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Wie können bezahlbare Wohnungen in Dresden geschaffen werden?

Dresdens Sozialbürgermeisterin Kristin Kaufmann (Linke) schlägt Alarm, weil der soziale Wohnungsbau in der Stadt stockt. Welche Lösung sie sieht.

Von Andreas Weller
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Die WID hat bereits Wohnungen an der Gret-Palucca-Straße modernisiert, künftig winken dafür Fördermittel.
Die WID hat bereits Wohnungen an der Gret-Palucca-Straße modernisiert, künftig winken dafür Fördermittel. © Marion Doering

Dresden. In Dresden sind bezahlbare Wohnungen rar. Das bedeutet, dass viele Dresdnerinnen und Dresdner mit niedrigem Einkommen, die aber keine Unterstützung erhalten, kaum noch Wohnungen finden, die sie sich leisten können. Aber auch die mietpreisgebundenen Sozialwohnungen, für Menschen mit Wohnberechtigungsschein, gehen langsam aus. Woran das liegt und wo Sozialbürgermeisterin Kristin Kaufmann (Linke) Änderungsbedarf sieht, um das Problem zu lösen.

Die Stadtverwaltung hat den Wohnungsmarkt in Dresden analysiert und ist zu dem Schluss gekommen, dass mindestens 10.000 zusätzliche Sozialwohnungen in den nächsten Jahren geschaffen werden müssen. Nur droht dem sozialen Wohnungsbau laut Bürgermeisterin Kaufmann, die Puste auszugehen.

Die städtische Wohnen in Dresden (WID) hat, wie viele Wohnungsbauunternehmen unter anderem auch der größte Vermieter in Dresden Vonovia, den Wohnungsneubau eingestellt. Gründe dafür sind die deutlich gestiegenen Bau- und Finanzierungskosten. Alle Neubauprojekte, deren Bauphase noch nicht begonnen hat, hat die WiD auf Eis gelegt. Damit hinkt die WiD deutlich hinter dem Plan hinterher.

Nur die 124 begonnen Wohnungen werden fertiggestellt. Das betrifft die Standorte Fröbelstraße (62 Wohnungen), Schrammsteinstraße/Junghansstraße (20 Wohnungen), Carl-Zeiss-Straße/Dopplerstraße (13 Wohnungen) und Moritzburger Straße (29 Wohnungen). Mitte 2025 verfügt die WiD dann über 941 Wohnungen in Dresden, was bei weitem nicht ausreicht, um den bedarf zu decken.

Herber Dämpfer für den Wohnungsbau in Dresden

"Wir stehen am Scheideweg", so Kaufmann. "Steigende Baukosten, hohe Zinsen und zu geringe Fördermittel haben dem Wohnungsbau einen herben Dämpfer versetzt. Die Unsicherheit in der Branche ist groß. "Wenn wir die Dinge weiter so laufen lassen wie sie sind, erlahmt der soziale Wohnungsneubau vollends." Dadurch hätten es dann viele Haushalte mit kleinem Einkommen noch schwerer, eine erschwingliche Wohnung in Dresden zu finden. "Das ist nicht unser Ziel. Wohnen soll für alle bezahlbar sein", stellt die Bürgermeisterin klar.

Kaufmann fordert eine Reform der staatlichen Förderung. "Wir brauchen eine zukunftsgewandte Förderpolitik, die nicht an starren Fördersätzen festhält, sondern mit einer verlässlichen Anteilsförderung Planbarkeit für Wohnungsbaubranche, Finanzwirtschaft und Verwaltung schafft. Das Förderinstrumentarium für den sozialen Wohnungsbau muss flexibel auf die Dynamik der Bau- und Finanzierungskosten reagieren und darf die dringend notwendige Energiewende nicht aus dem Blick verlieren. Die aktuelle Richtlinie der Landesregierung hinkt der Entwicklung weit hinterher. Eine Neujustierung der staatlichen Förderrichtlinie für gebundenen Mietwohnraum ist überfällig. Die Förderbremse muss jetzt gelöst werden."

Das Land hat seine Förderrichtlinie für sozialen Wohnungsbau gerade erst angepasst. Zusätzlich zur Neubau-Förderung von Sozialwohnungen wird nun auch die Modernisierung von Wohnungen, die danach als Sozialwohnungen vermietet werden, unterstützt. Insbesondere, wenn mindestens nach dem Energiestandard "Effizienzhaus 85" modernisiert wird, weil das zu einem geringeren Energieverbrauch führt. "Mit der besonders hohen Förderung für einen energetisch hohen Standard ermöglicht der Freistaat der Wohnungswirtschaft, auch im Sozialwohnungsbestand den energetischen Zustand der Gebäudesubstanz deutlich zu verbessern", erläutert Sachsens Minister für Regionalentwicklung Thomas Schmidt (CDU).

Hoher Modernisierungsbedarf von Wohnungen in Dresden

Da auch in Dresden und Leipzig ein hoher Modernisierungsbedarf besteht, gilt der Förderhöchstbetrag, der von 400 auf 580 Euro hochgesetzt wurde, auch in den beiden Städten. Dadurch kann auch Barrierefreiheit gefördert werden. Damit wolle der Freistatt unterstützen, dass die Bauwirtschaft trotz der aktuell sehr schwierigen Lage weiterhin Aufträge erhält, so der Minister. Für 2023 stehen rund 67 Millionen Euro Fördermittel zur Verfügung, 2024 sind es dann knapp 80 Millionen Euro.

Doch das reicht laut Kaufmann nicht und die Förderung ist nicht flexibel genug, um den den Bau entsprechend dem Bedarf anzukurbeln. Sie verweist darauf, dass die Belegrechte bei Vonovia, also die Wohnungen, in die die Stadt Härtefälle vermitteln kann, fast komplett ausgelastet sind. Das sind insgesamt 10.914 Wohnungen.

Grünen-Stadtrat Thomas Löser, der auch Landtagsabgeordneter ist, sieht in der erfolgten Anpassung der Förderung durch das Land aber ein "wichtiger Schritte" und eine Chance. Insbesondere, wenn Dresden wie geplant bis zu 3.000 Wohnungen von Vonovia zurückkauft. Dort bestehe bestimmt Modernisierungsbedarf. "Im Bestand schlummert ein riesiges Potenzial für die energetische Sanierung, egal wo die Gebäude stehen", so Löser. So können öffentliche Gelder langfristig gut für Klima und Umwelt wirken.

Da Vonovia-Wohnungen, die die Stadt kauft, den Bestand an Wohnungen in Dresden nicht erhöhen, kann die neue Förderung zwar helfen, die Wohnungen zu modernisieren, es werden aber keine zusätzlichen geschaffen.