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So kämpft Görlitz um den Welterbe-Titel

In der Altstadt stellt eine neue Ausstellung die Kernidee der Bewerbung vor. Mit ihr soll das große Ziel erreicht werden.

Im Hallenhaus Brüderstraße 9 wird die Ausstellung „Kaufmannspaläste an der Via Regia“ gezeigt.
Im Hallenhaus Brüderstraße 9 wird die Ausstellung „Kaufmannspaläste an der Via Regia“ gezeigt. © Nikolai Schmidt

Ein Haus, zwei Ausstellungen: So startet die Stadt Görlitz im Hallenhaus Brüderstraße 9 nach der Corona-Pause ins Museumsjahr. Im Prinzip geht es in beiden Ausstellungen um die Hallenhäuser, die bei der Görlitzer Bewerbung für das Unesco-Weltkulturerbe eine zentrale Rolle spielen. Doch während die Schau in der Galerie im Parterre vor allem dazu dient, den Bewerbungsprozess zu verstehen, befasst sich die Ausstellung auf den anderen Etagen fachlich mit den Hallenhäusern.

Ein Infozentrum für Einwohner und Gäste

Die erstgenannte Schau mit dem Arbeitstitel „Welterbe-Infozentrum“ ist ganz neu und wird von Kai Wenzel, Kurator des Kulturhistorischen Museums Görlitz, vorbereitet. Sie soll im Juni eröffnen, ein konkretes Datum ist noch nicht bekannt. „Wir wollen sowohl die Görlitzer Bürger als auch die Besucher der Stadt für das Thema begeistern“, erklärte er jetzt im Stadtrat. Das Hallenhaus Brüderstraße 9 sei dafür ein gut geeigneter Ort, „weil Hallenhäuser ein wesentliches Element der Bewerbung sind.“ Für die Gestaltung des Welterbe-Infozentrums arbeitet das Museum mit einer Leipziger Agentur zusammen.

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„Wir stellen die Kernidee der Bewerbung vor – und die Anstrengungen der Görlitzer, die Altstadt für die Bewerbung fit zu machen“, sagt Wenzel. Er setzt auf einen niederschwelligen Zugang: „Wir wollen alle Altersgruppen erreichen.“ Frühere Handelsplätze werden vorgestellt, auch die Orte, an denen Kaufleute wohnten. Dazu gibt es Fotos vom Zustand der Görlitzer Altstadt in den 1980er-Jahren. Sogar die Geschichte der Altstadt-Million wird erzählt. Und das Wichtigste: „Das Infozentrum soll nicht statisch bleiben, sondern immer an den aktuellen Stand angepasst werden.“

Schau zeigt Kaufmannspaläste an der Via Regia

Die zweite Ausstellung „Kaufmannspaläste an der Via Regia“ wird schon seit August 2018 in der Brüderstraße 9 gezeigt. Am 2. Juni wird sie nach einer längeren Winter- und Corona-Pause wiedereröffnet. Sie soll einen Eindruck von historischen Handelshäusern an der Via Regia geben, die sich aus dem typischen Görlitzer Hallenhaus entwickelt haben.

Das Hallenhaus Brüderstraße 9 ist unsaniert und lässt die Besucher in die Entstehungsgeschichte eintauchen. Neben dem Hauptausstellungsstück, dem Gebäude selbst, sind herausragende Fotoinstallationen von Ulrich Schwarz zu sehen. Sie sind im Rahmen der Görlitzer Welterbe-Bewerbung im Auftrag der Stadt entstanden.

Anatomie des Hauses wird sichtbar

Ein besonderes Exponat: Die Gebäudekubatur der Brüderstraße 9 wird in einem hochpräzisen 3-D-Druck gezeigt. In drei Querschnitten durch das Gebäude wird somit die Anatomie des Hauses sichtbar und verständlich. Darüber hinaus sehen die Besucher in einem Animationsfilm die Entwicklung der Görlitzer Hallenhäuser in Lego-Bauweise. Zu sehen ist die Ausstellung bis zum 17. Oktober – jeweils Dienstag bis Sonntag, 10 bis 18 Uhr. Montag ist Ruhetag, der Eintritt ist frei. Der Görlitzer Kulturservice, der seinen Sitz direkt in dem Gebäude hat, ist diesmal nicht für die Inhalte zuständig. Er stellt aber die Räume zur Verfügung und kümmert sich vor Ort um die Betreuung beider Ausstellungen.

Die Stadt Görlitz hatte im Jahr 2012 ihre Bewerbung eingereicht, um mit den Hallenhäusern auf die Unesco-Weltkulturerbeliste zu kommen. Geklappt hat es damals nicht. Aber es war knapp. „Unsere Bewerbung wurde damals nicht abgewiesen, sondern nur zurückgestellt“, erklärte Baubürgermeister Michael Wieler kürzlich im Stadtrat. Die Bewerbung sei gut gewesen, aber der Jury erschien es damals, als ob sich Görlitz zu stark auf den Bautypus des Hallenhauses konzentriert.

Stadt hat die Bewerbung überarbeitet

Darauf aufbauend hat die Stadt die Bewerbung überarbeitet und nun dem Freistaat übergeben. Der weitere Zeitplan steht. Der Freistaat reicht die Görlitzer Bewerbung im Oktober bei der Kultusministerkonferenz ein. Diese setzt dann eine Fachjury ein. Für Dezember 2022 wird der Abschlussbericht des Fachbeirates erwartet, für Oktober 2023 der Beschluss der Kultusministerkonferenz. Im Januar 2024 soll schließlich die Tentativliste bei der Unesco eingereicht werden. Voriges Mal standen etwa zehn Orte auf der Liste, von denen die Unesco im Schnitt einen pro Jahr in die Welterbeliste aufgenommen hat. Sollten es wieder zehn sein, und sollte Görlitz dabei sein, hätte die Stadt gute Chancen, in den zehn Jahren zwischen 2025 und 2034 auf die Welterbeliste zu kommen.

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