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Ultras erklären Hassplakat gegen Schubert

Der Torwart verlässt Dynamo. Die aktive Fanszene ist besonders aufgebracht, immer noch - und verteidigt die Beschimpfungen. Am Donnerstag wird sich erstmals der Verein äußern.

Das Plakat von Ingolstadt - ohne Worte.
Das Plakat von Ingolstadt - ohne Worte. © kolbert-press

Schwarz auf Weiß und in großen Buchstaben hat es Dynamos Torwart vor Augen. "Spieler kommen, Spieler gehen. Doch du bist die größte Hure" steht auf dem Plakat geschrieben, das die mitgereisten Dynamo-Fans am vergangenen Freitag bei der 0:1-Niederlage in Ingolstadt vor dem Gästeblock aufhängen. Gemeint ist natürlich Markus Schubert, der einen Tag zuvor bekanntgegeben hatte, seinen auslaufenden Vertrag nicht zu verlängern und den Verein stattdessen am Saisonende zu verlassen. Er wolle zu einem Bundesligisten wechseln.

Diese Entscheidung ist überfällig, und wie sie letztlich ausgefallen ist, auch wenig überraschend. Der Abgang des 20-Jährigen hatte sich in den vergangenen Wochen zunehmend abgezeichnet, allein die öffentlichen Reaktionen sind dennoch heftig. 

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Da ist zum einen das Plakat in Ingolstadt. Darüber hinaus wird Schubert vor und während des Spiels beschimpft. Und als die Fans das Lied von den Dresdner Jungs anstimmen, die den Sieg "für uns" holen sollen, ergänzen sie jede Zeile mit dem Nachsatz "Außer Schubert".

Vier Tage danach folgt nun die Erklärung. "Die Enttäuschung über seinen Abgang ist groß, aber noch größer ist der Unmut über die Art und Weise seiner Entscheidung", heißt es in dem ausführlichen Statement auf der Homepage der Ultras, das die Überschrift "Nichts ist größer als der Verein" trägt.

"Diverse Vertragsangebote seitens des Vereins sowie persönliche Nachrichten und Gespräche von Fans aus dem K-Block sollten ihn zum Bleiben überreden. (...) In persönlichen Nachrichten wurde immer wieder betont, dass alles offen wäre und auch ein möglicher Verbleib wurde in Aussicht gestellt. Am Ende war dies vergeudete Zeit, denn im Nachgang stellte sich alles als ein Spiel auf Zeit heraus. (...) Was bleibt, ist ein Arschtritt für unseren Verein und uns Fans sowie eine ganze Menge neuer Baustellen", schreiben die Verfasser und sie betonen, dass die deutliche Kritik sich nicht allein gegen Schubert, sondern allen voran an sein privates Umfeld und seine Berater richtet. Ihnen wird unterstellt, mit dem Transfer des Torwarts "ordentliche Kasse" zu machen.

Die Ultras verteidigen zudem ausdrücklich auch das Plakat in Ingolstadt inklusive der Wortwahl. "Schubert hat mit seinem Verhalten eine entsprechende Reaktion provoziert. Und wie bei jeder Beziehung, in der Leidenschaft und Loyalität keine abgedroschenen Slogans sind, sondern tatsächlich gelebt werden, fiel die Reaktion nun eben entsprechend drastisch aus", heißt es. Und weiter: "Sich nun über das Wort Hure zu echauffieren, ist nicht nur die blanke Heuchelei. Hier die Moralpolizei zu spielen, wirkt vorgeschoben und scheinheilig und dient vermutlich dazu, von der eigenen, miserablen Leistung abzulenken. (...) Auf und neben dem Fußballplatz ist die Sprache derb. Dass die Worte am vergangenen Freitag grob und nicht mit Honig ummantelt wurden, spiegelt aber vor allem den Unmut und die maßlose Enttäuschung über eine Person wieder, die hier von sehr vielen in den nächsten Jahren mit einer gewissen Erwartung als Identifikationsfigur verbunden war."

Er zieht die Handschuhe aus... Markus Schubert verlässt Dynamo nach der Saison und wechselt zu einem Bundesligisten.
Er zieht die Handschuhe aus... Markus Schubert verlässt Dynamo nach der Saison und wechselt zu einem Bundesligisten. © Robert Michael

Als Reaktion auf der Reaktion der Fans ist die Mannschaft nach dem Ingolstadt-Spiel geschlossen in die Kabine gegangen - anstatt sich wie sonst üblich bei den mitgereisten Fans zu bedanken. Kapitän Sören Gonther sprach danach seinerseits Klartext und nahm Schubert in Schutz. „Das Plakat ist für mich ein absolutes No-Go. Es ist für mich selbstverständlich, dass wir nach dieser Aktion als Mannschaft geschlossen reingehen, das haben wir gemeinsam beschlossen. (...) Ob er den Verein wechselt, hin oder her, das ist scheißegal. So sind auch schon Spieler zu Dynamo gekommen. (...) Markus Schubert ist einer von uns, und wenn einer von uns so angegriffen wird, wehren wir uns.“

Auch darauf reagieren nun die Ultras: "Es ist (...) eine absolute Frechheit, wenn der Kapitän unseres Vereins zum wiederholten Male die fehlende Unterstützung beklagt und uns das Recht zu Unmutsbekundungen abspricht. Wir sollen die Regeln des Profigeschäfts akzeptieren? Dann akzeptiert Ihr bitte auch, dass es das gute Recht von uns Fans ist, unsere Meinung kundzutun."

Dynamo selbst hat bislang geschwiegen, nachdem Cheftrainer Cristian Fiel direkt nach der Partie in Ingolstadt um Bedenkzeit bat. "Die Entscheidung von Schubi, die gegnerische Bank, da war das Plakat", meinte er und betonte: "Dass die Fans enttäuscht sind - keine Frage. Dass der Junge erst 20 Jahre alt ist, wissen wir auch alle. Und alles, was ich jetzt noch dazu sagen würde, wäre nicht gut." 

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