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Görlitzer Linke: Schlachthof kaufen - Nostromo retten

Die Partei hat einen eigenen Vorschlag in der Debatte. Auch wenn sie nicht weiß, wofür sie das ganze Gelände nutzen will.

Die Existenz des Clubs Nostromo in Görlitz ist in Gefahr.
Die Existenz des Clubs Nostromo in Görlitz ist in Gefahr. © Foto: Pawel Sosnowski

Die Stadt Görlitz soll das Schlachthof-Gelände an der Cottbuser Straße kaufen und mit dem Betreiberverein Schall & Rauch einen langfristigen Mietvertrag abschließen, um den dort ansässigen Club Nostromo als Ort der vielfältigen sozio-kulturellen Clubkultur zu erhalten. Das fordert die Linksfraktion im Görlitzer Stadtrat. Sie arbeitet derzeit an einem Antrag, mit dem der Oberbürgermeister beauftragt wird, einen Kauf des gesamten Geländes zu prüfen.

Der jetzige Eigentümer hatte dem Nostromo kürzlich den Mietvertrag gekündigt. „Verantwortlich für die Kündigung ist aus unserer Sicht der übereilte und nicht verantwortungsbewusste Vorschlag von Bürgermeister Wieler, das Gelände für ein Katastrophenschutzzentrum zu nutzen“, sagt Fraktionsvorsitzende Jana Lübeck. Dieser Vorschlag, der noch nicht einmal mit dem Landkreis vorabgestimmt gewesen sei, habe ganz klar Begehrlichkeiten beim Eigentümer geschaffen und damit verbunden auch die Hoffnung auf einen möglichst hohen Verkaufspreis angefeuert.

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Das Görlitzer Rathaus will mit einer Machbarkeitsstudio die Einrichtung eines Zivilschutzzentrums im Schlachthof-Areal prüfen. Wegen Unstimmigkeiten wurde der Antrag aber von der Dezember-Sitzung des Stadtrates genommen. Sollte sich das Gelände für den Neubau der Berufsfeuerwehr sowie Räumlichkeiten für den Katastrophenschutz eignen, müsste die Stadt das Areal sowieso erwerben. Die Stadt wollte im Dezember, dem Nostromo bei der Suche nach einem neuen Standort helfen.

Stadt soll Club langfristig absichern

Die Kündigung für den Verein Schall & Rauch sei die Folge: „Nun muss Görlitz möglichst schnell handeln und sicherstellen, dass dieser ehrenamtlich aufgebaute Ort der Clubkultur unbedingt erhalten bleibt.“ Die Stadt solle das Nostromo über einen langfristigen Mietvertrag absichern und das Gelände ergebnisoffen entwickeln.

Als Ort für ein Katastrophenschutzzentrum sieht die Linksfraktion den Schlachthof allerdings nicht. Vor zwei Wochen hatte ihr Landtagsabgeordneter Mirko Schultze die Idee, Bevölkerungsschutz, freiwillige Feuerwehr und Berufsfeuerwehr in einem Zivilschutzzentrum zu vereinen, sogar als „eine große Seifenblase“ bezeichnet. „Seit Jahren werden die Probleme mit Gebäuden und Baufälligkeit in Gerätehäusern wie in Klingewalde diskutiert“, so Schultze. Nun präsentiere Wieler wieder eine Seifenblase, die von der Finanzierung bis zur Realisierung unrealistisch sei.

Schultze fordert getrennte Standorte

Schultze ist Görlitzer und Sprecher für Feuerwehr und Bevölkerungsschutz der Linkspartei im Landtag. Er spricht sich dafür aus, die Berufsfeuerwehr an ihrem historischen Standort an der Krölstraße zu erweitern und dabei auch realistisch an die Planung heranzugehen: 17 Tore, wie in Görlitz erwünscht, habe nicht einmal die Hauptfeuerwehr in Dresden.

Offen bleibt aber die Frage bei der Linkspartei, wozu die Stadt das große Schlachthofgelände nutzen soll, wenn sie es schon kauft. Der Vorschlag kommt zu einer Zeit, wo die Stadt derzeit alle Investitionsprojekte nochmal auf Notwendigkeit und Finanzierbarkeit abklopft, um nicht zuletzt ein 11-Millionen-Euro-Loch im Görlitzer Stadthaushalt auszugleichen.

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