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Wie viele E-Tanken braucht Görlitz?

Aktuell steigt die Zahl der Ladesäulen – vor allem dank der Stadtwerke. Doch die Prognosen für 2030 variieren extrem.

Erst kürzlich nahmen Landskron-Geschäftsführer Uwe Köhler (l.) und Stadtwerke-Chef Matthias Block auf dem Gelände der Landskron Brauerei in Görlitz eine neue öffentliche Elektro-Ladesäule in Betrieb.
Erst kürzlich nahmen Landskron-Geschäftsführer Uwe Köhler (l.) und Stadtwerke-Chef Matthias Block auf dem Gelände der Landskron Brauerei in Görlitz eine neue öffentliche Elektro-Ladesäule in Betrieb. © Stadtwerke Görlitz

Danilo Kuscher hat die Zahlen der Kanzlerin mal auf Görlitz heruntergebrochen. „Sie will eine Million Ladepunkte für Elektrofahrzeuge in Deutschland im Jahr 2030, das entspricht 700 in Görlitz“, erklärte der Motor-Görlitz-Stadtrat jetzt im Technischen Ausschuss. Und wunderte sich, warum Martin Koppatsch vom Amt für Stadtentwicklung im Rathaus zuvor ganz andere Zahlen vorgestellt hatte. Er sah einen Bedarf von 126 Ladepunkten im Jahr 2030 in Görlitz: „Geht man davon aus, dass an jeder Säule zwei Ladepunkte vorhanden sind, dann entspricht das 63 Ladesäulen.“

Und während Koppatsch den Elektroauto-Anteil 2030 in Görlitz bei 12 Prozent sieht, entgegnet Kuscher: „Offizielle Quellen sagen 25 Prozent.“ Das wären in Görlitz rund 5.500 Elektroautos. Bürgermeister Michael Wieler bemüht sich um Vermittlung: „Es gibt immer unterschiedliche Quellen, die unterschiedliche Angaben machen.“ Man könne das auch nicht nur an der Einwohnerzahl festmachen: „Da spielen auch ganz andere Faktoren hinein.“

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Zahl der Elektrofahrzeuge steigt

Fakt indes ist: Die Zahl der Elektrofahrzeuge in Görlitz steigt. 2019 machten sie laut Koppatsch 0,1 Prozent aller Pkw aus, 2020 waren es bereits 0,9 Prozent. Folglich werden die Säulen, die in Görlitz schon da sind, immer mehr genutzt. Laut Koppatsch wurden 2019 in Görlitz knapp 200 Ladungen verzeichnet, 2020 aber schon fast 500 und dieses Jahr allein in den ersten zwei Monaten bereits 140. Die Tendenz sei also stark steigend. „Die Stadtwerke sagen, dass das sehr gute Zahlen sind“, so Koppatsch.

Fakt ist auch: Die Anzahl der Ladesäulen steigt – vor allem dank der Stadtwerke. Erst Anfang März hat das Unternehmen auf dem Gelände der Landskron Brauerei seine dritte öffentliche Elektro-Ladesäule in Görlitz in Betrieb genommen, im Januar die zweite am Nikolaiturm. Die Erste steht seit Juli 2019 vor dem Bahnhof. Für die hauseigenen Elektrofahrzeuge haben die Stadtwerke allerdings schon viel mehr Ladesäulen aufgestellt. „Unsere nächsten öffentlichen Standorte sind Wilhelmsplatz, Demianiplatz sowie am Neißebad mit je zwei Ladepunkten“, sagt Stadtwerke-Vorstandsvorsitzender Matthias Block: „Darüber hinaus sind weitere Standorte in Görlitz schon in Vorbereitung.“

Nächste Standorte stehen fest

Laut der Liste, die der Stadtrat längst beschlossen und die Koppatsch jetzt präsentiert hat, sind das die Straßenbahn-Wendeschleife Weinhübel, die Strandpromenade Deutsch Ossig, die Elisabethstraße, die Hochschule sowie Flächen gegenüber der Lausitzer Straße 38 in Königshufen und am Trafohäuschen auf der Friedhofstraße. „Wir werden mit den Stadtwerken weiteren Bedarf prüfen und dann mehr Standorte festlegen“, kündigt Wieler schon jetzt an.

Doch es sind nicht die Stadtwerke allein, die in Görlitz und Umgebung Ladesäulen aufstellen. Auch Unternehmen wie Kommwohnen, die Enso, diverse Hotels und Autohäuser tun das. Im Neißepark, bei Aral und an der Blauen Lagune gibt es ebenfalls welche. Und womöglich lädt manch einer sein E-Auto auch bald privat zu Hause. „Allerdings ist der Anteil an Ein- und Zweifamilienhäusern mit 13,6 Prozent in Görlitz gering“, sagt Koppatsch: „Deshalb haben wir einen hohen Bedarf an öffentlicher Lade-Infrastruktur.“

AfD sorgt sich wegen Atomstrom

Der AfD bereitet die Entwicklung offenbar Sorge. So wollte Fraktionschef Lutz Jankus wissen, ob für die Ladung der E-Fahrzeuge, gerade im Winter, vielleicht Atomstrom aus Frankreich oder Tschechien importiert werden müsste. Doch laut Koppatsch wird der Stromverbrauch in Görlitz bis 2030 pro Kopf um gerade mal 2,3 Prozent zunehmen. Bei leicht sinkender Einwohnerzahl läuft es am Ende auf ein Nullsummenspiel hinaus.

Koppatsch schlägt vor, ein Mobilitätsleitbild für Görlitz zu erstellen – und die Bürger zu beteiligen: „Das Thema sollte stärker in die Kommunikation kommen.“

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