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Dresden

Werftbesitzer plant Dampfer-Stopp in Laubegast

Immer wieder wird über eine Anlegestelle diskutiert. Jetzt könnte nicht nur sie kommen.

Sven Spielvogel hat das Ruder in der Werft übernommen und will sie mit neuen Ideen beleben.
Sven Spielvogel hat das Ruder in der Werft übernommen und will sie mit neuen Ideen beleben. © Christian Juppe

Dresden. Zwei Dampfer liegen an den Anlegestellen der Werft in Laubegast, drei weitere stehen auf der Slipanlage. Die nächsten Wochen zählen, der 1. Mai ist das entscheidende Datum. Dann findet die Flottenparade auf der Elbe statt. Bis dahin muss auch das letzte Schiff, das ganz oben auf der Slipanlage steht, im Wasser sein. Es ist der Dampfer Krippen. Ende April soll er in die Elbe gesetzt werden. Dann hat Sven Spielvogel zum ersten Mal eine komplette Reparatursaison in der Werft erlebt.

Die Dampfer Pirna und Rathen sollen Ende März fertig werden.
Die Dampfer Pirna und Rathen sollen Ende März fertig werden. © (c) Christian Juppe

Was im Mittelpunkt steht

Der 45-Jährige hat die Firma im Sommer 2019 gemeinsam mit seinem Partner Rico Richert übernommen. Einen mittleren einstelligen Millionenbetrag hat das Unternehmen des Duos, die Richert & Co. Immobilien GmbH, für die fast 34.000 Quadratmeter große Fläche in Bestlage an der Elbe bezahlt. Samt Gebäuden, Maschinen und der denkmalgeschützten Slipanlage, auf der Schiffe für Reparaturarbeiten aus dem Wasser gezogen werden können.

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„Das ist das Herz der Werft“, sagt Spielvogel und deutet im großen Bogen auf die Fläche mit den Schienen, die in die Elbe reichen. Dort stehen zur Zeit die Dampfer Krippen, Pirna und Rathen auf unzähligen Stahlböcken. Es wird gemalert und geschraubt, geschliffen und poliert. Die Zeit rennt, in drei Wochen sollen zwei der Dampfer in die Elbe gesetzt werden. Mit seiner ausladenden Geste will Spielvogel sagen: Das ist eine Werft und das bleibt eine Werft.

Die Slipanlage, auf der Schiffe aus dem Wasser geholt werden können, ist das Herz der Werft, sagt Spielvogel.
Die Slipanlage, auf der Schiffe aus dem Wasser geholt werden können, ist das Herz der Werft, sagt Spielvogel. © Christian Juppe

Investor sucht Mieter

Ja, er kennt die Gerüchte, dass dort auch schicke Wohnhäuser für Menschen mit besonders dicken Geldbörsen stehen könnten. Die gab es auch schon 2014, als sein Vorgänger Reinhard Saal die Werft gekauft hatte. „Ich weiß, dass das ein Thema wäre“, räumt Spielvogel ein, „aber das ist eine Werft“. Auch einen Mischbetrieb mit Werft und Wohnen kann er sich nicht vorstellen. „Was wir hier machen, soll das Notwendige für die Schifffahrt sein“, sagt er und führt durch die Räume. Die Dampfschifffahrt betreibt eine Metall- und eine Holzwerkstatt, dazwischen steht zur Zeit eine Halle leer. Sie soll neu vermietet werden, ebenso das Obergeschoss des langgezogenen Gebäudes parallel zur Österreicher Straße. Mehr als 1.500 Quadratmeter Fläche hat Spielvogel dort noch unterm Dach frei für mehrere Firmen. Dazu könnte zum Beispiel ein Architekturbüro gehören.

Spielvogel gerät schnell ins Schwärmen, wenn er von den Dampfern spricht. Die Elbe ohne die Dampfer sei wie Berlin ohne den Fernsehturm, steht auf der Startseite von Richert & Co im Internet. Spielvogel ist stolz auf diesen Vergleich und plant Änderungen, die genau dazu passen sollen. 

Die zwei alten Hallen auf der Seite zum benachbarten Opelhaus könnten einer größeren, neuen Halle weichen, blickt er in die Zukunft. Eine der beiden Anlegestellen soll eine Zulassung für den Personenverkehr bekommen, das wäre Voraussetzung für Dampfer-Linienfahrten nach Laubegast. Und er will das Gelände öffnen, zumindest die Ecke mit den zwei Anlegestellen. Dort führt ein Weg aus Betonplatten hinunter zur Elbe und es gibt einen Asphaltweg zu den Anlegestellen. 

Gleich daneben, nur getrennt durch einen Zaun, verläuft der Elberadweg. Dort kann sich Spielvogel einen Biergarten vorstellen, natürlich abgetrennt vom Werftgelände. Denn für die Slipanlage gilt: „Betreten verboten.“ Auch Reinhard Saal hatte schon die Idee, das Werftgelände mit einem Ausschank zu beleben, er wollte sogar den Elberadweg wieder durch die Firma führen. Doch daraus wurde nichts. „Das kriegst du versicherungstechnisch nicht hin“, ist Spielvogel überzeugt und will sich deshalb für die kleinere Variante mit dem Ausschank auf der Laubegaster Werftseite stark machen.

Ein Plan ging nicht auf

Doch es wird noch dauern, bis aus den Ideen Taten geworden sind, räumt er ein. „Ich bin sehr schnell“, beschreibt Sven Spielvogel seine Arbeitsweise, aber eineinhalb bis zwei Jahre werde er wohl brauchen, um diese Vorhaben umzusetzen. Das ist überschaubar, bedenkt man den Zeitraum, in dem Richert & Co derzeit mit der Laubegaster Firma plant. Auf fünf bis zehn Jahre sei das Engagement durchaus angelegt, lässt Spielvogel wissen.

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Jetzt geht es ihm erst einmal darum, alle Gebäude auszulasten. In die ehemalige Werftzentrale, das einzeln stehende Haus auf dem Gelände, ist oben die Firma Schaaf eingezogen, die früher in einer der Werkhallen zu Hause war. Darunter soll bald eine Druckerei einziehen. Ganz neu ist auch der Mieter im sogenannten Kopfgebäude des langen Werfthauses. Dort wird derzeit renoviert, künftig ist in dem Anbau die Tanzschule Hartmann untergebracht. In der Ex-Werftzentrale bekommen die Tänzer außerdem noch einen Ballettsaal. Nur, was mit der Werftfläche neben der Elbterrasse Laubegast passiert, ist noch offen. Spielvogel hätte das Lokal gern übernommen. Betreiber wäre dann die Firma Elbezeit geworden, eine Tochter der Flotte.

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