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Ab jetzt reicht eine Kurkarte für ganz Usedom

Tourismuschef Michael Steuer über Neuheiten, Qualität, Preise und eine Lösung für das Autoproblem auf der Insel.

Von Katrin Saft
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Das Siegerfoto der Dresdnerin Virginie Holzner zeigt eine ungewöhnliche Perspektive auf die Seebrücke von Heringsdorf.
Das Siegerfoto der Dresdnerin Virginie Holzner zeigt eine ungewöhnliche Perspektive auf die Seebrücke von Heringsdorf. © Virginie Holzner

Die Insel Usedom ist auf Deutschlandtour – und zeigt sich in Videos und Fotos von ihren einzigartigen Seiten. Entstanden sind die Bilder bei zwei Wettbewerben, bei denen Filmemacher und Fotografen in je 100 Stunden ihre Sicht auf die Ostseeinsel einfangen sollten. Die besten Fotos, so entschied eine Jury, kommen von einer Dresdnerin.

Die 32-jährige Virginie Holzner gewann gleich in drei der vier Kategorien – unter anderem mit dem ungewöhnlichen Blick auf die Seebrücke in Heringsdorf. Noch bis 23. April stellt sich die Insel in Dresden vor, in einem Pavillon am Goldenen Reiter. Danach geht es nach Potsdam und Hamburg. Die SZ nutzte die Gelegenheit zu einem Gespräch mit dem Geschäftsführer der Usedom Tourismus GmbH, Michael Steuer, der aus Riesa stammt.

Herr Steuer, wie oft hören Sie vertrautes Sächsisch auf Usedom?

Sehr oft. Jeder fünfte Urlauber auf der Insel kommt aus Sachsen. 80 Prozent unserer Gäste sind aus den neuen Bundesländern, acht Prozent aus NRW, der Rest aus dem übrigen Westdeutschland.

Nach den weltweiten Corona-Lockerungen zieht es viele jetzt wieder in die Ferne. Wie ist die Insel für den Sommer gebucht?

Es gibt noch Unterkünfte aller Art. Denn die Menschen buchen nach wie vor kurzfristiger als vor Corona, zumindest, wenn es nicht um den Haupturlaub geht. Das ist deutschlandweit ähnlich. Etwa ein Viertel unserer Gäste entscheidet sich erst vier Wochen vorher oder später.

Wir sind trotzdem optimistisch, denn schon im vergangenen Jahr hatten die Gästezahlen fast wieder Vor-Corona-Niveau erreicht. Wir haben da rund acht Millionen Kurkarten an Übernachtungs- und Tagesgäste ausgegeben.

Ein Sachse auf Usedom: Michael Steuer hat BWL in Leipzig studiert und seinen Master im Tourismus gemacht. Nach Stationen in Leipzig und Frankfurt/Main ist der Riesaer 2018 auf die Lieblingsinsel seiner Kindheit gezogen und dort Tourismuschef.
Ein Sachse auf Usedom: Michael Steuer hat BWL in Leipzig studiert und seinen Master im Tourismus gemacht. Nach Stationen in Leipzig und Frankfurt/Main ist der Riesaer 2018 auf die Lieblingsinsel seiner Kindheit gezogen und dort Tourismuschef. © Usedom Tourismus

Bei nur 31.000 Inselbewohnern, wenn man Wolgast nicht mitzählt, kann es da ganz schön eng werden auf Usedom.

Ja, zumal die meisten Urlauber wetterbedingt im Sommer kommen. Deshalb wollen wir die Besucherströme entzerren, durch neue Angebote, die auch in der Vor- und Nachsaison funktionieren.

Zum Beispiel?

Durch hochkarätige Veranstaltungen wie das Usedomer Musikfestival, die Usedomer Literaturtage oder das Schlittenhunderennen Baltic Lights. Darüber hinaus gibt es jetzt in Heringsdorf einen Baumwipfelpfad, von dem aus man sehen kann, wie grün und wasserreich die Insel ist – nicht nur durch die Ostsee, sondern das Achterwasser.

Anfang April wurde der neue Erlebnispfad Kaiserbäder eingeweiht, der Wissen vermittelt über die Geschichte bis hin zu Bewohnern der Villen. Auf der neuen Koserower Seebrücke, die durch ihre Wellenform auffällt, kann man Usedom noch mehr vom Wasser aus genießen.

Und überall auf der Insel spielt natürlich das Thema Wellness- und Gesundheitsurlaub auch außerhalb der Hauptsaison eine große Rolle, mit Strandwanderungen, Behandlungen und ganzjährig toller Kulinarik.

Brandung am Streckelsberg, eine 58 Meter hohe Kliffranddüne.
Brandung am Streckelsberg, eine 58 Meter hohe Kliffranddüne. © Usedom Tourismus/Dirk Bleyer

Viele schöne Orte auf der Welt klagen inzwischen über Overtourismus. Wie viele Urlauber verträgt Usedom?

