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Bald heiraten auf Schloss Hirschstein?

Die Kapelle soll wieder einen Altar erhalten. Zuvor sind aber andere Arbeiten notwendig. Und es gibt ein großes Problem.

Schloss Hirschstein, das sich im Besitz der Gemeinde befindet, soll weiter saniert werden.
Schloss Hirschstein, das sich im Besitz der Gemeinde befindet, soll weiter saniert werden. © Lutz Weidler

Hirschstein. Bürgermeister Conrad Seifert war gerade mitten im Ostseeurlaub, als das Handy klingelte. "Ich muss rangehen, es handelt sich bestimmt ums Schloss", sagt er seiner Frau, die ihm einen nicht ganz freundlichen Blick zuwirft. Gut, dass er rangegangen ist. Es ging tatsächlich ums Schloss. Am anderen Ende der Leitung ist ein Mitarbeiter des Landesamtes für Denkmalschutz. "Ich habe einen Altar für die Kapelle Ihres Schlosses", sagt dieser. Er soll Hirschstein als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt werden. Conrad Seifert kann sein Glück kaum fassen. Natürlich sagt er zu.

Doch wer hat eigentlich einfach so einen Altar herumstehen, dass er diesen verleihen kann? Seifert muss schmunzeln. "Das hatte ich mich im ersten Augenblick auch gefragt", sagt er. Der Altar stammt aus einer Kirche bei Grimma, hat einen Hochwasserschaden aus dem Jahr 2002. Der Altar in der Kirche wurde erneuert, der alte stand einfach herum.

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Seifert kümmerte sich um das Geld für die Restaurierung, rund 30.000 Euro. Das ist der Deal: Die Gemeinde saniert den hochwassergeschädigten Altar, bekommt ihn dafür als Dauerleihgabe. Ein bisschen Essig wurde allerdings in den Wein geschüttet. Die Dauer der Ausleihe ist nicht festgelegt. "Wenn die Kirche ihn eines Tages zurückhaben will, dann müssen wir ihn wieder abgeben", sagt der Bürgermeister und hofft, dass dies nicht eintritt.

Eines er vier Wappen, die aufwendig restauriert werden sollen. Doch es fehlt noch Geld dafür.
Eines er vier Wappen, die aufwendig restauriert werden sollen. Doch es fehlt noch Geld dafür. © Sebastian Schultz

Altar nach dem Krieg gestohlen

Doch was hat ein Altar in einem Schloss zu suchen? "Das ist nichts Außergewöhnliches, auch auf Schloss Hirschstein gab es einst in der Kapelle einen Altar", sagt der Hirschsteiner Bürgermeister. Er ist verschwunden wie fast alles Inventar aus dem Schloss. Das wurde nach dem Krieg völlig ausgeplündert. Mit dem Altar werde in der Kapelle praktisch der Urzustand hergestellt.

"Wenn wir wieder einen Altar in der Kapelle haben, könnte es auf dem Schloss auch kirchliche Hochzeiten geben", sagt Conrad Seifert. Das müsse dann allerdings mit der Kirche abgesprochen werden. Diese habe Vorrang bei den Trauungen. Aber auch standesamtliche Hochzeiten könnte er sich auf dem Schloss vorstellen. Dafür bedarf es zwar keines Altars, jedoch Absprachen mit und Einwilligung von Riesa. Denn Hirschstein hat kein eigenes Standesamt, dies erledigt die Große Kreisstadt für die Gemeinde mit.

Bevor der Altar aufgebaut werden kann, muss aber nicht nur er, sondern auch die Kapelle saniert werden. Auch der Treppenaufgang soll in diesem Zusammenhang erneuert werden. "Das ist für dieses Jahr geplant, allerdings davon abhängig, dass die Finanzierung gesichert ist. Für beide Arbeiten werden Fördermittel beantragt. Außerdem sicherte die Peter-Dürasch-Stiftung Unterstützung zu ", so Conrad Seifert.

Risse im Mauerwerk

Bei der seit rund drei Jahren geplant Restaurierung der Wappen im Bereich der Treppe ist die Finanzierung derzeit noch nicht gesichert. Die vier Wappen wurden im Laufe der vergangenen Jahrhunderte immer wieder mit Ölfarbe überstrichen. Die Farbschichten sollen abgenommen und die ursprüngliche Fassung wieder hergestellt werden. Rund 3.000 Euro kostet die Restaurierung eines Wappens, insgesamt sind also 12.000 Euro nötig. Um das Geld aufzutreiben, rief der Förderkreis Schlösserland Sachsen eine Spendenaktion ins Leben. "Der für die Restaurierung erforderliche Betrag konnte leider bis jetzt noch nicht vollständig eingeworben werden", so Conrad Seifert.

Die Restaurierung der Wappen, die fest mit der Wand verbunden sind, ist ohnehin erst sinnvoll, wenn die Kapelle saniert ist. "Sonst müssten wir sie umfangreich wegen der Bauarbeiten abdecken und schützen", so Seifert.

Er hat allerdings ein noch viel größeres Problem. Im Mauerwerk des Schlosses gibt es Risse. "Einfach zuschmieren bringt nichts, denn die Ursache für diese Risse liegen im Untergrund, der sich bewegt", sagt er. Ursache dafür ist einerseits, dass Wasser aus dem unsanierten Innenhof drückt, andererseits die Wurzeln von großen, alten Linden den Untergrund wirkt. Abhilfe ist aufwendig, aber notwendig. "Wir werden Aufgrabungen machen müssen, um die Schlossgründung zu verstärken", sagt Conrad Seifert. Die Kosten sind noch unklar. Seifert rechnet mit mehreren hunderttausend Euro.

Bald wieder Markt auf Schlosshof

Das Schloss ist zwar das Aushängeschild der Gemeinde, aber auch finanzielles Sorgenkind. Vor Jahren wurde es vom Landkreis für einen symbolischen Euro an die Gemeinde "verkauft". Dennoch wurde es für Hirschstein eine teure Angelegenheit. Allein die Notarkosten sollen bei mehreren Tausend Euro gelegen haben.

Die Einnahmen dagegen halten sich in engen Grenzen, kommen aus Märkten, Schlossführungen und Kulturveranstaltungen. In den vergangenen eineinhalb Jahren fielen diese aber alle wegen Corona aus. Der Bürgermeister schätzt den Verlust auf mehrere Tausend Euro. "Die Ausfälle haben nicht nur ein finanzielles, sondern auch ein kulturelles Loch geschlagen, ist das doch ein Ort, an dem die Menschen nicht nur aus der Gemeinde zusammenkommen", sagt er.

Immerhin, es besteht Hoffnung. Vom 16. bis 18. Juli soll es erstmals wieder ein Marktwochenende auf dem Schlosshof geben. Und ob wieder Führungen stattfinden, wird demnächst entschieden.

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