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Corona: Freiwilliger in Dresden gestrandet

Joshua aus Papua-Neuguinea hatte sein Auslandsjahr gerade beendet, als die Corona-Pandemie Deutschland erreichte. Plötzlich wurde sein Rückflug gestrichen.

Joshua Chris wartet darauf, in seine Heimat Papua-Neuguinea zurückkehren zu dürfen.
Joshua Chris wartet darauf, in seine Heimat Papua-Neuguinea zurückkehren zu dürfen. © Thomas Schuster

Dresden. Die Sonne macht Joshua glücklich. Endlich kann er wieder kurze Hosen tragen, sind die Tage wärmer und länger. So ähnlich, wie er es von zu Hause kennt. Zuhause, das ist Papua-Neuguinea, 30 Flugstunden entfernt von Dresden, ein Inselstaat im südwestlichen Pazifik.

Vor einem Jahr kam Joshua Chris nach Dresden, um bei der evangelischen Behindertenhilfe in Weißig als Freiwilliger zu arbeiten. Er wurde von seinem Dorf dafür ausgewählt. Eine Ehre, die nur wenige erfahren. Organisiert wird der Austausch  vom Leipziger Missionswerk. Am 26. März wäre eigentlich der letzte Arbeitstag des 24-Jährigen gewesen. Die Familie zu Hause erwartete ihn bereits. Doch die Corona-Krise machte den Zeitplan hinfällig. 

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Während andere Freiwillige aus Tansania noch zurückfliegen konnten, wurden Joshuas Flug und alle weiteren nach Ozeanien gestrichen. "Es war zunächst eine Katastrophe für ihn, weil es auch kaum Informationen gab, wie es weiterging", sagt Thomas Schuster, bei dem Joshua wohnt. Schuster leitet den Sozialdienst in den Weißiger Werkstätten und hat sich nun intensiv darum gekümmert, wie es für Joshua weitergeht. "Sein Arbeitsvertrag ist um weitere sechs Monate verlängert worden. Er ist jetzt der Hygienebeauftragte in den Weißiger Werkstätten, desinfiziert Klinken und Tischplatten", sagt Thomas Schuster. Sein Zimmer hat Joshua weiterhin bei ihm.    

Der Winter hat ihm zu schaffen gemacht

Schuster weiß, wie schwer es Joshua fällt, weiter in Deutschland zu sein. Vor dem eigentlichen Ende des Einsatzes habe der junge Mann, der zu Hause eine Ausbildung zum IT-Techniker absolvierte, aber lieber als Kartoffelbauer arbeitet, schon die Tage bis zur Rückkehr gezählt. "Der Winter war eine enorm schwere Zeit für ihn, mit Dunkelheit und Kälte konnte er gar nicht umgehen", erinnert sich der Sozialpädagoge. Oft musste er den jungen Mann mit der Kette aus Muscheln trösten. Und Joshua erzählt, dass er sich in dicken Jacken und langen Hosen nicht wohlfühlt.

Schon in der Wäscherei der Werkstätten, wo er die ersten sechs Monate des Freiwilligendienstes gearbeitet hat, störte ihn die langärmlige Hygienekleidung. "Er wollte bei der Wärme dort lieber mit freiem Oberkörper arbeiten. Aber das ist gegen die Vorschriften", sagt Schuster. Also wechselte Joshua in die Tischlerei.

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Auch seine Freundin, die er beim Vorbereitungsseminar für den Austausch in Papua kennengelernt hat und die in Bayern in einem Seniorenheim arbeitet, kann nicht nach Hause zurück. Doch besuchen dürfen sich die beiden auch nicht. Die Sicherheitsvorkehrungen sind in dem Heim noch wesentlich höher als in der Behindertenwerkstatt. Inzwischen hat sich Joshua aber weitgehend mit der Situation abgefunden. Sein Heimatland schottet sich ab, um Infektionen zu vermeiden. Denn ein Gesundheitssystem wie bei uns gibt es dort nicht. Und Joshua möchte niemanden gefährden.

Schöne Erfahrungen aus Deutschland

"Ich nehme viele neue Erfahrungen mit nach Hause", sagt er über seine Arbeit in Deutschland. Zum Beispiel, dass Menschen mit Handicap sehr akkurat arbeiten können, wie er vor allem in der Tischlerei  gelernt hat. Zu Hause würden Behinderte weggesperrt und schlecht behandelt. Wenn er zurück ist, will Joshua versuchen, ihnen Selbstbewusstsein beizubringen, sagt er. So, wie es seine deutschen Freunde aus der Werkstatt besitzen.

Was ihn hier aber am meisten beeindruckt habe, sei die Gleichberechtigung von Mann und Frau, sagt er. "In Deutschland haben Frauen wirklich die gleichen Rechte. In meinem Land achtet man durchaus die Mutter, aber ansonsten haben Männer das Sagen." Und er schätzt die Freiheit und die Sicherheit, die junge Mädchen hier erleben dürfen. In seiner Heimat sei es gefährlich für junge Frauen, allein auf der Straße zu laufen.

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Joshua ist glücklich, dass er nach dem Winter wieder im Garten von Thomas Schuster arbeiten kann. Da spüre er eine tiefe Verbindung zur Natur. Ein Gefühl, das sehr wichtig für ihn sei und weshalb er auch als Kartoffelbauer arbeite. 

Wenn es soweit ist, dass er nach Hause zurückkehrt, lernt er dort seine kleine Nichte kennen, die erst drei Monate alt ist. "Es gibt viel, worauf ich mich freue." 

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