Wir haben jetzt knapp 80.000 Gästebetten auf der Insel, davon rund ein Viertel in Hotels. Unser Ziel ist es nicht, quantitativ zu wachsen, sondern qualitativ. So haben wir uns auf den Weg zur nachhaltigen Insel gemacht und das Netzwerk „Usedom pur“ ins Leben gerufen. Es vereint Partner, die naturnahen, authentischen Tourismus anbieten wie Segeltouren, Hofläden oder der Naturhafen Krummin, der in einem Naturschutzgebiet am stillen Achterwasser liegt.

Wir als Tourismus GmbH wollen mit gutem Beispiel vorangehen und haben uns zertifizieren lassen. Unterstützt werden wir vom Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern, der erstmals einen CO2-Fußabdruck für den Tourismus gemessen und einen Nachhaltigkeitsleitfaden für Gastgeber herausgegeben hat.

Auch das neue Siegel „Familienurlaub“ in Mecklenburg-Vorpommern zahlt auf den Qualitätsgedanken ein. Auf Usedom geht es uns zudem darum, den vorhandenen Tourismus besser zu organisieren. Deshalb gibt es zum Beispiel seit April die UsedomCard – eine Kurkarte, die nun für die ganze Insel gilt. Bislang mussten Urlauber in jedem Kurort eine Kurkarte erwerben.

Was kostet die neue Inselkarte?

In der Hauptsaison 2,70 Euro pro Übernachtung beziehungsweise Tag, in der Nebensaison von November bis Ende März 2 Euro. Kinder unter sechs Jahren sind frei. Mit der Karte kann man zahlreiche Veranstaltungen, die Strände, die fünf Seebrücken, die öffentlichen Toiletten und vieles mehr auf der gesamten Insel kostenlos nutzen. Die Einnahmen kommen touristischen Angeboten zugute.

Beliebtes Fotomotiv: Die älteste Seebrücke Deutschlands in Ahlbeck mit Plattform und Restaurant.
Beliebtes Fotomotiv: Die älteste Seebrücke Deutschlands in Ahlbeck mit Plattform und Restaurant. © Usedom Tourismus/Dirk Bleyer

Eines Ihrer größten Probleme, der Verkehr, der sich vor allem an An- und Abreisetagen oft kilometerlang staut, ist damit aber noch nicht gelöst.

Im Gegensatz zu Rügen haben wir zumindest zwei Zufahrtsstraßen auf die Insel. Aber ja, der Autoverkehr ist ein Problem. Wir planen deshalb, dass Inhaber der UsedomCard mit unseren öffentlichen Verkehrsmitteln ticketfrei fahren können. Denn Untersuchungen zeigen, dass nur einer von zehn Urlaubern Bus und Bahn nutzt, wenn sie etwas kosten. Bei einem integrierten Angebot in der Kurkarte wären es drei bis vier von zehn.

In den Kaiserbädern Ahlbeck, Heringsdorf und Bansin sowie in Ückeritz laufen bereits Pilotprojekte. Dort kann man jetzt schon mit der UsedomCard die Busse der Usedomer Bäderbahn GmbH gratis nutzen, in Ückeritz dazu auch die Bahn. Das künftig auf die gesamte Insel auszuweiten, ist eine Herausforderung. Schließlich müssen auch die Kapazitäten entsprechend erweitert werden.

Und wie wollen Sie das finanzieren?

Über die UsedomCard, die dann 3,90 Euro kosten wird wie jetzt schon in Ückeritz. In den Kaiserbädern sind es in diesem Jahr noch 3,10 Euro inklusive Buslinien.

Wie sieht es mit Personal aus? In die meisten Gaststätten kam man voriges Jahr ohne Reservierung gar nicht rein.

Das wird im Sommer wohl ähnlich sein, denn die Personalsituation ist nach wie vor angespannt. Unterstützung mit Arbeitskräften bekommen wir aus dem benachbarten Swinemünde.

Der Tourismus wird immer ein personalintensiver Bereich bleiben. Deshalb müssen die Berufsbilder im Tourismus wieder attraktiver gemacht und junge Leute schon frühzeitig dafür begeistert werden. Dessen nimmt sich vor allem die Dehoga an.

Die Übernachtungs- und Gastronomiepreise sind auf Usedom spürbar gestiegen. Werden sich viele Ostseeurlaub bald nicht mehr leisten können?

Wie überall sind auch bei uns die Kosten gestiegen. Und wir investieren in Qualität. Auch andere Destinationen sind teurer geworden. Nehmen Sie Flugreisen nach Ägypten oder Mallorca. Da sind wir mit unseren Preisen wettbewerbsfähig.