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Dresdner Schulen: Werden Wiederholer zum Problem?

Schüler der Abschlussklassen dürfen das Jahr freiwillig wiederholen. Dresdens Bildungsbürgermeister ist über den Alleingang des Kultusministers verärgert.

Aufgrund der langen Schulschließungen dürfen Dresdner Schüler selbst entscheiden, ob sie das Schuljahr wiederholen. Das gilt aber nur für Abschlussklassen.
Aufgrund der langen Schulschließungen dürfen Dresdner Schüler selbst entscheiden, ob sie das Schuljahr wiederholen. Das gilt aber nur für Abschlussklassen. © Sina Schuldt/dpa

Dresden. Zwar sind die Schüler der Abschlussklassen seit dem 18. Januar auch in Dresdens Klassenzimmer zurückgekehrt. Welche Folgen das Homeschooling der vergangenen Wochen auf die Leistung der Jugendlichen hat, wird sich letztlich aber erst in den Prüfungen zeigen.

Das sächsische Kultusministerium berücksichtigt die aktuelle Situation und will den Schülern den Abschluss in der schwierigen Coronazeit erleichtern. Eine der neuen Regelungen könnte für die Dresdner Oberschulen und Gymnasien nun allerdings zum Problem werden.

Welche neue Regelungen gibt es aufgrund von Corona?

Sachsens Kultusminister Christian Piwarz (CDU) lässt angesichts der anhaltenden Schulschließungen einige Lockerungen an den Schulen zu. Diese Entscheidung gab das Kultusministerium am 15. Januar bekannt. Damit soll verhindert werden, dass Schüler aufgrund von Problemen in der häuslichen Lernzeit benachteiligt sind.

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Neben einer ganzen Reihe von Änderungen, etwa bei der Benotung von Grundschülern zugunsten der Kinder oder reduzierter Prüfungsthemen für die größeren Schüler gibt es auch eine neue Regelung für die Wiederholung des Schuljahres.

Diese gilt allerdings nur für Abschlussklassen. "Eine Ausweitung auf andere Klassenstufen ist derzeit nicht geplant", teilt Ministeriumssprecher Dirk Reelfs auf SZ-Anfrage mit.

Wer trotz aller Erleichterungen bei den Prüfungsmodalitäten mit seinen Leistungen nicht zufrieden ist, hat in diesem Schuljahr die Möglichkeit, die Abschlussklasse freiwillig zu wiederholen. "Die Wiederholung gilt in diesem Falle nicht als Wiederholung wegen Nichtversetzung und wird der Verweildauer an der Schule nicht angerechnet", so das Kultusministerium. In der gymnasialen Oberstufe gilt das für die gesamte Kursphase.

Gibt es bereits Anträge auf Wiederholung des Schuljahres?

Dem Landesamt für Schule und Bildung (Lasub) liegen derzeit noch keine entsprechenden Anträge vor, teilt Sprecherin Petra Nikolov auf SZ-Anfrage mit. Diese könnten ohnehin nur zum Ende des Schuljahres gestellt werden. Dennoch gibt es Familien, die sich um die Zukunft ihres Nachwuchses Sorgen machen. "Uns ist bekannt, dass sich sehr viele Eltern zum Stand der Lernleistungen ihrer Kinder Gedanken machen. Dafür haben wir großes Verständnis", so Nikolov. Sollten sich Eltern dafür entschieden, dass ihr Kind das Schuljahr noch einmal wiederholt, müssten sie das jedoch zuerst an der zuständigen Schule anzeigen.

Noch scheint es dazu nicht allzu viele Anfragen bei den Dresdner Schulleitern zu geben. Beatrice Wünsche von der 36. Oberschule in Löbtau berichtet, dass bislang eine Familie schon jetzt den Wunsch geäußert habe, dass ihr Kind eine "Ehrenrunde" dreht. Dabei sei die Abschlussnote alles andere als schlecht, sagt Wünsche. "Ich versuche, mit den Eltern ins Gespräch zu kommen, in diesem Fall würde ich von einer Wiederholung abraten." Letztlich müsse sie aber die Entscheidung der Eltern akzeptieren. Sie rechnet damit, dass die Anfragen im März und April deutlich zunehmen.

Was sagt Dresdens Bildungsbürgermeister?

So gut gemeint die Entscheidung des Kultusministeriums ist, mit der Möglichkeit auf Wiederholung den Schülern trotz Corona eine gute Perspektive zu bieten - dass Dresdens Schulen ein Platzproblem haben, ist indes kein Geheimnis. Das bestätigt auch Bildungsbürgermeister Jan Donhauser (CDU) auf SZ-Anfrage. "Wie bekannt, sind die Kapazitäten an Dresdner Schulen in der Regel sehr gut ausgelastet." Zwar gebe es etwas Spielraum, aber nicht im großen Stil: "Es wird möglich sein, einzelne Bedarfe zu kompensieren."

Donhauser drängt auf eine baldige Lösung angesichts der Lockerung zur Schuljahreswiederholung. Denn er ist letztlich dafür verantwortlich, den Beschluss, der auf Landesebene und offenbar ohne Rücksprache mit den Schulträgern getroffen wurde, in Dresden umzusetzen und ausreichend Schulplätze zur Verfügung zu stellen. "Das muss zwingend im Frühjahr 2021 durch das Landesamt für Schule und Bildung, Standort Dresden, und dem Schulverwaltungsamt abgestimmt werden."

Donhauser ist spürbar verärgert über den Alleingang von Piwarz in dieser Angelegenheit. So erwarte er, "dass bei künftigen ähnlichen Entscheidungen des Kultusministeriums die Schulträger frühzeitig mit einbezogen werden".

An welchen Dresdner Schulen es bei zu vielen Wiederholern besonders eng wird, könne er erst beantworten, wenn der Bedarf bekannt ist.

Was rät das Landesamt für Schule und Bildung den Eltern?

Lasub-Sprecherin Petra Nikolov versucht, besorgte Familien zu beruhigen: "Im Moment findet noch das erste Schulhalbjahr statt und in großen Umfängen sollte der Unterricht bis Mitte Dezember 2020 relativ normal verlaufen sein." Die Einschränkungen bis etwa Mitte Februar waren und sind natürlich enorm, sie seien aber nicht "unkorrigierbar". Sie verweist noch einmal auf das "umfangreiche Maßnahmenbündel", damit den Schülern trotz der schwierigen Situation kurz- und langfristig keine Nachteile entstehen.

Nikolov führt aus, dass die Schüler deutlich mehr Zeit für die Prüfungsvorbereitungen haben und der Unterricht vor allem in den Prüfungsfächern stattfinden soll. Zudem werde derzeit mit der Kultusministerkonferenz abgestimmt, die Bewertungsmaßstäbe bei den Prüfungen pandemiebedingt anzupassen.

Vorgesehen ist auch, dass Oberschüler Fächer abwählen können, die nicht Teil der Prüfungen sind. "Ab 3. Mai konzentriert sich der Unterricht ausschließlich auf die schriftlichen und die gewählten mündlichen Prüfungsfächer", so Nikolov.

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