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Küchenprofi, der Harald Schmidt bediente

Stephan Krebs führt das Geschäft, das sein Vater aufgebaut hat. Er war einer der ersten Görlitzer seiner Generation, die zurückkamen.

Stephan Krebs in seinem Küchenstudio auf der Görlitzer Dr.-Friedrichs-Straße.
Stephan Krebs in seinem Küchenstudio auf der Görlitzer Dr.-Friedrichs-Straße. © Paul Glaser

Tischlerausbildung, Küchenmonteur, Küchenfachberater – die beruflichen Stationen von Stephan Krebs klingen, als hätte schon früh festgestanden, dass er eines Tages das Geschäft seines Vaters übernehmen würde. "Aber so war es nicht", sagt der 39-jährige Inhaber des Küchenstudios Krebs auf der Görlitzer Dr.-Friedrichs-Straße.

Dass es dazu kam, entschied sich erst vor knapp zehn Jahren. Da war Peter Krebs Mitte 50 und fragte seinen Sohn erstmals konkret, ob es nicht eine ernstzunehmende Option für ihn sei, nach Görlitz zurückzukommen und ins Unternehmen einzusteigen.

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Fast alle sind damals weggegangen

"Nach dem Besuch bei meinen Eltern fuhren meine Frau und ich wieder zurück nach Köln, wo wir damals lebten", erinnert sich Stephan Krebs. "Kaum im Auto, begannen wir die Vor- und Nachteile eines Umzugs abzuwägen. In Bautzen war es entschieden." Inzwischen führt Stephan Krebs das Küchenstudio seit acht Jahren.

Kommt es heute öfter vor, dass jüngere Görlitzer in ihre Heimat zurückkehren, war seine Entscheidung damals noch eine ungewöhnliche. "Von meinen Freunden und Bekannten sind 80 Prozent gleich nach der Schule weggegangen", sagt er, "ein Großteil hat im Westen Fuß gefasst und wird auch nicht mehr zurückkommen."

Stephan Krebs gehörte nach seinem Schulabschluss 1997 in Schönau-Berzdorf zu der Generation junger Leute, die sich – anders als heute – zu Hunderten auf eine Lehrstelle bewerben mussten und nur selten das Glück hatten, in der Region bleiben zu können. Aber er gehörte zu den wenigen, die einen Ausbildungsplatz bekamen. Sein Vater hatte sich dafür eingesetzt, dass er beim traditionsreichen Küchenhersteller Eschebach in Radeberg Tischler lernen konnte, und die Ausbildung mitbezahlt. "Aber ich war damals unsicher, ob ich in diesem Beruf auch wirklich arbeiten wollte", sagt Stephan Krebs.

Als Kind schon beim Vater geholfen

Das hing durchaus damit zusammen, dass er das Unternehmen seines Vaters so gut kannte. Er war neun, als Peter Krebs begann, in einem ehemaligen Lager des Centrum-Warenhauses, später Karstadt, sein Geschäft aufzubauen. Anfang der 1990er verkaufte er noch Elektrogeräte jeder Art, erst ab 1994 spezialisierte er sich zunehmend auf Küchen. "Schon damals war ich immer dabei", sagt Stephan Krebs und erzählt, wie er mit seinem besten Freund zweimal die Woche von Schönau-Berzdorf mit dem Bus nach Görlitz fuhr, um im Geschäft seines Vaters den Verpackungsmüll zu zerkleinern, Pappkartons, Styropor, riesige Plastiktüten. "Auch in den Ferien habe ich immer bei meinem Vater gearbeitet."

So nahe dran, erlebte er auch mit, wie sein Vater um die Existenz seines Geschäfts kämpfen musste, wie schwer es oft war. "Die hohe Arbeitslosigkeit in den 1990ern, der Wettbewerb, die Konsumsattheit um das Jahr 2000 herum, das war alles nicht so einfach." Damals gab es in Görlitz mindestens zehn Küchenstudios, davon mehrere in direkter Nähe: Luisenstraße, Jakobstraße, Leipziger Platz. Dazu die Möbelhäuser. Die Konkurrenz war groß.

