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Nach Brand: Abriss oder Sanierung?

Nach einem Feuer Anfang Mai stehen nun zwei leere Brandhäuser an Neugersdorfs Ortseingang. Für eines gibt es Hoffnung - der Eigentümer erklärt, was er vorhat.

In dem Haus am Neugersdorfer Ortseingang hatte es Anfang Mai gebrannt.
In dem Haus am Neugersdorfer Ortseingang hatte es Anfang Mai gebrannt. © Matthias Weber

Die Deckenbalken sind verkohlt, der ganze Hausflur ist schwarz vom Ruß. So sieht es nun nach ein paar Wochen in dem Mehrfamilienhaus an der Neugersdorfer Hauptstraße aus, in dem es Anfang Mai gebrannt hatte. Bewohnt war das Haus zu dem Zeitpunkt nicht mehr. "Das lässt sich wieder instand setzen", sagt Micko. Dem Neugersdorfer gehört das Haus unweit des Kreisverkehrs. Ersteht in Latzhose und Arbeitshemd im verrußten Hausflur und blickt auf das Loch in der Decke. Von Einsturzgefahr könne keine Rede sein, sagt der Hauseigentümer.

Eine Zwischendecke ist nach dem Brand zerstört.
Eine Zwischendecke ist nach dem Brand zerstört. © Romy Altmann-Kühr

Das Haus sei einsturzgefährdet, hieß es nach dem Brand Anfang Mai laut Einschätzungen von Polizei und Feuerwehr. Nun steht zumindest fest: Auslöser für den Brand war der Stromkasten im Erdgeschoss des Hauses. Die Polizei geht von einem Kurzschluss an der Elektroanlage als Brandursache aus, erzählt Karsten Micko. Neben dem neuen Kasten hing noch ein alter Stromzählerkasten aus DDR-Zeiten, der war aus Holz und fing demzufolge Feuer. Die Feuerwehr konnte schnell löschen, deshalb wurde außer der Decke im Hausflur nichts in Mitleidenschaft gezogen, sagt der Hauseigentümer. Allerdings: Beim Eintreffen der Feuerwehr stand die Haustür offen, erzählt er. Da aber niemand mehr in dem Haus wohnte, war sie sicher abgeschlossen. Und auch mit Vandalismus hatte er es schon zu tun: Kurz nachdem der letzte Mieter ausgezogen war, haben Unbekannte ein Fenster im Erdgeschoss kaputt geschlagen.

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Karsten Micko will nun den Brandschaden selbst reparieren, neue Balken einsetzen und die kaputte Decke wieder schließen. "Das Haus bleibt stehen", stellt er klar. Und begegnet damit Gerüchten, die besagen, das Gebäude sei nur noch abrissreif. "So ein altes Haus reißt man nicht einfach ab", sagt Micko. Alte Gebäude haben es ihm angetan. Er besitzt noch weitere Häuser in der Stadt. Dieses an der Hauptstraße wurde wohl Ende des 19. Jahrhunderts gebaut, schätzt Karsten Micko.

Hoffen auf neue Mieter

Aber so ein Mietshaus heute wirtschaftlich zu sanieren, sei schwer in der Region, sagt der Hauseigentümer. "Man muss viel investieren, um einen gewissen Standard für die Mieter bieten zu können. Das bekommt man aber durch die Miete nur schwer wieder rein", sagt er. Man könne hier in der Region die Mietpreise auch nicht zu hoch ansetzen, um die Sanierung zu refinanzieren.

Er will das Haus aber auf jeden Fall erhalten. Noch in diesem Jahr soll das Dach erneuert werden, sagt er. Er hofft, dass sich auch wieder Mieter finden. Der letzte war erst Ende April ausgezogen. Neben den Wohnungen im Haus gibt es im Erdgeschoss auch ein Ladengeschäft. Hier war früher ein Optiker eingemietet, später ein Steinmetz.

