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GNTM: Romy und die Mobbing-Hölle

Die 19-jährige Hirschfelderin wurde in ihrer Kindheit extrem gehänselt. Auch am Set von "Germany's Next Topmodel" hatte sie eine ziemlich unangenehme Erfahrung.

GNTM-Kandidatin Romy Wolf wurde früher gemobbt. Die Musik entpuppte sich als Zufluchtsort. Heute ist sie als Model in der Heidi-Klum-Show erfolgreich.
GNTM-Kandidatin Romy Wolf wurde früher gemobbt. Die Musik entpuppte sich als Zufluchtsort. Heute ist sie als Model in der Heidi-Klum-Show erfolgreich. © ProSieben/Richard Hübner

So unterschiedlich wie in diesem Jahr waren die Kandidatinnen bei "Germany's Next Topmodel" (GNTM) noch nie. Modelmama Heidi Klum will allen Mädchen eine Chance geben - egal ob sie kurvige Maße haben, nur 1,55 Meter groß oder gehörlos sind.

Auch Romy Wolf gehört zu den diesjährigen Topmodel-Anwärterinnen. Die 19-jährige Hirschfelderin erlebte in ihrer Kindheit schlimmes Mobbing. Der Grund dafür war die Hautkrankheit Neurodermitis, unter der Romy litt.

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Neben der Veränderung des Hautbildes wirkte sich die Erkrankung auch auf das Immunsystem aus. Romy wurde öfter krank, fehlte häufiger in der Schule und war deshalb bösen Mobbing-Attacken ausgesetzt. Klassenkameraden vermuteten zu Unrecht, dass sie den Unterricht absichtlich schwänzen würde.

Beim Spielen wurde sie wegen der Hautkrankheit ausgegrenzt, berichten ihre Eltern. Dabei handelt es sich bei Neurodermitis um keine ansteckende Krankheit. Die Zeit, als Kind ausgeschlossen zu werden, habe sich in ihrer späten Jugend noch fortgesetzt. "Es war für uns natürlich schwer und auch schmerzhaft, das eigene Kind so traurig und zu Unrecht verletzt zu sehen", sagen Mutter Carola und Vater Mario.

Romys Eltern haben anfangs wenig mitbekommen

Auch wenn sie ihrer Tochter Romy mit ärztlicher Hilfe zu einer schöneren Haut verhelfen konnten, so waren den Eltern doch hinsichtlich des Mobbings trotzdem weiterhin die Hände gebunden. "Anfangs haben wir wenig davon mitbekommen, weil Romy uns nicht immer gleich davon erzählt hat. Es war für sie ein Normalzustand, ausgegrenzt zu werden", erinnern sich die Eltern an die schwere Zeit. Aufmerksam seien sie erst durch Romys Erzählungen von offenen Anfeindungen ihr gegenüber geworden. In der Folge führten die Eltern fortlaufend Gespräche, um den Mobbing-Terror einzudämmen.

Hinzu kommt, dass Romy Wolf Synästhetikerin ist. Bei dem wissenschaftlich anerkannten Phänomen der Synästhesie handelt es sich um eine besondere Form der Wahrnehmung alltäglicher Dinge. Bei Betroffenen löst ein bestimmter Sinnesreiz noch eine weitere Sinneswahrnehmung aus. Töne können beispielsweise zusätzlich visuelle Eindrücke verursachen. Oder Buchstaben und Zahlen werden mit einer Farbe verbunden. Auch Romy sieht Töne und Wochentage farbig.

Synästhesie tritt stets unwillkürlich auf, ohne dass es die Betroffenen wollen. Bis zu vier Prozent der Bevölkerung gelten als Synästhetiker. Sie ist nicht bei allen gleichstark ausgebildet. Viele Synästhetiker sind besonders kreativ - Romy beispielsweise hat ein ausgeprägtes musikalisches Talent.

Synästhesie kann zur Belastung werden

Für Romy wurde ihre Sonderbegabung bedrückend. "Die Schule und Mitschüler sowie Lehrer haben sich für mich irgendwann grau und schwarz gefärbt. Es hat sich angefühlt, als müsste ich in ein Gefängnis gehen", erzählt sie. Es sei für sie faszinierend und schockierend, was derartige Umgangsformen von Menschen untereinander bewirken können. "Ich habe die Schule immer geliebt, war gern unter Gleichaltrigen, habe gerne gelernt und gute Zensuren gehabt. Zu sehen, wie sich eine solche Konstante derartig drastisch verändern kann, lässt mich bis heute traurig werden", sagt die 19-Jährige.

Die Menschen um sie herum hätten anfangs noch versucht, Romy zu verstehen oder ihr zu helfen. Doch irgendwann wollten sie ihr nicht mehr zuhören, berichtet die Topmodel-Anwärterin. "Ich kann das gar nicht beschreiben", sagt sie. Diese Erfahrungen haben sie aber auch stark gemacht, meint Romy. Die 19-Jährige ist überzeugt, dass sie sich ohne diese Erfahrungen niemals so entwickelt hätte.

Sie will deshalb auch niemanden nachträglich beschuldigen. "Ich möchte fair bleiben", betont sie und fügt hinzu: "Ich glaube, viele Menschen haben das Mobbing um mich herum gar nicht mehr wahrnehmen können, denn es war irgendwann schon eine Art Gruppenzwang, mich komisch zu finden oder nicht zu mögen, weil ich oft im Unterricht gefehlt habe. Ich kann deshalb niemandem die Zurückhaltung verübeln."

Es gab aber immer Menschen, die für sie da waren: Ihre Familie und ihr Freund.

So ließ sich Romy für ihre Sedcard ablichten.
So ließ sich Romy für ihre Sedcard ablichten. © ProSieben/Richard Hübner

Allergische Reaktion am GNTM-Set

Mit der chronischen Hautkrankheit Neurodermitis kommt die 19-Jährige mittlerweile sehr gut zurecht. Das einzige, was bis heute davon geblieben sei, ist eine Allergie auf bestimmte kosmetische Stoffe. Das offenbarte sich aber erst in jüngerer Zeit.

Am Set von "Germany's Next Topmodel" musste die Hirschfelderin ebenfalls eine ziemlich unangenehme Erfahrung machen. Wegen einer Creme hatte Romy eine ganz schlimme allergische Reaktion, die zu einer Schwellung und Rötungen im Gesicht führte, wie sie auf Instagram verriet. Einigen GNTM-Fans war das in Folge 3 negativ aufgefallen - obwohl sie nur wenig im Bild war. Romy selbst war froh, dass sie in der Episode nicht so häufig gezeigt wurde. Es sei für sie trotzdem ein ziemlicher Schock gewesen, sich so im Fernsehen zu sehen, meint die Topmodel-Anwärterin.

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