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Drei Dresdner revolutionieren dank moderner Sensoren die Musikwelt

Sächsische.de stellt Erfindungen aus Sachsen vor, die unser Leben verbessern. Heute: Das Schlagzeug to go aus Dresden mit ganz neuen Klängen aus einem Musikgerät.

Von Jana Mundus
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Wenn sich drei Ingenieure in ihrer Freizeit für Musik begeistern, kommt Innovatives dabei heraus: Florian Helling, Kyrill Leier und Sebastian Merchel (v.l.n.r.) mit ihrem neuartigen Schlaginstrument, das Musikern eine breite Klangwelt bietet.
Wenn sich drei Ingenieure in ihrer Freizeit für Musik begeistern, kommt Innovatives dabei heraus: Florian Helling, Kyrill Leier und Sebastian Merchel (v.l.n.r.) mit ihrem neuartigen Schlaginstrument, das Musikern eine breite Klangwelt bietet. © Thomas Kretschel

Bumm, bumm, bumm. Der Bass der großen Trommel lässt die Luft vibrieren. Hell klingt das Becken und kitzelt im Ohr, zackig unterlegt vom Sound der kleinen Trommel. Dann ein Knopfdruck und alles ist anders.

Das Schlagzeug ist plötzlich ein Marimbaphon mit sanften Tönen, die den Zuhörer warm einhüllen. Noch ein Klick, und karibisches Schlagwerk erklingt – Südseefeeling mitten auf dem Gelände der TU Dresden. Mit den Schlagzeugstöcken in der Hand zeigt Florian Helling, was in dem neuen Instrument steckt, dem Drum Beam. Gemeinsam mit Sebastian Merchel und Kyrill Leier hat er ihn entwickelt. Ein ganzes Schlagzeug und noch viel mehr.

Entfernt erinnert der Drum Beam an eine bunte LED-Leiste. Licht macht er nämlich auch und untermalt damit die Töne, die Musiker ihm entlocken. Gut für den Bühneneffekt. Aber das Teil kann deutlich genialere Dinge als eine schnöde Leuchte. In der rund 50 Zentimeter langen Leiste sind Sensoren verbaut. Die erkennen zum einen, wo die Schlagzeugstöcke beim Spielen auf die Oberfläche treffen. Zum anderen registrieren sie, mit welchem Druck das passiert. „Wir können damit festlegen, an welcher Stelle des Instruments welcher Ton erklingen soll“, erklärt Sebastian Merchel. Je nach ausgeübtem Druck ist dieser dann höher oder tiefer zu hören.

Merchel weiß, wovon er spricht. Er ist selbst Schlagzeuger, experimentiert daheim am Rechner gern mit elektronischen Sounds. Die Idee zum neuen Instrument entstand auch aus Eigeninteresse, gibt der Mitarbeiter an der Professur für Akustik und Haptik gern zu. „Der Wunsch, Sensoren zu entwickeln, die mehr können als heutige elektronische Schlagzeuge, war reizvoll.“

Während eines Seminars zum Thema Synthesizer, an dem auch Studenten der Dresdner Musikhochschule teilnahmen, entstand 2021 der erste Prototyp. „Ein Schlagzeug-Student hat das Instrument mitgenommen, um es zu testen“, erinnert sich Merchel. Einen Tag später rief dessen Professor an: Er wollte auch zwei Exemplare haben.

Hier hören und sehen Sie das Instrument in Aktion:

Aus der Tüftelei wird eine Geschäftsidee. Florian Helling schreibt seine Diplomarbeit im Fach Elektrotechnik über die Entwicklung und treibt das Projekt weiter mit voran. Auf einer Berliner Messe für Elektronik und Musik präsentieren die beiden im Frühjahr 2022 erstmals ihre Erfindung.

Auch Audios lassen sich abspielen und steuern

Am Stand staunt darüber auch ein anderer Dresdner: Kyrill Leier. Der Maschinenbauer und Experte für Textiltechnik hat schon ein Ein-Mann-Unternehmen gegründet. Jetzt will er seine Erfahrungen im geplanten Start-up einbringen. Xoundio ist dessen Arbeitstitel erst einmal.

„Dieses Instrument bietet Musikern einfach so viele Möglichkeiten“, erklärt er immer noch begeistert. Wer will, könne es ebenfalls in ein Schlagzeug integrieren, um noch mehr Sounds zur Verfügung zu haben. Auch Audios ließen sich darüber abspielen und steuern.

Der Sound des neuartigen Schlaginstruments entsteht am Computer.
Der Sound des neuartigen Schlaginstruments entsteht am Computer. © Thomas Kretschel

Noch braucht es einen Computer, mit dem der Drum Beam verbunden ist. Dort machen die Musiker alle Voreinstellungen, nicht nur zum Klang, sondern auch, in wie viele Flächen die Schlagleiste unterteilt werden soll. „Gut spielen lassen sich bis zu 18 Schlagzonen“, erklärt Helling.

Mehr Zonen sind durchaus möglich. „Dann wird es aber schwer, sie mit den Stöcken noch exakt zu treffen.“ Der Plan für die Zukunft ist ein Instrument, das all die Einstellungen gleich selbst ermöglicht, ohne dass ein Computer genutzt werden muss.

Aktuell bemühen sich die drei um ein Gründungsstipendium bei Dresden Exists. Mit der finanziellen Unterstützung wollen sie in gut einem Jahr ein Produkt entwickeln, das sich effektiver bauen und somit auch verkaufen lässt.

Ihre Ideen gehen weiter. „Die LEDs an der Seite ermöglichen auf der Bühne eine Lichtshow“, sagt Merchel. Deshalb soll das Instrument noch mehr davon bekommen. Mit dem neuartigen Schlagzeug sei für sie längst nicht Schluss. „Mit moderner Technologie lassen sich noch ganz andere Instrumente bauen.“

So schätzt Professor Michael Schefczyk "Xoundio " ein

Professor Michael Schefczyk leitet den Gründerlehrstuhl an der TU Dresden. Für Sächsische.de schätzt er das Potenzial von Xoundio ein.
Professor Michael Schefczyk leitet den Gründerlehrstuhl an der TU Dresden. Für Sächsische.de schätzt er das Potenzial von Xoundio ein. © Thomas Kretschel

Die Gründer haben ein sehr gutes und flexibles digitales Musikinstrument entwickelt. Die Entwicklung ist so weit gediehen, dass man das Produkt bestens vorführen und ausprobieren kann. Es bleibt abzuwarten, wie es die Gründer letztlich auf den Markt bringen werden.

Die Möglichkeiten dafür sind zahlreich und können zum Beispiel eine Crowdfunding-Kampagne einschließen, bei der Kaufinteressenten die Produktion vorfinanzieren. Auf welchem Weg das Instrument anschließend vertrieben werden kann, wissen die Gründer. Allerdings muss man sich für den Start noch eine Zielgruppe herauspicken, auf die man das Produkt im ersten Schritt bestmöglich zuschneidet.

Fazit: Ein schönes Produkt mit viel Potenzial – ich hoffe, dass es genutzt werden wird.

Hier noch einmal alle Erfindungen im Überblick:

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Das Projekt

Die Erfindershow mit den hier vorgestellten Start-ups und ihren Produkten findet am 15. Oktober von 10 bis 18 im Elbepark Dresden statt.

„Genial Sächsisch“ wird unterstützt von den drei sächsischen Gründerinitiativen in Dresden, Chemnitz und Leipzig.