Wirtschaft
Merken

Oben Solar, unten Weizen: Die Lösung für Sachsens Energiekrise?

In Sachsen sollen Ackerbau und Photovoltaikanlagen kombiniert werden. Während die einen bereits begeistert bauen, sind andere skeptisch.

Von Luisa Zenker
 3 Min.
Teilen
Folgen
Agri-Photovoltaik-Anlage in Dresden-Pillnitz: Das Pilotprojekt produziert auf derselben Fläche Energie und Weizen. Sieht so die Zukunft aus?
Agri-Photovoltaik-Anlage in Dresden-Pillnitz: Das Pilotprojekt produziert auf derselben Fläche Energie und Weizen. Sieht so die Zukunft aus? © Thomas Kretschel

Solarboom in Sachsens Landwirtschaft: Im Freistaat entstehen zurzeit mehrere Flächen, auf denen Ackerbau und Energiegewinnung gleichzeitig möglich ist.

Dabei werden Photovoltaik-Module auf dem Feld vertikal aufgestellt, sie fangen in den Morgen- und Abendstunden die Sonnenenergie ein. Im Abstand von zehn bis zwölf Metern können Landwirte dazwischen Hafer, Weizen, Erbsen und sogar Gemüse anbauen.

Drei Pilotprojekte gibt es davon im Freistaat. Eines produziert bereits fleißig Strom. In Pillnitz ist Mitte Oktober auf dem Hochschul-Campus der HTW Dresden die erste Agri-Photovoltaik-Anlage in Sachsen ans Netz gegangen, zwei weitere folgen im Gut Krauscha bei Neiße-Aue sowie in Köllitzsch bei Arzberg.

Solaranlagen auf dem Feld: Pflanzen profitieren vom Schatten

Zudem sind laut dem Energie-Unternehmen Next2Sun weitere Projekte bei Chemnitz und Görlitz geplant. Laut Projektentwickler Stefan Schwind habe der in den Morgen- und Abendstunden erzeugte Strom einen höheren Marktwert, gleichzeitig würden die Module zur Biodiversität beitragen. Ihm zufolge sei der Ertrag an Sommergerste durch die Photovoltaik-Anlagen sogar gestiegen, weil die Pflanzen durch den Schatten vor der Hitze geschützt wurden.

Was nach einem doppelten Schachzug klingt, bringt dennoch Herausforderungen mit sich. Deshalb hat das sächsische Landwirtschaftsministerium Experten am Donnerstag ins Bildungsgut Schmochtitz eingeladen, um darüber zu diskutieren: "Solarstrom und Landwirtschaft, das ist ein Kompromiss", gibt Professor Karl Wild von der HTW zu: Hohe, Investitionskosten, weniger landwirtschaftliche Erträge und kleinere Flächen, die mit den richtigen Maschinen bearbeitet werden müssen.

Bis zu drei Jahre bis zur Genehmigung einer Solaranlage

Hinzu kommt das langwierige Planungsrecht. Denn für den Antrag einer Photovoltaik-Anlage muss der Landwirt alle Schritte eines Bauleitverfahrens durchlaufen. Das kann bis zu drei Jahre dauern. Der Professor fordert deshalb, eine Novellierung des Paragrafen 35 im Baugesetzbuch. Doch nicht nur das Planungsrecht setzt Hürden: So berichtet eine sächsische Bürgermeisterin von Diskussionen in der Gemeinde über das Landschaftsbild. Denn nicht jeder sei mit Photovoltaik-Anlagen vor der Türschwelle begeistert.

In Dresden-Pillnitz wurde Mitte Oktober eine Agri-Photovoltaik-Anlage installiert. Die erste in Sachsen.
In Dresden-Pillnitz wurde Mitte Oktober eine Agri-Photovoltaik-Anlage installiert. Die erste in Sachsen. © Karl Wild/HTW Dresden
Ackerbau und Energienutzung - Beides soll auf einem Feld funktionieren, um die Konkurrenz um Flächen zu minimieren.
Ackerbau und Energienutzung - Beides soll auf einem Feld funktionieren, um die Konkurrenz um Flächen zu minimieren. © Karl Wild/HTW Dresden
90 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche sind dadurch weiterhin für den Ackerbau nutzbar.
90 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche sind dadurch weiterhin für den Ackerbau nutzbar. © Karl Wild/HTW Dresden

Landwirt Hans Mautschke vom Gut Krauscha ist hingegen optimistisch. Der Biobauer hat vor etwa fünf Jahren entschieden, eine Photovoltaik-Anlage auf seinem Feld zu installieren. "Ich bekomme eine Pacht von dem Energie-Unternehmen, was mich von der Not befreit, den Ertrag zu erbringen." Denn: "Meine Pflanzen schreien nach Wasser." Er spürt die Folgen der Trockenheit. Mautschkes Photovoltaik-Anlage soll im kommenden Jahr ans Netz gehen.

Doch ist das Sachsens Zukunft? Professor Wild von der HTW Dresden ist optimistisch. Er sieht in der Agri-Photovoltaik eine intelligente Doppelnutzung. Professor Thomas Herlitzius der TU Dresden warnt dagegen: "Agri-Photovoltaik ist immer ein Kompromiss, es beeinflusst die Fruchtfolge und das Maschinensystem. Ich warne auch vor dem Hype, damit die Enttäuschung nicht zu groß ist."