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PLUS Meißen

500.000 Euro für die Jahnhalle

Nach der Rettung geht es nun um die Zukunft des 125 Jahre alten Gebäudes. Es soll für alle Meißner nutzbar sein.

So sieht es heute in der Jahnhalle aus. Die Stützbalkenkonstruktion ist wieder sicher und der Fußboden ist erneuert.
So sieht es heute in der Jahnhalle aus. Die Stützbalkenkonstruktion ist wieder sicher und der Fußboden ist erneuert. © Claudia Hübschmann

Meißen. Visionen können wahr werden – auch in diesen Zeiten und auch in einer Stadt wie Meißen. Das Jahnhallen-Areal bietet einen anschaulichen Beweis dafür. Baufahrzeuge, Bauleute der Firma Brumm, die Fertigbeton-Lieferungen in verschiedenen Räumen verarbeiten, künden davon: Nachdem die Dachkonstruktion der 125 Jahre alten Halle wieder auf eigenen Füßen steht, wie Bill Quaas die Hausschwammsanierung und teilweise Erneuerung der Stützbalken nennt, geht es nun an den Innenausbau, der im Jugendstil errichteten Halle mit dem eindrucksvollen Dachgewölbe. Der Meißner Malermeister und Restaurator gehört zum Vorstand der Bürgerstiftung Meißen, die sich um die Rettung und Wiederbelebung der Jahnhalle auf dem Jüdenberg engagiert.

Sportliche Wettkämpfe sollen hier, oberhalb der Altstadt, nicht die Zukunft bestimmen – dafür fehlt es auch nach der Rettung der Halle an Zufahrts- und Parkmöglichkeiten. Vielmehr sollen sich hier die Meißner treffen, um sich zu bewegen, Kinder toben zu lassen, während Eltern oder Großeltern auf der Galerie bei Kaffee und Kuchen ausspannen. 

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Barrierefrei und rollstuhlgerecht

Der Grundriss der Halle bietet Möglichkeiten zum Volleyballspielen ebenso wie für Feiern und Tanzveranstaltungen. Dafür gibt es bereits Anfragen. Die Zugänge zur Halle werden barrierefrei sein, damit auch Bewohner der Meißner Seniorenheime hierher kommen können, sagt Bill Quaas. Und die Galerie soll um 80 Zentimeter verbreitert werden, um sie auch für Rollstuhlfahrer zu erschließen.

Nachdem der Verfall gestoppt und die Halle gerettet ist, geht es nun an den Innenausbau – Schritt für Schritt. Heizung und Sanitäranlagen müssen installiert werden. Räume werden hergerichtet, die als Büros oder Abstellmöglichkeit genutzt werden können. Im Obergeschoss soll eine Wohnung ausgebaut werden, in die Bundesfreiwillige oder ein Hausmeister-Ehepaar einziehen können. Ebenso sind Räumlichkeiten für einen Waldkindergarten vorgesehen. Die Fenster werden denkmalgerecht saniert. Und von der Galerie aus soll wieder eine Brücke zum Außengelände führen. Das alles soll in den nächsten zwei Jahren erledigt werden, fügt Ina Heß hinzu.

Äußerlich wird die Halle ihr altes Antlitz zurückerhalten. Wenn die Arbeiten zum Abdichten und Dämmen des Gebäudes abgeschlossen sind, können Gerüste gestellt, Dachbalken repariert und das Dach neu gedeckt werden – natürlich denkmalgerecht wie Bill Quaas betont. Und die noch zugemauerten Fenster und Türen sollen originalgetreu wieder hergestellt werden. Die Jahnhalle bekommt natürlich auch eine neue Fassade – mit Grob- und Glattputz wobei über die Farbe noch nicht endgültig entschieden ist, so Bill Quaas.

