Radeberg
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Seit 30 Jahren Schlossherrin

Seit nunmehr 30 Jahren ist Katja Altmann die Herrin auf Schloss Klippenstein in Radeberg. Anlässlich ihres Dienstjubiläums erzählt sie von den Anfängen ihrer Arbeit und warum das Schloss für sie mehr sein muss als nur ein Museum.

Von Verena Belzer
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Museumsleiterin Katja Altmann in den Räumen zur Radeberger Stadtgeschichte: Als sie vor 30 Jahren anfing, glich Schloss Klippenstein eher einer Ruine.
Museumsleiterin Katja Altmann in den Räumen zur Radeberger Stadtgeschichte: Als sie vor 30 Jahren anfing, glich Schloss Klippenstein eher einer Ruine. © Marion Doering

Radeberg. Verfallen, ruinös, in großen Teilen einsturzgefährdet: Als Katja Altmann vor 30 Jahren ihre Stelle als Leiterin von Schloss Klippenstein in Radeberg antrat, fand sie eine - vorsichtig formuliert - eigentümliche Arbeitsstätte vor. Seit der Jahrhundertwende war am Schloss außer Notreparaturen nicht mehr viel gemacht worden. Und während der Zeit der DDR verfiel das Ensemble, ursprünglich aus dem 13. Jahrhundert, noch weiter.

Katja Altmann - Dresdnerin, studierte Museologin - hatte zuvor auf der Festung Königstein und im Heimatmuseum Radeburg gearbeitet. Mit Anfang 30 bewarb sie sich, alleinerziehend mit einem kleinen Kind, schließlich in Radeberg - und wurde genommen. "Das habe ich damals selbst nicht erwartet", erzählt sie 30 Jahre später.

"Als ich dann an meinen ersten Arbeitstagen ziemlich alleine im Schloss stand, da habe ich schon mal kurz Angst vor meiner eigenen Courage bekommen", erzählt Katja Altmann. "Ob das mal kein Fehler war, habe ich mich gefragt." Denn die Aufgaben waren riesig: die Sanierung weiter Teile des Schlosses, die wissenschaftliche Erfassung der Museumssammlung, die Entwicklung des Schlosses als Kultur- und Veranstaltungsstätte.

Die Gardinen nähte die Chefin kurzerhand selbst

Die wichtigste Aufgabe war zunächst, das Schloss baulich zu erhalten. "Eines war uns Anfang der 90er-Jahre klar: Wenn wir jetzt nicht anfangen, brauchen wir gar nicht mehr anfangen, weil einfach alles kaputt war", erinnert sich Katja Altmann. Gemeinsam mit dem städtischen Bauamt, der Denkmalpflege und einem Architekten kümmerte sich die Chefin fortan um alles: "Wir haben quasi jede Türklinke neu aussuchen müssen, wir hatten wirklich großen Gestaltungsspielraum." Und Katja Altmann war sich auch für keine Aufgabe zu schade: Gemeinsam mit der Putzfrau nähte sie kurzerhand die Gardinen fürs Museum selbst.

Ein Schwamm in den Wänden machte den Verantwortlichen zu schaffen, es wurden Wände umgesetzt, gestrichen, die Böden neu gemacht, überall repariert, die Museumsräume saniert - das ganze Schloss mehr oder weniger von Null wieder hergerichtet.

Doch nicht nur innen war jede Menge Arbeit zu tun - hinter dem Schloss befand sich zu Katja Altmanns Amtsantritt noch eine riesengroße Müllhalde. "Die haben wir 1994 abtragen lassen, seitdem lag die Fläche brach." Der Garten in seinem jetzigen Zustand wurde erst 2018 angelegt.

