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Angriff auf Rettungshundestaffel der Johanniter nahe ehemaligem "Heibo"-Protestcamp

Die Dresdner Rettungshundestaffel der Johanniter wurde in Ottendorf-Okrilla bedroht und beleidigt. Was die Tat mit der Räumung des "Heibo"-Protestcamps zu tun hat und was die Polizei zu dem Vorfall sagt.

Von Verena Belzer
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Kristin Steudel mit ihrem Labrador Bali (rechts) - die junge Frau ist die Leiterin der Dresdner Johanniter- Rettungshundestaffel.
Kristin Steudel mit ihrem Labrador Bali (rechts) - die junge Frau ist die Leiterin der Dresdner Johanniter- Rettungshundestaffel. © privat

Ottendorf-Okrilla. Auf die Dresdner Rettungshundestaffel der Johanniter hat es am vergangenen Samstag in Ottendorf-Okrilla einen Angriff gegeben. Das teilt der Landesverband Sachsen der Johanniter mit. Nach deren Angaben haben dabei vier Personen gedroht, die Fahrzeuge und die Hunde "zu Schrott" zu schlagen. Außerdem seien die Hundeführerinnen sexistisch beleidigt worden.

Die Rettungshundestaffel trainiert seit vier Jahren auf einem Gelände des Sachsenforsts - das Areal befindet sich nahe des Gebiets "Würschnitz West", auf dem ebenfalls Wald gerodet und dann Kies abgebaut werden soll. Das Nachbar-Areal im Heidebogen, genannt "Heibo", war vor drei Wochen von der Polizei geräumt worden. Hier hatten Aktivisten auf Baumhäusern gelebt, um gegen die Rodung des Waldgebiets zu demonstrieren.

Bedrohung und Beleidigungen gegen Hundeführerinnen

Einer Pressemitteilung der Johanniter zufolge haben mutmaßliche Klimaaktivisten mit Gewalt gegen die Autos gedroht. "Ich hatte weniger Angst um die Autos, aber viel mehr um unsere Tiere, die in den Fahrzeugen saßen", berichtet Kristin Steudel, Leiterin der Johanniter-Rettungshundestaffel. "Ich war so sauer, dass ich sofort die Verfolgung der drei Männer und einer Frau aufgenommen habe." Die Gruppe habe gerufen: "Jetzt seid ihr dran." Und: "Scheiß Dieselkarren."

Drei weitere Hundeführerinnen seien ebenfalls in Richtung der Fahrzeuge gerannt - woraufhin die Gruppe in den Wald geflüchtet sei.

Labrador Bali entdeckte die Gruppe während Trainingsaufgabe

Kurz zuvor sei dieselbe Gruppe junger Erwachsener schon einmal auf das Gelände gekommen. "Wir haben ihnen erklärt, dass das Privatgelände ist", berichtet Kristin Steudel auf Nachfrage von Sächsische.de. Die Angreifer hätten erklärt, "dass alles allen gehöre und sie nicht einsähen, ihren Plan zu ändern".

Dann sei die Gruppe zunächst verschwunden. Als Kristin Steudels Rettungshund, ein Labrador namens Bali, während seiner Trainingsaufgabe nicht wieder aufgetaucht sei, gingen die Hundeführerinnen auf die Suche. "Bali hat Witterung aufgenommen und die jungen Leute entdeckt. Wir konnten auch seine Glocke nicht mehr hören. Da war klar, dass er irgendwo stillstehen muss."

Die Frauen hätten dann ein neues Loch im Zaun am hinteren Teil des Geländes entdeckt, die Personen seien mit Outdoor-Sachen, Trekking-Rucksäcken und Iso-Matten dort gewesen. Erst als die Hundeführerinnen aufgetaucht seien, hätten die Eindringlinge den Labrador freigelassen.

Besetzung von Würschnitz-West vereitelt?

Die Hundeführerinnen riefen die Polizei, die sich zunächst erfolglos auf die Suche gemacht habe. "Die Polizei hat gesagt, dass wir wahrscheinlich zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort waren und mit unserer Anwesenheit die Besetzung des Waldgebiets vereitelt haben", berichtet Kristin Steudel.

"Am darauffolgenden Tag wurden fünf Personen festgestellt, die sich in dem Gebiet aufgehalten haben", erklärt Polizeisprecher Marcel Malchow auf Nachfrage. "Die Personen haben einen Platzverweis erhalten und das Gebiet widerstandslos verlassen." Die Gruppe muss sich nun wegen Hausfriedensbruchs, Sachbeschädigung, Beleidigung und Nötigung verantworten.

Hundeführerinnen geschockt über den Vorfall

Die vier Frauen von der Johanniter-Rettungshundestaffel sind geschockt und können das Verhalten der Gruppe nicht begreifen. "Wir trainieren ehrenamtlich 20 Stunden pro Woche, damit wir im Notfall hilflose Menschen retten, und dabei werden wir nicht nur verbal bedroht", berichtet Paula Micklich. Kristin Steudel ergänzt: "Und dass ich mich von 'mutmaßlichen Umweltbewegten' sexistisch beleidigen lassen muss und dass sie gegen Tiere vorgehen, hätte ich vorher auch nicht geglaubt."

Für sie spiele es keine Rolle, ob die vier Personen Aktivisten sind oder nicht. "Für mich sind das Menschen, die uns angegriffen haben. Das geht gar nicht." Die politische Dimension spiele dabei keine Rolle.