Neuer Betonfußboden in einem Raum des Anbaus.
Neuer Betonfußboden in einem Raum des Anbaus. © Claudia Hübschmann
Zur Bewegungslandschaft im Außengelände gehört auch ein Sandkasten mit Sonnensegel.
Zur Bewegungslandschaft im Außengelände gehört auch ein Sandkasten mit Sonnensegel. © Claudia Hübschmann
Ina Heß und Bill Quaas vom Vorstand der Bürgerstiftung Meißen. 
Ina Heß und Bill Quaas vom Vorstand der Bürgerstiftung Meißen.  © Claudia Hübschmann

Die Bauarbeiten machen neugierig. Viele Meißner spazieren über die Justusstufen hinauf auf den Jüdenberg, um das Gelände in Augenschein zu nehmen oder um Angebote zum Bewegen zu nutzen. Eine Multisportanlage, eine Slackline und ein Sportgerät für alle Generationen laden dazu ein. Die regelmäßigen Yogakurse haben ihren festen Teilnehmerkreis, sagt Ina Heß. Auch ein Sandkasten für die ganz Kleinen ist bereits fertig. Eine Landschaftsarchitektin widmet sich dem Grün auf dem Areal. Bäume werden noch etwas ausgelichtet, um Platz für Sitzmöglichkeiten im Freien zu schaffen, kündigt Bill Quaas an. Die Jahnhalle soll von der Altstadt aus zu sehen sein – und in der Vorweihnachtszeit abends vom Jüdenberg leuchten.

Ina Heß und Bill Quaas gehören zum Vorstand der Bürgerstiftung Meißen. Darin haben sich Bürger der Stadt zusammengefunden, die nach gescheiterten Rettungsversuchen dem Verfall der Halle nicht weiter zusehen wollen. Mit viel Liebe und Eigeninitiative erarbeiteten sie Konzepte wie das für die Bewegungslandschaft, werben für Spenden, organisieren Arbeitseinsätze und nutzen Kontakte zu Architekten, Bauplanern, Handwerkern und Baubetrieben. Eigenleistungen, Geld-, Sach- und Leistungsspenden summierten sich bislang auf eine sechsstellige Summe, wie die Vorstandsvorsitzende der Stiftung Ina Heß informiert.

Vor drei Jahren erwarb die Stiftung die Jahnhalle und das sie umgebende Areal mit einer Fläche von 13.580 Quadratmetern von der Stadt. Für einen symbolischen Euro. Der Aufwand, um die ehrgeizigen Pläne zum Umbau der Halle und Schaffung einer Bewegungslandschaft zu verwirklichen, erfordert Millionen. Viele Stunden haben die Bürger in die Jahnhalle bereits investiert. Und sie haben allerhand in Bewegung gesetzt, um Geld für das Projekt zu beschaffen.

Stadt übernimmt 167.000 Euro

Über das Programm zum Städtebaulichen Denkmalschutz soll nun eine Vereinbarung mit der Stadt geschlossen werden, die eine Förderung in Höhe von 500.000 Euro für das Projekt ermöglicht. Weil das Förderprogramm von Bund, Ländern und Kommunen gemeinsam getragen wird, muss die Stadt ein Drittel der Kosten übernehmen – insgesamt 167.000 Euro.

Die Stadträte hatten jetzt über diese Ausgabe zu befinden, die im Meißner Haushalt für dieses und das nächste Jahr vorhanden sein muss. Roman Lassotta (CDU/Freie Bürger/FDP/U.L.M.) hatte mit dem Hinweis auf die Gleichbehandlung beim Unterstützen städtischer Initiativen und Vereine Bedenken geäußert. Fraktionskollegin Heike Zimmer hingegen nannte das Projekt „eine Bereicherung für die ganze Stadt“. Die Jahnhalle ist „ein Paradebeispiel für bürgerschaftliches Engagement“, begründete Tilo Hellmann (Linke), warum der Förderantrag Unterstützung verdient. Bei vier Enthaltungen und einer Gegenstimme beschlossen die Stadträte schließlich, die Förderung in Höhe von einer halben Million Euro auf den Weg zu bringen.

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„Nicht mehr als eine Vision“ hatten diejenigen, die sich vor einigen Jahren zusammenfanden, um sich für die Rettung der Jahnhalle stark zu machen, sagte Ina Heß vor den Stadträten. Sie appellierte, das Vorhaben zu unterstützen. Mit dem Verweis auf Open Air-Yoga oder Volleyballnachmittage, die bereits heute regelmäßig stattfinden, nannte sie die Investition in die Bewegungslandschaft auf dem Jahnhallen-Areal „gut angelegtes Geld für die Bevölkerung Meißens“. 

Spendenkonto der Bürgerstiftung Meißen: DE21 8505 5000 0500 1385 91; SOLADES1MEI

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