, das hat nicht funktioniert", sagt Neumann.

Neue Hygieneregeln

Das Coronavirus hat auch neue Regeln für die Huta mit sich gebracht. So darf stets nur eine Person den Hund bringen und abholen. In der Schleuse vor dem Eingang darf auch nur ein Herrchen oder Frauchen sein, andere müssen mit großem Abstand davor warten. "Das akzeptieren alle meine Kunden völlig problemlos", sagt Neumann. Er hofft, dass sich die Infektionslage schnell verbessert und wieder alle Hunde kommen.

"Ich habe Kontakt zum Amtstierarzt aufgenommen, um zu fragen, wann wir wieder Welpenspielstunden anbieten können. Das Zusammensein ist für die Prägung der jungen Hunde besonders wichtig. Momentan findet das gar nicht statt, obwohl sich viele im Lockdown einen Welpen angeschafft haben. Das könnte durchaus Probleme nach sich ziehen", sagt Neumann.

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