Krankhaftes Übergewicht bei Kindern in Sachsen wird immer größeres Problem

Dresden. Immer mehr Kinder in Sachsen sind krankhaft übergewichtig. "Zwischen 2017 und 2022, also allein in den vergangenen fünf Jahren, hat der Anteil von Kindern mit der Diagnose Adipositas um 7,1 Prozent zugenommen", sagt Marius Milde, Geschäftsführer der AOK Plus, im Podcast "Thema in Sachsen" bei Sächsische.de.
Milde bezeichnet die Ergebnisse einer repräsentativen Erhebung, die die Krankenkasse exklusiv für Sächsische.de durchgeführt hat, als alarmierend. Demzufolge sei im Freistaat jedes 20. Kind zwischen 3 und 18 Jahren von Adipositas betroffen. Die Analyse stützt sich auf Daten von circa 390.000 bei der AOK in Sachsen versicherten Kindern.
Um die Dimension des Problems zu verdeutlichen, erklärt Milde: "Adipös heißt hier nicht nur, man ist ein bisschen übergewichtig. Wir sprechen hier über Fälle, die die Grenze zum krankhaften Übergewicht überschritten haben." Der AOK-Geschäftsführer sieht dringenden Handlungsbedarf. Denn schon jetzt gehe man davon aus, dass allein durch die von Adipositas hervorgerufenen Begleiterkrankungen wie etwa Diabetes oder Bluthochdruck deutschlandweit jährlich Kosten in Höhe von 65 Milliarden Euro entstehen. "Wir haben hier ein großes gesellschaftliches Problem", sagt Milde und regt unter anderem an, verstärkt über ein Verbot von an Kinder gerichtete Werbung für ungesunde Nahrungsmittel nachzudenken.
Die AOK-Statistik zeigt zudem, in welchem Alter die meisten Kinder betroffen sind, welche regionalen und sozioökonomischen Zusammenhänge es bei der Verteilung der Fälle in Sachsen gibt, und ob eher Jungen oder Mädchen unter Übergewicht leiden.
Therapie richtet sich oft an gesamtes Umfeld eines Kindes
Außerdem in dieser Podcast-Folge: Die Ärztin Maria Philipp, die das Kinder- und Jugendprogramm am Adipositas Zentrum des Städtischen Klinikums Dresden leitet. Die Medizinerin spricht über die Ursachen und Folgen von Adipositas, aber auch darüber, wie man die Krankheit erfolgreich behandeln kann.
Philipp macht dabei deutlich: Die Therapie eines einzelnen Kindes geht nicht selten mit der "Therapie der ganzen Familie" einher. Schließlich beschreibt die Kinder- und Jugendärztin Adipositas als eine Krankheit, die oft auf die Bewegungs- und Ernährungsgewohnheiten im nahen Umfeld eines Kindes zurückzuführen ist.
Gäste in dieser Folge
Marius Milde ist Geschäftsführer bei der AOK Plus. Der Diplom-Kaufmann verantwortet bei der Krankenkasse den Bereich Gesundheitspartner. Im Podcast "Thema in Sachsen" stellt er die Ergebnisse einer Datenanalyse zu Adipositas bei Kindern und Jugendlichen zwischen 3 und 18 Jahren vor.

Maria Philipp ist Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin. Seit 2020 ist sie am Adipositas Zentrum des Städtischen Klinikums Dresden Leiterin eines Programms, das sich explizit an Kinder und Jugendliche richtet. Die Ärztin war nach ihrem Medizinstudium in Leipzig zunächst in einer Dresdner Kinderarztpraxis tätig, seit 2015 ist arbeitet sie am Städtischen Klinikum.

Ergänzende Links zu Themen, auf die in der Podcastfolge Bezug genommen wird:
- Muss man wirklich 10.000 Schritte am Tag gehen?
- Jedes dritte Grundschulkind in Europa hat Übergewicht
- Corona hat Sachsens Kinder noch dicker gemacht
- Dresdner Kinderärztin: "Essen dient oft als Seelentröster"
- Das Adipositas Zentrum am Städtischen Klinikum in Dresden
So können Sie den Podcast hören und abonnieren
🎙 auf Spotify hören
🎙 mit Amazon Music hören
🎙 mit Apple Podcast hören
🎙 auf Deezer hören
🎙 mit Google Podcast hören