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Mit Rezept ins Fitness-Center

Fitnessstudios in Görlitz und Niesky sind wegen der Corona-Pandemie geschlossen. Doch es gibt Ausnahmen.

Andreas Wende ist Chef vom Fitnessclub Niesky. Für den Individualsport ist das Fitnessstudio derzeit geschlossen. Nur Reha-Sport ist möglich.
Andreas Wende ist Chef vom Fitnessclub Niesky. Für den Individualsport ist das Fitnessstudio derzeit geschlossen. Nur Reha-Sport ist möglich. © Archivfoto: André Schulze

Warum brennt das Licht im Fitness-Center BodyFitness und Gesundheitsclub im Görlitzer Neißepark? Ein SZ-Leser, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, kann sich das nicht erklären. "Nach der Corona-Schutzverordnung sind die Fitnessstudios doch geschlossen", meint er. Im Prinzip hat der Mann recht.

Aber es gibt Ausnahmen. Und deswegen ist bei manchen Fitnessstudios eben das Licht an. Kein Mensch will schließlich im Dunkeln trainieren.

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Reha-Sport ist möglich

Auf Nachfrage gibt sich der Inhaber des Görlitzer Fitness-Centers im Neißepark äußerst schmallippig. Ja, es dürfen Mitglieder des Fitness-Centers zum Training kommen, allerdings nur mit einer ärztlichen Verordnung, sagt Michael Walther. Und so könnte bei ihm ein medizinisches Training an Geräten stattfinden. Weitere Fragen beantwortet der Fitnessexperte nicht.

Dabei hat er gar keinen Grund, dieses medizinisch notwendige Training nicht zu erläutern. Denn der Fitnessexperte tut ja nichts Verbotenes, wenn er Menschen ausschließlich nach medizinischer Verordnung trainiert - unter Einhaltung der erforderlichen Hygienebestimmungen. Denn obwohl die aktuelle Corona-Schutzverordnung, die zunächst bis zum 14. Februar gilt, vorsieht, dass Fitnessstudios zwar geschlossen bleiben müssen, gibt es eine Ausnahme.

Im Neißepark Görlitz gibt es das BodyFitness-Center. Nach eigener Aussage bietet es derzeit ausschließlich Gerätetraining im Reha-Sport nach ärztlicher Verordnung an.
Im Neißepark Görlitz gibt es das BodyFitness-Center. Nach eigener Aussage bietet es derzeit ausschließlich Gerätetraining im Reha-Sport nach ärztlicher Verordnung an. © Martin Schneider

Muskelaufbau nach Operationen

Dass es Ausnahmen geben muss, erkannte der Gesetzgeber und benennt sie in der Schutzverordnung. Denn während der Pandemie bleiben andere Erkrankungen der Menschen ja nicht aus. Wer beispielsweise nach einem Unfall oder einer Operation am Muskelwiederaufbau arbeiten muss, ist froh über professionelle Unterstützung in einer Einrichtung, die das anbietet. Deshalb sieht die Corona-Schutzverordnung vor, dass "Fitnessstudios und ähnlichen Einrichtungen geschlossen bleiben, soweit sie nicht medizinisch notwendigen Behandlungen dienen".

Ergo dürfen Fitnessstudios und ähnliche Einrichtungen medizinisch notwendige Behandlungen ausführen. Das sieht auch das Landratsamt so, wie Sprecherin Franziska Glaubitz bestätigt. Ob der Landkreis kontrolliert, dass sich die Trainings in den Fitnessstudios des Kreises tatsächlich auf medizinische Notwendigkeiten beschränken - dazu gab es am Freitag keine Auskunft aus dem Landratsamt.

Wichtigster Grund für die Schließung ist unsichtbar

Der wichtigste Grund für die Schließung der Sporttempel besteht in der Übertragbarkeit von Sars-CoV-2: Das Virus wird auch über die Luft übertragen. Dabei spielen winzig kleine Aerosol-Partikel eine entscheidende Rolle. Sie können Stunden bis Tage in der Luft schweben. Draußen ist das kaum ein Problem, da werden die Partikel weggeweht.

Im geschlossenen Raum ist das anders: Da atmet, hustet oder niest ein Erkrankter Virenwolken. Aber nicht jeder Infizierte weiß in dem Moment schon von seiner Infektion, wenn er gar keine Symptome hat. Weht kein Wind - was in geschlossenen Räumen in der Regel der Fall ist - , verteilen sich die Viren im Raum, die Corona-Konzentration steigt. Das Robert-Koch-Institut (RKI) wies schon beizeiten darauf hin, dass bei längerem Aufenthalt in kleinen, nicht belüfteten Räumen die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung durch Aerosole hoch ist, auch wenn man zwei Meter Abstand hält. Und deshalb bleiben Fitnessstudios zu.

Eins-zu-eins-Betreuung allein im großen Studio

In Niesky ist der Fitnessclub in der Fichtestraße für seine Mitglieder da. Jetzt allerdings nur am Telefon oder per Video über die Homepage. Aber auch hier wird Reha-Sport nach ärztlicher Verordnung betrieben. "Das sieht dann so aus, dass ein Trainer sich einem Reha-Sportler widmet, also in der Eins-zu-eins-Betreuung, natürlich unter den erforderlichen Hygienebedingungen, wir wollen uns ja alle schützen", erklärt eine Mitarbeiterin auf Nachfrage. Diese zwei Personen sind dann die einzigen in dem großen Studio.

Görlitzer Fitnessstudio öffnete illegal

In der Vergangenheit gab es schon einmal eine Diskussion in Görlitz über ein geöffnetes Fitnessstudio. FitInn in der Rauschwalder Straße hatte im letzten Herbst argumentiert, dass Individualsport möglich sei, wenn genügend Abstand gehalten werde. Das FitInn deklarierte sich damals nicht als Fitnessstudio, sondern als Ort für Individualsport. Damit glaubte es, legal öffnen zu können. Der Landkreis Görlitz sah das anders. "Nach der Sächsischen Corona-Schutz-Verordnung ist der Betrieb von Fitnessstudios untersagt", erklärte Sprecherin Julia Bjar schon damals. Im vorliegenden Fall hatte der Landkreis den Betreiber bereits aufgefordert, seine Einrichtung zu schließen. Das verweigerte der Betreiber eine ganze Weile.

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Mitte Dezember jedoch beugte sich der Betreiber der Corona-Schutzverordnung und schloss das FitInn. Ob die Weigerung zur Schließung noch ein gerichtliches Nachspiel hat, ist offen. Denn der Kreis wollte einen Bußgeldbescheid an das FitInn verschicken. Ob das tatsächlich erfolgt ist und ob das Bußgeld bezahlt wurde, diese Antwort aus dem Landratsamt war am Freitag nicht zu bekommen. Der Landkreis jedenfalls hatte im Dezember gegenüber der SZ erklärt, dass man sich notfalls vor Gericht treffen wolle, falls das Bußgeld in dreistelliger Höhe nicht bezahlt werde. Der Leiter des Ordnungsamtes, Falk Werner Orgus, sagte damals, "Ich bin sicher, dass wir mit unseren Argumenten durchkommen." (mit SZ/ik)

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