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Diese Alarmzeichen zeigen eine schwere RSV-Infektion an

1.058 Kinder in Sachsen sind seit Beginn der Erkältungssaison an RS-Viren erkrankt. Eltern sind deshalb in Sorge. Doch es gibt Hilfe und für Risikokinder ein Medikament.

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Ein Arzt untersucht ein Kind mit einem Stethoskop. Auffallend viele Kinder machen derzeit einen Infekt mit dem RS-Virus durch.
Ein Arzt untersucht ein Kind mit einem Stethoskop. Auffallend viele Kinder machen derzeit einen Infekt mit dem RS-Virus durch. ©  dpa/Sebastian Gollnow

In den ersten zwei Lebensjahren macht fast jedes Kind eine Infektion mit dem Respiratorischen Synzytial-Virus (kurz: RSV) durch. Was für einige Kinder eine milde Erkältung ist, kann für andere mit einer Lungenentzündung im Krankenhaus enden – in Zeiten überlasteter Kinderkliniken sind das keine guten Aussichten.

Wie viele Kinder sind in Sachsen an RS-Viren erkrankt?

Die aktuellsten Zahlen des Sozialministeriums Sachsen stammen aus der letzten Novemberwoche. Danach wurde in 473 Fällen das RS-Virus durch einen Nasen-Rachen-Abstrich nachgewiesen. Doch nicht jedes Kind wird auf diese Weise untersucht, deshalb ist die Dunkelziffer hoch. Die Zahlen steigen rasant an – sie verdoppeln sich von Woche zu Woche. Die meisten Erkrankungen gab es in Mittelsachsen und in Leipzig. Seit Beginn der Erkältungswelle im Oktober sind es 1.058 gemeldete Fälle.

Was macht eine RSV-Infektion für die Kleinen so tückisch?

„RSV ist ein Atemwegsvirus, mit dem man sich in jedem Alter infizieren kann“, sagt Sven Armbrust. Er ist Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des Dietrich-Bonhoeffer-Klinikums in Neubrandenburg.

Am meisten gefährdet seien jedoch die ganz kleinen Kinder – zwischen null und sechs Monaten. „Was beim großen Geschwisterkind vielleicht etwas Rotz in den oberen Atemwegen ist, kann bei den ganz Kleinen Atemnot sein“, sagt Armbrust.

Laut dem Kinderarzt greift das Virus das Lungengerüst an, was den Austausch von Sauerstoff und Kohlendioxid im Blut erschwert. Und bei Säuglingen ist die Anatomie der Atemwege ohnehin sehr viel feiner und damit empfindlicher. Eine RSV-Infektion kann daher zu einer Bronchiolitis führen, einer Entzündung der kleinen Bronchien, oder zu einer Lungenentzündung. Das sind Fälle, die oft im Krankenhaus betreut werden müssen.

Müssen viele Kinder in Sachsen derzeit im Krankenhaus behandelt werden?

Die Station der Kinderklinik am Uniklinikum Dresden, in der Erkrankungen der Atemwege behandelt werden, umfasst 20 Betten. „Mehr als zwei Drittel ist derzeit mit RSV-Infizierten belegt“, sagt Professor Reinhard Berner, Direktor der Uni-Kinderklinik. „Einige Kinder müssen auch auf der Intensivstation versorgt werden.“ Auch die Kinderklinik an der Uni Leipzig ist einer Sprecherin zufolge voll belegt. Jedes zehnte Kind sei wegen einer RSV-Infektion in stationärer Behandlung. Am Klinikum Chemnitz werden neun Kinder mit dieser Infektion behandelt. Da sich die Erkrankungswelle von West nach Ost ausbreitet, wird in den nächsten Tagen und Wochen mit steigenden Patientenzahlen gerechnet.

Was sind Alarmzeichen für einen schweren Verlauf?

Eltern sollten alle Anzeichen ernstnehmen, die auf Atemnot hindeuten, etwa wenn das Kind kurzatmig ist oder besonders schnell atmet. Manchmal bewegen sich laut Armbrust die Nasenflügel des Kindes beim Atmen besonders deutlich. Oder an den Rippen oder oben am Hals zieht sich mit jedem Atemzug die Haut nach innen. Laut dem Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) ist auch ein giemendes Geräusch beim Ausatmen ein Alarmzeichen. Giemen heißt: Beim Atmen pfeift, knistert oder zischt es.

