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Sorge um Natur und Parkplätze in Dresden

Wenn die Wehlener Straße saniert wird, soll der Verkehr durch ein Wohnviertel und ein Landschaftsschutzgebiet rollen. Eine Petition will das verhindern.

Peter Krüger wohnt am Toeplerpark und weiß, wie knapp Parkplätze schon jetzt in diesem Wohngebiet sind. Mit der geplanten Umleitung würden viele Stellplätze wegfallen.
Peter Krüger wohnt am Toeplerpark und weiß, wie knapp Parkplätze schon jetzt in diesem Wohngebiet sind. Mit der geplanten Umleitung würden viele Stellplätze wegfallen. © René Meinig

Dresden. Das Gras ist inzwischen hochgewachsen im alten Elbarm. Eine Kindergruppe spaziert durch die grüne Idylle, ihre Begleiterin zeigt ihnen Blumen, die hier wachsen, eine leichte Brise weht. Der Bereich zwischen den beiden Dresdner Stadtteilen Tolkewitz und Laubegast ist als Landschaftsschutzgebiet gekennzeichnet, gelbe Schilder weisen an mehreren Stellen darauf hin. Doch schon bald könnte an dieser Stelle eine Straße entlangführen - das wollen viele Menschen, die hier wohnen, verhindern.

Die Stadt will in den kommenden Jahren den letzten Teil der Dresdner Ostmagistrale sanieren. Konkret geht es um die Wehlener Straße, Alttolkewitz und die Österreicher Straße. Fahrbahn und Straßenbahngleise sind in die Jahre gekommen, zweimaliges Hochwasser hat den Zustand der stark befahrenen Verbindung noch einmal verschlechtert.

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Pläne für den Ausbau gibt es schon lange - seit sie öffentlich bekannt wurden, ist das Projekt allerdings umstritten. Dabei geht es gar nicht um die Bauarbeiten an sich, sondern darum, wie der Verkehr in der 1,5-jährigen Bauzeit umgeleitet wird.

Denn Autos, Lkw und Busse sollen auf Tolkewitzer Seite durch das Wohngebiet am Toeplerpark rollen, dann über eine Interimsstraße die Wiesen und den Flutgraben im alten Elbarm queren und in Laubegast wieder durch ein Wohnviertel zurück auf die Hauptroute geführt werden. Rund 17.000 Fahrzeuge werden dann täglich über diese Nebenstraßen fahren, darunter auch die Ersatzbusse für die Straßenbahnlinien 4 und 6.

Einer der Menschen, die diese Umleitungsvariante ablehnen, ist Peter Krüger. Als Anwohner ist der Chef der CDU-Fraktion im Dresdner Stadtrat unmittelbar davon betroffen. Gemeinsam mit zwölf anderen Anwohnern hat er die Bürgerinitiative "Freundeskreis Tolkewitz" gegründet. Mit einer Online-Petition wollen sie die Interimsstraße durch den alten Elbarm und die Umleitung durch das Tolkewitzer Wohngebiet verhindern.

1.880 Mitstreiter haben sie unterzeichnet, nun wird das Anliegen im Petitionsausschuss besprochen. Krüger geht fest davon aus, dass der Ausschuss die Forderung der Tolkewitzer in den Stadtrat verweist - und er hofft, dass das Vorhaben auf politischem Weg doch noch gestoppt werden könnte.

Denn es gibt durchaus eine Alternative, findet Krüger. Der Verkehr könnte weiträumig über die Marienberger, Bodenbacher, Pirnaer Land- und Salzburger oder Leubener Straße umgeleitet werden. Diese Variante hatte die Stadt sogar geprüft, letztlich aber abgelehnt. Zu schlecht sei etwa der Zustand der Marienberger Straße. Dazu kommen lange Wartezeiten für die Linksabbieger an der Bodenbacher Straße.

Dieses Argument will Krüger nicht gelten lassen. "Ich habe schon mehrfach angeregt, dass der Verkehr schon im Bereich Schillerplatz über die Verbindung Oehme- und Enderstraße umgeleitet werden könnte." Auch die Winterbergstraße hält er als Ausweichstrecke für möglich.