Ein Aspekt, der nun viele Neugersdorfer umtreibt, so ist es zumindest in den sozialen Netzwerken zu verfolgen: Ausgerechnet am Ortseingang stehen nun gleich zwei leere Brandhäuser auf beiden Straßenseiten - nicht gerade ein attraktiver Willkommensgruß für Besucher der Stadt. Direkt gegenüber von Karsten Mickos Haus steht noch immer die Brandruine der Roscher-Villa, eine der vielen Neugersdorfer Fabrikanten-Villen, die für das Stadtbild so typisch sind. Und während man dem Haus von Karsten Micko den Brandschaden äußerlich kaum ansieht, sind die Schäden an der Villa ganz offenkundig: Das Dach ist komplett eingestürzt, das Türmchen, das einst auf dem Haus thronte, liegt am Boden, Fenster fehlen. 2016 hatte es hier einen Großbrand gegeben. Ein halbes Jahr später brannte es noch einmal.

Seitdem liegt die Villa brach, repariert oder gar saniert wurde nichts. Nachfragen seitens SZ ergaben nun, dass momentan die Eigentumsverhältnisse völlig ungeklärt sind. Wie Bürgermeisterin Verena Hergenröder (parteilos) berichtet, habe die Untere Denkmalschutzbehörde beim Landkreis die Stadt angesprochen, ob sie die Villa nicht erwerben wolle, um mit Unterstützung des Denkmalschutzes noch etwas zu retten. "Es hat dazu eine Beratung gegeben", so Frau Hergenröder. Allerdings habe sich die Stadt dagegen entschieden. "Wir haben mit unseren eigenen Immobilien erst einmal genug zu tun." Auch finanziell könne die Stadt ein solches Projekt nicht stemmen. Die Denkmalschutzbehörde selbst will sich nicht dazu äußern, wie es mit dem Haus weitergeht. Man befinde sich in einem laufenden Verfahren, deshalb gebe es keine öffentlichen Auskünfte dazu.

Abgebrannte Villa liegt noch immer brach

So sieht die Villa an der Hauptstraße 2 in Neugersdorf aktuell aus. 2016 und 2017 hat es hier gebrannt.
So sieht die Villa an der Hauptstraße 2 in Neugersdorf aktuell aus. 2016 und 2017 hat es hier gebrannt. © Matthias Weber
Nach dem Großbrand sicherte die Feuerwehr das einsturzgefährdete Türmchen auf dem Dach und ließ es kontrolliert herunterfallen.
Nach dem Großbrand sicherte die Feuerwehr das einsturzgefährdete Türmchen auf dem Dach und ließ es kontrolliert herunterfallen. © Rafael Sampedro

Immer mehr Häuser weg oder verfallen

Bei Facebook wird derweil darüber debattiert, dass in dem Viertel am Neugersdorfer Ortseingang immer mehr Häuser verschwinden beziehungsweise verfallen. Auf dem Nachbargrundstück von Karsten Mickos Haus stand beispielsweise der ehemalige Neugersdorfer Handelshof, der über die Jahre zur verfallenen Brache mutierte und schließlich abgerissen wurde.

Und neben der Brandvilla stand noch bis vor einigen Jahren ein großes zweigeschossiges Umgebindehaus, das in einer spektakulären Aktion nach Brandenburg umzog. Der Architekt Thomas Mix kaufte das baufällige Haus, ließ es demontieren und in Buckow nahe Berlin wieder aufbauen.

Der Handelshof stand unweit der beiden Brandhäuser. Er ist inzwischen abgerissen.
Der Handelshof stand unweit der beiden Brandhäuser. Er ist inzwischen abgerissen. © www.foto-sampedro.de
Dieses Umgebindehaus stand in Neugersdorf bevor Thomas Mix es kaufte und nach Brandenburg versetzen ließ.
Dieses Umgebindehaus stand in Neugersdorf bevor Thomas Mix es kaufte und nach Brandenburg versetzen ließ. © SZ-Archiv
Unweit des Bahnhofs steht auch noch diese Villa ungenutzt. Neugersdorfern ist sie noch als Jugendklub bekannt, den es hier zu DDR-Zeiten wohl gegeben hat.
Unweit des Bahnhofs steht auch noch diese Villa ungenutzt. Neugersdorfern ist sie noch als Jugendklub bekannt, den es hier zu DDR-Zeiten wohl gegeben hat. © Romy Altmann-Kühr

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