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Das sagen Schüler zum "Corona-Abitur"

Vor den Prüfungen war die Unsicherheit groß. Jetzt bewegen die Zwölftklässler in Riesa aber ganz andere Fragen. Die SZ hat mit drei von ihnen gesprochen.

Jonas Gellrich, Lisa Petzold und Niklas Thiele (v.l.n.r.) haben in diesem Jahr in Riesa das Abitur abgelegt.
Jonas Gellrich, Lisa Petzold und Niklas Thiele (v.l.n.r.) haben in diesem Jahr in Riesa das Abitur abgelegt. © Fotos: Klaus-Dieter Brühl / Montage: SZ

Riesa. Sie haben es geschafft: Rund 120 Riesaer Schüler haben in den vergangenen Wochen ihre Abiturprüfungen abgelegt - und das unter ganz besonderen Bedingungen. Während es 2020 trotz Corona bei relativ kleinen Einflüssen auf den Ablauf der Prüfungen blieb, brachte die Gewerkschaft GEW diesmal gar ins Spiel, die Prüfungen bei zu hohen Corona-Fallzahlen ausfallen zu lassen.

Drei der Zwölftklässler, die ihre Prüfungen schon hinter sich haben, sind Lisa Petzold, Jonas Gellrich und Niklas Thiele. Alle drei besuchen das Werner-Heisenberg-Gymnasium in Riesa. Beim Treffen mit der SZ haben sie ihre mündlichen Prüfungen bereits absolviert. Die liefen sehr gut, sagen alle drei unisono.

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Dabei lief auch die Prüfungsvorbereitung alles andere als normal ab. Seit Monaten war an normalen Unterricht ja nicht zu denken. Im Rückblick allerdings sei das eher ein Vorteil gewesen, vermutet Niklas Thiele. "So konnte man sich besser auf die Prüfungsfächer konzentrieren." Jonas Gellrich stimmt ihm zu: "Uns kam das fast schon zugute." Die Gymnasiasten sehen in erster Linie die Vorteile, die mit der besonderen Situation einher gingen: weniger Unterricht, und wenn, dann nur in den Prüfungsfächern; das auch noch in kleineren Gruppen. Die übrigen, weniger relevanten Fächer, fanden in der Zeit vor den Prüfungen nicht statt. Dadurch blieb Zeit zum Lernen.

"Das Hin und Her fand niemand schön"

Diese Einschätzung teilen auch die Lehrer an Riesas Gymnasien. "Der Begriff 'Corona-Abitur' gefällt mir gar nicht", sagt Schulleiterin Silke Zscheile vom Städtischen Gymnasium. "Wenn man die Gesamtsituation betrachtet, so waren die Umstände ungewöhnlich, aber für die Prüflinge gar nicht so schlecht. Sie konnten sich wochenlang auf ihre fünf Prüfungsfächer vorbereiten, intensiver geht es schon nicht." Auch am Christlichen Gymnasium war das so. Die 19 Abiturienten dort hätten sich wochenlang nur auf die Prüfungen vorbereiten können, sagt Diana Ulbricht vom Trägerverein der Schule. Alles sei viel gezielter abgelaufen.

Schwieriger war eher die Phase Anfang des Jahres, sagt Lisa Petzold. Damals war die Unsicherheit größer, ob und in welcher Form Unterricht und Prüfungen stattfinden können. "Das Hin und Her fand niemand schön, glaube ich", sagt die Abiturientin. Über die Lösungen sei sie am Ende erleichtert gewesen. "Nur beim Vorabitur fühlte ich mich ein bisschen mehr 'reingeworfen'", sagt sie.

Dass ihr Abitur wegen der besonderen Situation leichter war, weist das Trio von sich. "Jeder kann sich die Aufgaben ja ansehen, die waren auf keinen Fall leichter", sagt Jonas Gellrich. Das sei auch gut so gewesen. Ein Notfall-Abitur, wie es zeitweise in der Diskussion war, hätte ihm schon Sorgen gemacht, sagt er. "Da hätte ich wirklich Angst gehabt, einen Stempel zu kriegen."

Bammel hatten die Zwölftklässler wegen der intensiven Vorbereitung weniger vor den Prüfungsinhalten als vor einem positiven Coronatest. Der war in Sachsen vor den Prüfungen Pflicht. "Ich hatte Angst, positiv getestet zu werden", erzählt Jonas Gellrich. Kurz vor den Prüfungen hatte es in seinem familiären Umfeld zwei Coronafälle gegeben. Zufällig habe er just in der Zeit keinen Kontakt zu den beiden gehabt. "Die Nachholtermine für die Prüfungen lagen nämlich sehr ungünstig." Womöglich hätte er dann in der Woche der mündlichen Prüfungen nachschreiben müssen.

Während die Zwölftklässler sonst nach dem Abitur in die Ferien gingen, müssen sie in diesem Schuljahr noch bis zum Schluss in den Unterricht. Silke Zscheile vom Städtischen Gymnasium hatte darauf schon zu Beginn des Jahres hingewiesen. "Die Prüfungen sind durch und die Ergebnisse werden am 22. Juni bekanntgegeben. Da durch die Corona-Pandemie aber nun noch Unterricht für die Zwölfer in den Nichtprüfungsfächern ist, kennt keiner seine Gesamtqualifikation, denn auch jetzt werden noch Leistungen erbracht." Wahrscheinlich sei genau das die größte Hürde, die es für die Schüler zu überwinden gilt.

Die Abschlussfeiern stehen auf der Kippe

Schülerin Lisa Petzold rechnet vor, dass in der Zeit noch Noten für drei bis fünf Fächer gesammelt werden müssen. "Das ist ein sehr sportliches Programm." Aber ändern könne man das nun mal nicht, sagt Niklas Thiele. "Wir wissen alle, dass wir da durch müssen." Und überhaupt: Nach zwölf Jahren werde man die paar Wochen auch noch überstehen.

Etwas wehmütig werden die drei Schüler allerdings bei einem anderen Thema. Für die traditionelle Mottowoche waren die Heisenberg-Abiturienten auch diesmal in Kostüme geschlüpft - aber eben nur kurz. "Da konnte man mal eine halbe Stunde alles vergessen", sagt Niklas Thiele, "einfach Ausreißen aus den letzten Monaten." Die Kursfahrten an ihrer Schule waren dagegen ausgefallen. Schade, sagt Jonas. "So etwas schweißt den Jahrgang noch mal zusammen." Ob und wie die Abi-Feier stattfinden kann, das steht beim SZ-Gespräch ebenfalls noch nicht fest. Es sei ja auch die letzte größere Zeit, um in dieser Gruppe etwas unternehmen zu können.

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Ihre Ergebnisse erfahren die Riesaer Schüler in der kommenden Woche. Und dann? Jonas, Lisa und Niklas haben schon recht konkrete Pläne für die Zeit danach. "Ich möchte erst einmal nach Leipzig und dort eine Ausbildung in der Automobilindustrie machen", sagt Jonas Gellrich. Ob er später noch studiere, das werde sich dann zeigen. Niklas Thiele verfolgt einen ähnlichen Plan, will erst einmal eine Lehre im kaufmännischen Bereich beginnen. "Ich will schauen, ob das was für mich ist." Lisa Petzold ist die einzige der drei, die direkt an eine Universität möchte. Auch da gebe es wegen Corona eine Besonderheit: "Bewerbungsfrist fürs Architekturstudium in Dresden ist der 15. Juli. Die Zeugnisausgabe fällt dieses Jahr aber auf den 24." Es ist eben alles etwas anders in diesem Jahr - nicht nur an den Gymnasien.

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