Hier soll die Interimsstraße von der Toeplerstraße aus durch den alten Elbarm und über den Niedersedlitzer Flutgraben hinüber nach Laubegast führen.
Hier soll die Interimsstraße von der Toeplerstraße aus durch den alten Elbarm und über den Niedersedlitzer Flutgraben hinüber nach Laubegast führen. © René Meinig

"Landschaftsschutz verhindert Parken am Blauen Wunder"

Doch die Stadt hält an ihren Plänen für die Umleitung durch den Altelbarm fest. Diese liegen - zusammen mit den Unterlagen für das gesamte Großbauvorhaben - bei der Landesdirektion Sachsen (LDS). In einem Planfeststellungsverfahren wird das Projekt nun schon seit etlichen Monaten geprüft, bislang hat die Behörde es noch nicht genehmigt. Die Öffentlichkeit wurde bereits beteiligt. Dabei durfte jeder in die genauen Unterlagen schauen und eine Stellungnahme dazu abgeben. Im nächsten Schritt muss die Stadt ihre Pläne vor der Landesbehörde erörtern. Angekündigt wird dieser Termin schon lange. "Ein konkreter Zeitpunkt dafür steht noch nicht fest", teilt LDS-Sprecher Ingolf Ulrich auf SZ-Anfrage mit.

Für Peter Krüger sprechen vor allem zwei Aspekte gegen die derzeitigen Planungen: der Landschafts- und Flutschutz sowie die ohnehin angespannte Parksituation im Wohngebiet am Toeplerpark. "Ich verstehe nicht, dass an anderer Stelle, nämlich am Schillerplatz, das Landschaftsschutzgebiet als Argument gegen den Parkplatz herangezogen wird, das aber für den alten Elbarm nicht relevant sein soll."

Am Schillerplatz hatte Dresdens Baubürgermeister Stephan Kühn (Grüne) den Parkplatz unter dem Blauen Wunder Mitte Mai mit Pollern absperren lassen. Damit folgte er der Aufforderung der Landesdirektion als Aufsichtsbehörde der Stadt, das rechtswidrige Parken im Landschaftsschutzgebiet zu beenden.

Am Spielplatz im Toeplerpark weist ein Schild darauf hin, dass hier das Landschaftsschutzgebiet beginnt. Der Park liegt direkt am alten Elbarm.
Am Spielplatz im Toeplerpark weist ein Schild darauf hin, dass hier das Landschaftsschutzgebiet beginnt. Der Park liegt direkt am alten Elbarm. © René Meinig

"Abends gibt es jetzt schon keinen Parkplatz mehr"

Gegen die Interimsstraße durch den Elbarm spricht laut Krüger auch der Flutschutz. "Die Straße behindert als eine Art Damm den Abfluss, wenn der Elbarm bei einem Hochwasser geflutet ist." Er erinnere sich gut an das letzte Hochwasser, das erst acht Jahre zurückliege. "Das vergessen die Anwohner nicht", ist Krüger überzeugt.

Auch deshalb hätten sich nun knapp 2.000 Menschen an der Petition beteiligt. "Und das in so einem kleinen Stadtteil wie Tolkewitz." Krüger ist sich sicher, dass das auch mit der Parkplatzsituation zusammenhängt. "Abends findet man jetzt schon kaum einen freien Stellplatz." Er selbst müsse sein Auto oft an der Kipsdorfer Straße abstellen und dann zu seinem Wohnhaus laufen.

Für die Umleitung, die auch Ersatzbusse nutzen müssen, würden zahlreiche Parkplätze entlang der Toepler-, Lewicki- und Schulze-Delitzsch-Straße wegfallen. Geplant ist, den Verkehr stadteinwärts über die Toeplerstraße zu führen, stadtauswärts rollen die Fahrzeuge über die Lewicki- und Schulze-Delitzsch-Straße. "Wo wir Anwohner parken sollen, wenn die Parkplätze wegfallen, ist mir ein Rätsel", sagt Krüger.

Idee: Komplett neue Verbindung macht Umleitung unnötig

Auch andere Anwohner haben sich inzwischen Gedanken über Alternativen zur jetzt geplanten Ausweichstrecke gemacht. So schlägt Falk Große vor, die Bellingrathstraße in Richtung Laubegast zu verlängern. Allerdings nicht nur vorübergehend, sondern als dauerhafte Straßenverbindung zwischen den beiden Stadtteilen. In dem Bereich sei ein kleiner Damm zu erkennen, auf dem sich Kleingärten befinden. Dieser Damm sei früher ohnehin als Straßenanschluss gedacht gewesen. Das hätte den Vorteil, dass die Verbindungsstraße höher liege und damit hochwassersicher sei. Der weitere Anschluss Richtung Laubegast müsste als Brücke gebaut werden, was wiederum den Abfluss bei Hochwasser nicht behindere, so die Idee von Große.

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Auf Laubegaster Seite müsste bei dieser Variante, so Große weiter, der Lidl-Supermarkt abgerissen werden. Dennoch gehe er davon aus, dass diese dauerhafte neue Trasse nicht wesentlich teurer sei als die Interimsstraße, die ja auch wieder zurückgebaut werden muss. Und Große führt einen aus seiner Sicht weiteren Vorteil an: "Mit der Trasse kann die enge Durchfahrt Alttolkewitz, wo sich derzeit der gesamte Verkehr durchquetscht, entfallen."

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