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Stöcker setzt weiter auf schnelle Impfungen

Klinische Prüfungen, ein Zulassungsverfahren bei der EU - das kann dauern. Winfried Stöcker sucht derweil einen Hersteller für sein Corona-Antigen.

Der Görlitzer OB Octavian Ursu (l.) im Gespräch mit Winfried Stöcker: Er hofft, dass sein Impfstoff bald massenhaft zur Anwendung kommt.
Der Görlitzer OB Octavian Ursu (l.) im Gespräch mit Winfried Stöcker: Er hofft, dass sein Impfstoff bald massenhaft zur Anwendung kommt. © Nikolai Schmidt

Er hatte ein großes Ziel und nun Ärger mit den Behörden: Winfried Stöcker, Görlitzer Kaufhaus-Investor, Euroimmun-Gründer, Eigentümer des Flughafens Lübeck. Der Medizinprofessor hatte einen Corona-Impfstoff entwickelt, wollte so schnell wie möglich so viele Menschen damit gegen das Virus immunisieren.

Aber er hatte die Rechnung ohne die Behörden gemacht. Im Frühjahr vergangenen Jahres startete Winfried Stöcker einen Selbstversuch, spritzte sich das von ihm entwickelte Serum. Es basiert auf einem Antigen, dass aus seinem Labor kommt, dass er unter dem Dach von Euroimmun betreibt, auch wenn er die Firma verkauft hat.

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Später impfte Winfried Stöcker Familienangehörige, Freiwillige und meldete: Er sei immun gegen Corona. Im September 2020 wandte sich Winfried Stöcker an das Paul-Ehrlich-Institut im hessischen Langen. Die Bundesbehörde ist zuständig für die Zulassung von Impfstoffen. Daraufhin wurde Winfried Stöcker verklagt wegen der Herstellung eines Impfstoffes ohne behördliche Genehmigung und mehrfache Verabreichung wiederum ohne Genehmigung.

EU ist für Zulassungsverfahren zuständig

Winfried Stöcker nahm sich einen Anwalt, FDP-Bundestagsvize Wolfgang Kubicki, und der teilte der SZ mit: Stöcker verzichtet auf weitere Impfungen, bevor nicht "von einem Hersteller das , normale' Zulassungsverfahren nach dem Arzneimittelgesetz abgeschlossen wurde."

Bevor das soweit ist, kann es aber dauern. "Bevor ein Zulassungsantrag gestellt werden kann, müssen klinische Prüfungen - drei Phasen - durchgeführt werden", so Susanne Stöcker - die Namensgleichheit ist Zufall - vom Paul-Ehrlich Institut. Mit den Prüfungen werden statistisch aussagekräftige Daten zur Wirksamkeit beziehungsweise Verträglichkeit erstellt.

Dies diene dem Schutz der Menschen, die den Impfstoff erhalten sollen und gewährleiste nachvollziehbar die auf wissenschaftlichen Fakten basierende Entwicklung sicherer und wirksamer Arzneimittel. Beim Paul-Ehrlich-Institut heißt es dazu unter anderem: "Bevor Impfstoffe an Menschen getestet werden dürfen, muss die klinische Prüfung vom Paul-Ehrlich-Institut genehmigt und von einer Ethikkommission positiv bewertet werden."

Mehrere Impfstoffe wie Stöckers in klinischen Studien

"Aktuell befinden sich weltweit zahlreiche Impfstoffkandidaten mit einem ähnlichen Konzept wie dem von Prof. Stöcker in verschiedenen Stadien der klinischen Prüfung", so Susanne Stöcker. Dieser reguläre, international etablierte Weg über die klinischen Prüfungen stehe auch Prof. Stöcker oder einem von ihm beauftragten Unternehmen offen.

Zulassungsverfahren für Covid-19-Impfstoffe laufen zudem in der EU in einem zentralisierten Verfahren bei der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA), nicht direkt beim Paul-Ehrlich-Institut. Die EMA informiert auf einer speziellen Internetseite über alle laufenden beziehungsweise beginnenden Verfahren. Der Name "Stöcker" taucht in der Liste bisher nicht auf.

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Winfried Stöcker sieht das Ganze offensichtlich etwas anders. In seinem Blog schreibt er unter anderem: "Wir hoffen, bald einen Hersteller zu finden, der das Antigen öffentlich anbietet – es ist ja noch kein Impfstoff, den er zulassen müsste. Denn eine Zulassung würde zu viel Zeit beanspruchen, in Deutschland bestimmt Jahre." Aber man bedürfe in der aktuellen katastrophalen Situation keiner langwierigen Doppelblindversuche, um Unterschiede in der Wirksamkeit genau herauszuarbeiten. "Man impft die ersten tausend Probanden, am besten mit dem Lübecker Verfahren, und macht sie gleich immun. Wenn das gut geht, kommen zehntausend Leute dran und dann der Rest", so Winfried Stöcker.

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