Bei den ganz Kleinen kommt oft Trinkschwäche dazu. „Die sollte man auf jeden Fall untersuchen lassen“, sagt Sven Armbrust. Manchmal steckt nur eine verstopfte Nase dahinter. Denn die Kleinen sind reine Nasenatmer. Ob es aber der Rotz in der Nase ist oder eine Entzündung der Atemwege infolge einer RSV-Infektion – das können nur der Arzt oder die Ärztin beurteilen.

Ein weiteres Alarmzeichen sind bläulich verfärbte Lippen. Sie weisen darauf hin, dass bereits ein Sauerstoffmangel im Gewebe vorliegt. „Das alles sind Alarmsignale, die Eltern auf jeden Fall dazu bringen sollten, das Kind beim Arzt vorzustellen“, sagt Armbrust. Auch dann, wenn die Infektion mit hohem Fieber einhergeht. Denn das spricht oft dafür, dass im Körper noch eine zweite Infektion, mit Bakterien, vorhanden ist. Denn das RS-Virus ist ein Türöffner für andere Erreger wie etwa Pneumokokken.

Wann sollten Eltern unbedingt Hilfe holen?

All die genannten Anzeichen sind Grund genug, rasch eine Einschätzung vom Profi in der Kinderarztpraxis oder in der Notfallambulanz anzustoßen. „Es gilt die Faustregel: Je kleiner die Kinder sind, desto schneller sollte man jemanden draufschauen lassen“, sagt Armbrust.

Heißt: Hat der Anderthalbjährige Schnupfen und niest, ohne Anzeichen für Atemnot, „kann man bis zum nächsten Tag warten mit dem Kinderarztbesuch“, so Armbrust. Hat der Säugling aber Atemnot, sollte man mit dem Abklären nicht zu lange warten und besser zur Notfallambulanz aufbrechen, wenn die Kinderarztpraxis gerade nicht geöffnet ist.

Welche Kinder sind besonders gefährdet?

Kinder mit angeborenen Erkrankungen des Herzens oder der Lunge oder neurologischen Erkrankungen haben ein erhöhtes Risiko dafür, dass die RSV-Infektion bei ihnen schwer verläuft. Das gilt auch für Frühgeborene.

Aber: Diese Kinder können durch eine passive Immunisierung geschützt werden. Palivizumab ist ein Antikörper, der Kindern in der RSV-Saison, alle vier Wochen gespritzt werden kann. Laut dem Robert Koch-Institut setzt die Schutzwirkung ein, wenn die erste Dosis verabreicht wird. Nach der zweiten legt sie aber nochmal zu.

Doch: Diese passive Immunisierung empfehlen die medizinischen Fachgesellschaften nur Kinder, die den Risikogruppen angehören. Allerdings: Laut Armbrust sind rund zwei Drittel der Kinder, die derzeit stationär behandelt werden, kein Teil der Risikogruppe, sondern sogenannte "reife Säuglinge".

Kann ich verhindern, dass mein Kind jetzt - in Zeiten überlasteter Kinderkliniken - in Kontakt mit dem Virus kommt?

"Das ist ganz schwierig", sagt Sven Armbrust. "Der Erreger ist da. Einigeln geht nicht." Schließlich zirkuliert das RS-Virus nicht nur unter den Kleinen.

Und: Das Virus kann in der Luft oder auf Oberflächen bleiben und sich auf diesem Wege übertragen. Zum Beispiel, wenn man einen Einkaufswagen berührt, auf den zuvor ein erkälteter Erwachsener mit RS-Viren geniest hat.

Aber die bekannten Hygieneregeln können das Risiko einer Infektion etwas senken. "Wer die Haustür durchschreitet - vom Einkaufen kommt oder von der Arbeit - geht Hände waschen", so der Rat von Armbrust. "Damit lässt man eine gewisse Anzahl an Erregern nicht zu Hause rein." Auch das RS-Virus.

Was das Immunsystem aber unterstützt, damit es seinen Job möglichst gut machen kann: ausreichend trinken. Denn das hält die Schleimhäute feucht. "Ich sage den Eltern dann immer: Das Virus rutscht aus auf der glatten Oberfläche und kann sich nicht festbeißen."

Hundertprozentigen Schutz vor einer RSV-Infektion gibt aber nicht. Vor allem dann nicht, wenn es noch ein Geschwisterkind gibt, das schon in die Kita geht. (dpa)