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Wie erkenne ich, ob ich Diabetes habe?

Die Deutsche Diabetes-Gesellschaft antwortet auf Fragen unserer Leser und sagt, was speziell in Corona-Zeiten zu beachten ist.

Mit einem Messgerät wird der Blutzuckerwert bestimmt. Der Anteil der Diabetes-Kranken ist in Deutschland innerhalb von zehn Jahren in fast allen Altersgruppen deutlich gestiegen.
Mit einem Messgerät wird der Blutzuckerwert bestimmt. Der Anteil der Diabetes-Kranken ist in Deutschland innerhalb von zehn Jahren in fast allen Altersgruppen deutlich gestiegen. © Jens Kalaene/dpa

Ich bin 67, habe einen Langzeitblutzuckerwert von 6,1 Prozent und einen Blutzucker von 10 mmol/l. Habe ich schon einen Prä-Diabetes?

Ja. Lassen Sie beim Diabetologen einen Glukosetoleranztest machen, um die Diagnose zu bestätigen. Er wird Ihnen eine individuelle Ernährungsberatung empfehlen. Diese wird von Diätassistenten, Diabetesassistenten oder -beratern durchgeführt – kombiniert mit Bewegungstherapie.

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Ein sonniger Tag tut Körper und Geist gut. Doch ob auf dem Balkon, im Garten oder am Wasser: Hautschutz ist dabei unerlässlich.

Ich hatte bisher keine Berührung mit Diabetes. Wie erfahre ich, ob ich eventuell Diabetes habe und es gar nicht weiß?

Das Erste wäre, vom Hausarzt einen Blutzuckertest machen zu lassen.

Ich bin 86, sehe seit einiger Zeit verschwommen. Ich bin unsicher, ob ich Diabetes habe. Allerdings nehme ich auf ärztliche Anordnung Tabletten zur Senkung des Bluthochdrucks.

Verschwommenes Sehen kann mit Diabetes zusammenhängen. Lassen Sie Ihren Blutzucker kontrollieren, um das auszuschließen. Blutdruckschwankungen können das Sehen ebenfalls beeinflussen.

Ich bin 83, dokumentiere seit 20 Jahren meine Blutzuckerwerte. Aber die Grenzwerte sind gesenkt worden. Warum?

Das hat die Deutsche Diabetes Gesellschaft festgelegt, damit schneller festgestellt wird, ob Diabetes vorliegt und demzufolge schneller behandelt werden kann.

Ich bin 57, habe seit Längerem einen starken Harndrang, auch Hautjucken. Gegen das Kribbeln und Stechen in den Beinen nehme ich Magnesium.

Wir empfehlen dringend, sich einen Diabetologen zu suchen, zum Beispiel auf der Website der Deutschen Diabetes Gesellschaft unter www.ddg.de. Er macht einen Glukosetoleranztest: Sie trinken auf nüchternen Magen eine Traubenzuckerlösung, nach einer Wartezeit wird der Blutzucker gemessen. Liegt der Wert nach zwei Stunden bei 10 mmol/l, sind Sie an Diabetes erkrankt.

Ich bin Diabetiker. Wenn ich mich mit dem Coronavirus anstecke, ist die Gefahr größer, dass ich schwer erkranke?

Das Risiko, schwer zu erkranken, steigt mit dem Alter und durch Vorerkrankungen, zu denen auch Diabetes mellitus gehört. Nicht bei jedem Diabetiker verläuft eine Infektion allerdings schwer. Um das Risiko zu reduzieren, ist vor allem eine stabile Blutzuckereinstellung wichtig.

Als Diabetiker bin ich auf Medikamente angewiesen. Wirken die noch bei einer Corona-Infektion?

Wie bei jeder Infektionskrankheit müssen die Diabetes Medikamente angepasst werden. Medikamente wie SGLT-2-Hemmer (Forxiga oder Jardiance) und Metformin müssen nach Rücksprache mit dem Diabetologen gegebenenfalls abgesetzt werden.

Wie beeinflussen Infekte den Blutzuckerspiegel?

Sie können den Stoffwechsel durcheinanderbringen. Erkennt das körpereigene Abwehrsystem Erreger wie Viren, werden Stresshormone freigesetzt. Dazu zählt Adrenalin. Es sorgt dafür, dass die Leber vermehrt Glukose (Zucker) abgibt. In der Folge steigt der Blutzuckerspiegel.