Schloss Klippenstein von außen - etwa 18.000 Besucher finden jährlich ihren Weg hierher.
Schloss Klippenstein von außen - etwa 18.000 Besucher finden jährlich ihren Weg hierher. © Christian Juppe
Der Schlossgarten entstand in seinem jetzigen Zustand erst 2018 - davor lag die Fläche brach.
Der Schlossgarten entstand in seinem jetzigen Zustand erst 2018 - davor lag die Fläche brach. © Christian Juppe

Mittlerweile sogar Audioguide in leichter Sprache

Das Museum zur Stadtgeschichte Radebergs bestand schon seit 1953 - "aber das kannte wirklich niemand", sagt Altmann. "Es hatte skurrile Öffnungszeiten und sehr wenige Besucher." 30.000 Datensätze mussten wissenschaftlich erfasst, inventarisiert und korrekt gelagert werden, "die Rollregale mit den Sammlungen in der Vorburg sind das eigentliche Herz des Museums".

1994 erfolgte die Wiedereröffnung des Heimatmuseums in neuer Gestalt - mit modernen Vitrinen, einem ausgeklügelten Lichtkonzept, zeitgemäßen Schautafeln und einer Kasse. "Wie hier wieder ein funktionales, neues Museum entstanden ist, das war wirklich faszinierend zu beobachten", sagt Altmann. Vor acht Jahren folgte dann die Eröffnung der Dauerausstellung zur Radeberger Industriegeschichte.

Und auch moderne Techniken wie eine barrierefreie Homepage, eine App und ein Audioguide in deutscher, englischer und leichter Sprache haben sich mittlerweile auf Schloss Klippenstein etabliert.

Schloss Klippenstein als Teil des gesellschaftlichen Lebens Radebergs

Doch so sehr Katja Altmann auch Wissenschaftlerin und Museologin ist, eines ist ihr besonders wichtig: "Ich will hier kein abgehobenes Elfenbeinturmmuseum haben, sondern wir sind für die Leute da. Für Radeberg."

Neben dem Museum mit seinen Dauer- und wechselnden Sonderausstellungen hat die Chefin deshalb von Anfang an immer auch andere ins Schloss geholt: Schulklassen besuchen das Museum, es gibt ein Ferienprogramm, es werden Konzerte der Musikschulen gespielt, die Volkshochschule bietet Vorträge an, der Lions Club veranstaltet die Schlossnacht, bereits seit 25 Jahren gibt es die Schlosskaspereien, der Kinoverein ist involviert, man kann im Saal getraut werden und Hochzeit feiern, und noch viel mehr. "Es ist mein Anspruch, nah am Menschen zu sein", sagt Altmann.

Gründe dafür gibt es zweierlei: einen moralischen und einen ökonomischen. "Einerseits wird dieses Schloss von der Stadt finanziert, also von den Steuerzahlern", sagt Altmann. "Also soll es auch für alle zugänglich sein. Andererseits ist so ein großes Schloss auch finanziell eine immense Herausforderung. Und jede Veranstaltung bringt Geld."

Früher hatte sie schlaflose Nächte, heute ist ihr vor der Zukunft nicht bange

Drei Jahre hat Katja Altmann noch, bis sie in Ruhestand geht. Dann wird sie das Schloss in einem komplett anderen Zustand an einen Nachfolger übergeben, als sie es vor 30 Jahren vorgefunden hat. "Es war wirklich immer sehr, sehr viel zu tun", sagt sie. "Da hatte ich auch so manche schlaflose Nacht." In gewisser Hinsicht sei Schloss Klippenstein schon ihr Baby, sagt sie. Doch ihr Baby ist groß und schön geworden - und deshalb ist der Museumsleiterin auch nicht angst und bang für dessen Zukunft.

"Wenn ich sehe, wie viele Besucher wir haben, viele Familien mit Kindern, dann habe ich keine Angst." Das museumspädagogische Programm sei in den vergangenen Jahren kontinuierlich ausgeweitet worden und die vielen Veranstaltungen hätten sich in Radeberg etabliert.

"Wir stehen auf vielen Füßen, sind Teil des gesellschaftlichen Lebens und haben viele Unterstützer", sagt Altmann, die ausdrücklich das ehrenamtliche Engagement des Schlossvereins hervorhebt. "Ohne die vielen Helfer würde es nicht gehen. Sie haben uns immer den Rücken gestärkt."