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Dynamo-Sportchef Becker: Im Osten gibt es noch Fußball pur

In einem Interview spricht der Geschäftsführer über seine Arbeit in Dresden, den Umgang mit den Fans - sowie über einen seiner größten Fehler.

Dynamos Sportchef Ralf Becker findet, dass der Fußball im Osten pur sei, die Verbindung zu den Fans stärker ist.
Dynamos Sportchef Ralf Becker findet, dass der Fußball im Osten pur sei, die Verbindung zu den Fans stärker ist. © dpa-Zentralbild

Es geht nicht um seine Vertragsverlängerung bis 2025 und auch nicht um Dynamos drei Auswärtsniederlagen in Folge: In einem ausführlichen Interview mit Spox.com spricht Sportchef Ralf Becker vielmehr über seine Karriere als Spieler, Trainer und Scout. Und über die Besonderheit des Fußballs in den neuen Bundesländern.

Seine erfolgreichste Zeit als Spieler erlebte Becker beim SSV Reutlingen, für den er mehr als 100 Partien bestritt und mit dem der Aufstieg in die 2. Bundesliga glückte. Höhepunkt aber war ein Spiel mit Bayer Leverkusen. An der Seite von Christian Wörns, Bernd Schuster und Ulf Kirsten traf Becker im Viertelfinale des Uefa-Cups im März 1994 auf Benfica Lissabon. "Das war das absolute Highlight meiner Karriere. Mit ein bisschen Abstand bin ich extrem stolz, dass ich das miterleben durfte", erklärt er.

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Doch natürlich kommt der 51-Jährige auch auf seine aktuelle Arbeit in Dresden zu sprechen. Am Donnerstag erst war sein bis zum Saisonende laufender Vertrag bis 2025 verlängert worden. Hier gebe es eine unheimlich große Euphorie, eine gute Atmosphäre und großartige Unterstützung, erzählt er. "Ohne, dass ich vorher Zahlen oder Interna kannte, hatte ich sofort das Gefühl, dass man in Dresden einiges bewegen kann." Bewegen kann er vor allem etwas mit der Zusammenstellung des Kaders. Wenn Dynamo Spieler nach Dresden locken will, seien das "keine, die keiner kennt", betont Becker. "Es geht dann darum, eine Idee und ein Gefühl beim Spieler zu schaffen, dass er bei uns zur richtigen Zeit am richtigen Ort wäre. Wichtig ist, den Spieler zu überzeugen."

Dass die Fans bei den Schwarz-Gelben eine besondere Rolle spielen, hat er spätestens seit seinem Amtsantritt im Juli 2020 gemerkt. Beim Umgang mit ihnen dürfe man "nie gleichgültig oder arrogant werden, sondern muss immer versuchen, die Leute mitzunehmen und Probleme Schritt für Schritt gemeinsam zu lösen. Wichtig ist, dass man auf Augenhöhe diskutiert und man sich auch als Verein an verschiedene Dinge hält", erklärt er im Interview mit Spox.com. Die große Verbindung zwischen Verein und den Anhängern sei nicht nur bei Dynamo besonders stark ausgeprägt, sondern im gesamten Osten Deutschlands: "Diese Traditionsvereine wie Rostock, Aue, Magdeburg oder eben auch Dresden - das ist in gewisser Weise noch Fußball pur."

Und damit ein Fußball, wie er ihn lebt. Dazu gehört bei seinem Posten auch, mit Druck umzugehen. Er habe das gelernt, erklärt Becker. "Ich bin schon eine Weile dabei und habe demzufolge auch die Emotionalität dieses Sports kennengelernt. Wenn man es nicht schafft, das einzuordnen, kann das auch für die Gesundheit schwierig werden", betont er.

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Über eine Entscheidung ärgert er sich im Nachhinein. Als Sportvorstand des Hamburger SV hatte er nach dem zehnten Spieltag Christian Titz entlassen. Der HSV stand zu diesem Zeitpunkt zwei Punkte hinter dem Zweitliga-Tabellenführer. "Wir waren damals davon überzeugt, dass es der richtige Schritt war. Mit zwei, drei Jahren mehr Erfahrung habe ich jedoch gemerkt, dass man auch mal etwas länger abwarten sollte. Wenn ich heute nach Magdeburg schaue, sehe ich, dass Christian dort einen super Job macht." Dynamo-Trainer Alexander Schmidt muss sich nach den vier Niederlagen in den vergangenen fünf Spielen also keine großen Sorgen machen.

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