Ich bin Insulinpflichtiger Diabetiker. Die Corona-Infektion soll ja auch mit Fieber verbunden sein. Wie wirkt sich das auf den Blutzuckerspiegel aus?

Bei Menschen, die Insulin spritzen, können bei einem Infekt die Blutzuckerwerte stark schwanken. Bei Fieber steigt normalerweise der Blutzuckerspiegel, es muss mehr Insulin gespritzt werden. Wenn der Blutzuckerwert über 13,9 mmol/l steigt, ist ein Urintest auf Aceton nötig. Es besteht die Gefahr von Übersäuerung bis hin zu schweren Stoffwechselentgleisungen.

Eine gute Blutzuckereinstellung hilft Menschen mit Diabetes, das Risiko einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus zu senken.
Eine gute Blutzuckereinstellung hilft Menschen mit Diabetes, das Risiko einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus zu senken. © Franziska Gabbert/dpa

Kann es sein, dass Medikamente für Diabetiker knapp werden?

Davon wird derzeit nicht ausgegangen. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) betont, dass Lieferengpässe bei Diabetes Medikamenten nicht zu befürchten sind. Insulin wird vorwiegend auch in Deutschland selbst hergestellt. Auch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte rechnet nicht damit, dass es kurzfristig zu Lieferengpässen von Medikamenten kommt. Es beobachtet und bewertet die Situation laufend.

Mein Mann nimmt Tabletten gegen Diabetes und außerdem Tabletten nach einer Chemotherapie. Wie verhalten wir uns, um uns nicht zu infizieren?

Das Wichtigste ist, dass der Blutzucker gut eingestellt ist. Das stärkt das Immunsystem, und damit ist der Körper weitgehend gegen Infektionen gefeit. Zusätzlich sollten Sie selbstverständlich die bekannten Hygienemaßnahmen einhalten.

Ich habe seit Jahren Diabetes, bin 78. Manchmal vergesse ich, ob ich schon gespritzt habe oder nicht.

Ihr Diabetologe oder Hausarzt kann Ihnen einen Insulin-Pen mit Gedächtnis-Funktion verordnen. Der Pen speichert die Daten und zeigt Ihnen an, wann Sie zum letzten Mal gespritzt haben.

Ich bin 82, habe seit 2019 Diabetes. Mein Blutzuckerwert liegt bei 11,5 mmol/l. Ich habe häufigen Harndrang. Sowohl Hausarzt als auch Diabetologe meinen, das sei nicht besorgniserregend. Durch Corona komme ich kaum noch raus, bewege mich wenig, habe immer Appetit.

Sofern es schwierig für Sie ist, derzeit eine ärztliche Zweitmeinung einzuholen, versuchen Sie weniger Obst und Süßigkeiten zu essen, dafür mehr Gemüse. In sechs Monaten sollten Sie auf einem weiteren Test bestehen und einer Therapie.

Ich bin 67, schlank. Mein HbA1c-Wert steigt. Ich bewege mich viel. In der Familie gibt es keinen Diabetes. Allerdings habe ich erhöhte Fettwerte und nehme Fettsenker.

Der steigende HbA1c-Wert kann mit den Fetten zusammenhängen. Vereinbaren Sie einen Termin beim Endokrinologen.

Ich bin 65, 180 Zentimeter groß, wiege 77 Kilo. Mein HbA1c ist bei 6,8 Prozent. Der Diabetologe sagt, alle Empfehlungen befolge ich schon, und deshalb rät er zur Tablette. Ich möchte aber keine Tabletten nehmen.

Erhöhen Sie die Schrittzahl pro Tag. Allerdings scheint die Tablette angesagt: Sie kann Folgeschäden hinauszögern.

Bin 75, seit zehn Jahren Diabetiker. Ich nehme Vitamin D, Zink und Selen. Jetzt hat mir jemand Bockshornkleesamen empfohlen. Wozu wäre der gut?

Er soll den Appetit zügeln.

In der Werbung ist von Glucowohl die Rede. Kann das Mittel Diabetes heilen?

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Infos zu Corona und Diabetes: www.diabinfo.de

Aktuelle Informationen rund um das Coronavirus in Sachsen, Deutschland und der Welt lesen Sie in unserem Newsblog.

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