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Bauingenieur wird "Froschkönig"

So heißt ein neues Café am Postplatz in Görlitz. Andreas Kunkel betreibt es künftig in den Räumen der Brasserie. Die war eine Institution.

Grün und blickdicht: Im künftigen Café Froschkönig wird gerade saniert.
Grün und blickdicht: Im künftigen Café Froschkönig wird gerade saniert. © Nikolai Schmidt

Andreas Kunkel hat extra die grünen Schuhe angezogen, auch wenn er sich nicht fotografieren lassen will - die Schuhe passen farblich genau zu den Schaufenstern seines neuen Geschäftes: Sie sind mit grüner Folie überzogen. Was wiederum zum Namen des neuen Cafés passt: In dem Gebäude am Postplatz, in dem bis vor Kurzem die Brasserie war, wird der Froschkönig einziehen. 

Wenn alles klappt, dann soll im November Eröffnung sein. Die grüne Folie an den Schaufenstern erfüllen zwei Zwecke. Zum einen ist darauf der Aufruf abgedruckt, dass Kunkel Mitarbeiter sucht. "Ich hätte es gar nicht gedacht, aber es sind schon zahlreiche Bewerbungen eingegangen", erzählt er. Zum anderen dient die Folie auch als Sichtschutz. Drinnen wird jetzt modernisiert. Von der Brasserie ist fast nichts mehr zu sehen. Es ist noch erkennbar, wo früher der Tresen war, aber ansonsten sind die Räume leer. 

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Wie das Café aussehen soll

Zu DDR-Zeiten war hier die HO-Selbstbedienungsgaststätte "Gastronom". 1993 hatte dann Peter Furche die Brasserie eröffnet, die zur Institution am Postplatz wurde. "Das war eine schöne Zeit", sagt Andreas Kunkel, "aber wir möchten etwas Neues gestalten." Entwürfe hat er mitgebracht, wie der Froschkönig in Zukunft aussehen soll. Ganz vorne, an einem der Schaufenster, ist beispielsweise ein Straßenverkauf geplant. Ganz hinten im Gastraum eine kleine Lounge, "dort soll es ein bisschen ruhiger zugehen." Manches soll aber auch bleiben. Wichtig sei ihm zum Beispiel, dass es eine Bedienung an den Tischen geben soll. Wie früher bleibt auch der Standort der Theke mittig im Raum. Bestehen wird die aus drei Vitrinen - für drei Bereiche, erklärt Kunkel. 

Änderungen noch möglich: Aber etwa so soll der Froschkönig innen aussehen.
Änderungen noch möglich: Aber etwa so soll der Froschkönig innen aussehen. © Entwurf: A. Kunkel

"Ich möchte ein Eislabor einrichten", erzählt der 57-Jährige. Der zweite Bereich ist die Konditorei. Für diese wird Kunkel mit einem Dresdner Konditor zusammenarbeiten. "Und das dritte soll etwas Deftigeres sein, zum Beispiel Tagessuppen." Dafür wird auch die Küche neu eingerichtet, ein Koch eingestellt. 

Betreiber kennt sich mit Sanierungen aus

Wie man historische Gebäude saniert, weiß Andreas Kunkel. Er ist Bauingenieur und war beispielsweise bei den ersten Planungen für den Erweiterungsbau des Senckenberg-Museums dabei. Damals hatte eine Arbeitsgemeinschaft mehrerer Planer Vorschläge eingereicht, wo und wie die Erweiterung in Görlitz umgesetzt werden könnte. Die Ärztehäuser am Ankerpark in Rauschwalde tragen Kunkels Handschrift. Für die Fassade des ehemaligen Casinos am Demianiplatz zeichnet er verantwortlich. "Damals ging es vor allem darum, eine optische Verbindung zum Jugendstilkaufhaus herzustellen." Kunkel arbeitet aber auch viel außerhalb von Görlitz. Er war beispielsweise beteiligt, als es darum ging,  aus dem ehemaligen Kurhaus in Zinnowitz  eine Wohnanlage einzurichten. 

Café war langjähriger Wunschtraum

Den Gedanken an ein eigenes Café habe er schon lange mit sich herumgetragen, "seit 20 Jahren." Seit 2007 arbeitet er  verstärkt als Projektentwickler im Einzelhandel, hatte in dem Zusammenhang mehr mit Hotels und Gastronomien zu tun - die an den alten Wunsch erinnerten. "Aber wie das so ist, nie findet man den richtigen Moment." Warum jetzt? "Vielleicht ist es das Alter", scherzt Kunkel. "Meine Kinder haben auch gesagt: Wann willst du es denn machen, wenn nicht jetzt?" 

Vor einigen Monaten habe er angefangen, nach Räumen zu suchen und erfuhr, dass die Betreiberin der Brasserie in Ruhestand gehen wollte. Peter Furche war 2013 gestorben, seine Frau führte das Restaurant weiter. "Ich kenne sie seit mehreren Jahren. Deshalb ist es mir leicht gefallen, sie anzusprechen", erzählt Kunkel. Nun ist er Pächter der Räume am Postplatz. Die Coronakrise, in deren Zuge auch die Restaurants und Hotels für mehrere Wochen schließen mussten, habe ihn nicht von seinen Plänen abgebracht. "Es hat uns bei den Planungen etwas zurückgeworfen. Aber ich glaube nach wie vor an den Standort."

Postplatz als beste Lage

Der Postplatz sei für ihn eine der besten Lagen in Görlitz. "Für mich ist er das innerstädtische Zentrum." Durch die mehrjährige Sanierung sei eine kluge Wegeführung entstanden, eine schöne Gestaltung - und die Möglichkeit für Gastronomen, Außenplätze anzubieten. Das will auch Kunkel für seinen Froschkönig nutzen. 

Das Café soll künftig seine Hauptarbeit sein, sagt er. Aber auch als Bauingenieur werde er weiter tätig sein, "Alleine deshalb, weil es langfristige Projekte gibt, aus denen kann man sich nicht plötzlich zurückziehen. Das wird ein langsamer Umstieg." 

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