Tischlern überm Zürichsee

Mit dem Gefühl, "einmal raus" zu müssen, ging Stephan Krebs nach seiner Ausbildung erst einmal weg aus Görlitz. Ein Jahr lang arbeitete er in der Schweiz in einer Zeitarbeitsfirma für vier verschiedene Tischlereien, baute Fenster ein, Treppen, probierte sich aus, lernte dazu. "Das war eine gute Zeit", sagt er. Dort habe er erfahren, wie hoch deutsches Handwerk im Ausland geschätzt wird, auch gutes Geld verdient. "Und natürlich tolle Landschaften gesehen." Manchmal sei er früh mit dem Transporter durch den Nebel gefahren, um irgendwo Fenster einzubauen, ohne zu sehen, wo er war. "Und dann zieht es plötzlich auf, und man sieht die 3000er und den Zürichsee, das vergisst man nie."

Weil er zu Hause eine Freundin hatte und nicht mehr pendeln wollte, kam er 2002 nach Görlitz zurück und arbeitete bei seinem Vater als Küchenmonteur. "Ich habe die Arbeit gern gemacht", sagt Stephan Krebs. Diese sechs Jahre, in denen er in zahlreichen Görlitzer Wohnungen Küchen aufbaute, sieht er im Rückblick als die Zeit an, die für seine spätere Aufgabe Gold wert war. "Diesen Umgang mit Menschen über zwei, drei Tage in ihren eigenen Räumen, das individuelle Anpassen einer Küche nach ihren Wünschen lernt man in keiner Ausbildung, dazu braucht es die tägliche Praxis über eine lange Zeit."

2008 aber spielte sein Rücken nicht mehr mit, das schwere Tragen hatte seine Wirbelsäule geschädigt. Wieder war es sein Vater, der Rat wusste. So ging Stephan Krebs nach Köln, um an der in Deutschland einzigartigen Möbelfachschule "Möfa" den Beruf des Küchenfachberaters zu erlernen. "Erst hatte ich vor, nur für das Ausbildungsjahr in Köln zu bleiben", sagt er. "Allein in der Großstadt, im Wohnheim, das war nicht so komfortabel."

Küchen in Köln an Prominenz verkauft

Doch an der Möfa lernte er seine zukünftige Frau kennen, eine Baden-Württembergerin. Die Ausbildung machte ihm Spaß, aus einem Praktikum wurde eine Anstellung. So arbeitete er ein Jahr in einem Küchenstudio, wo es Küchen für 100.000 und mehr Euro gab. "Dort habe ich einmal Weingläser an Harald Schmidt verkauft", sagt Stephan Krebs. In Köln begegne man wegen der vielen ansässigen Fernsehsender öfter Prominenten, das mache das Leben bunt. Auch in dem großen Küchenfachmarkt, bei dem er ein weiteres Jahr arbeitete, traf er Prominente: Er vermaß die Küche des Schauspielers Wotan Wilke Möhring und beriet die Sängerin Lena Meyer-Landrut.

"Ich hätte mir auch vorstellen können, länger in Köln zu bleiben", sagt Stephan Krebs. Aber als sein Vater ihn 2011 fragte, ob er nach Görlitz kommen wolle, lag der Gedanke daran nicht mehr so fern. "Vorher hätte ich mir nie zugetraut, das Küchenstudio zu führen." Aber in Köln war er als Verkäufer erfolgreich, er hatte das Küchengeschäft von ganz unten gelernt und konnte sich mit einem Mal vorstellen, dass er für seinen Vater ein guter Nachfolger werden könnte.

Gut daheim angekommen

Dafür war es nun ein guter Zeitpunkt. Peter Krebs hatte inzwischen auch die Euro-Umstellung und die Finanzkrise überstanden, das Geschäft lief gut, die schweren Zeiten schienen vorbei. "Mein Vater war 1990 ins kalte Wasser gesprungen wie alle damals, hat auch Fehler gemacht wie alle und daraus gelernt", sagt Stephan Krebs. "Aber jetzt war alles gut vorbereitet, wir wollten noch eine Zeit gemeinsam arbeiten und ich meine Erfahrungen von außen einbringen."

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Als Stephan Krebs mit seiner Frau nach Görlitz kam, investierte er und gestaltete zusammen mit seinem Vater das Küchenstudio um. 2012 feierte die Familie die Wiedereröffnung. Bis heute arbeiten Vater und Sohn zusammen. Privat hat Stephan Krebs inzwischen für sich und seine Frau in Tauchritz ein Haus saniert und ist froh, wieder zu Hause zu sein. "Erst wenn man einmal weg war, kann man wirklich entscheiden, wie und wo man leben will", sagt er. "Es ist wirklich schön hier, die Arbeit macht Spaß, und auch wenn es mal nicht so läuft, weiß man wenigstens, wofür man das alles macht."

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