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Diese Heizungs-Alternativen sparen Kosten

Auf die Schnelle teure Öl- oder Gas-Heizungen zu ersetzen oder aufzurüsten, wird schwierig. Es lohnt sich aber trotzdem – auch dank Förderung.

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Alternative Wärmepumpe: Die wichtige Kennzahl für Effizienz ist eine möglichst hohe Jahresarbeitszahl.
Alternative Wärmepumpe: Die wichtige Kennzahl für Effizienz ist eine möglichst hohe Jahresarbeitszahl. © dpa/Daniel Maurer

Sie haben eine Öl- oder Gas-Heizung und machen sich Sorgen um die hohen Energiepreise und die Versorgungslage? Verständlich. Und leider muss man sagen: Diese Sorge kann Ihnen auf die Schnelle vermutlich niemand nehmen. Aber Sie haben durchaus Möglichkeiten, etwas zu tun.

Wie kann ich meine Gas- oder Öl-Heizung ersetzen?

„Im Ein- und Zweifamilienhaus ist momentan die Wärmepumpe die erste Wahl, sagt Tim Geßler“, Redakteur der Fachzeitschrift „SBZ Sanitär.Heizung.Klima“. Sie ist vom Nischen- zum Trendprodukt im Privatbau geworden – auch dank staatlicher Förderung. Einen Großteil ihrer Energie gewinnt die Heizungsanlage mit Wärmepumpe kostenlos aus der Umwelt. Sie entzieht je nach Variante dem Erdreich, der Umgebungsluft oder dem Grundwasser Wärme. Rund drei Viertel ihrer Energie werden laut Bundesverband Wärmepumpe so gewonnen. Ein zugekaufter Anteil Strom wird aber zum Betrieb der Pumpe und ihres Antriebs benötigt.

„Eine weitere Alternative ist die Holzheizung, in der Regel ist es ein Pelletkessel.“ Auch er kann eine Öl- oder Gasheizung für Wärme im Wohnraum und zur Warmwasserbereitung komplett ersetzen.

Für beide Heiztechnologien muss man mit Kosten von mindestens 20.000 bis 30.000 Euro rechnen. Dazu können Kosten für Umbauten kommen, die nötig werden, um die Anlagen effizient betreiben zu können – zum Beispiel ein Heizkörpertausch.

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Eine dritte Möglichkeit kann eine Umstellung auf Fernwärme sein. Die gibt es aber vornehmlich in dicht besiedelten Gebieten. Zudem muss ein Energieversorger bereit sein, sein Netz auszubauen und neue Anschlüsse zu legen.

Eignet sich jedes Haus für eine Wärmepumpe oder Holzheizung?

Nein. Größe und Beschaffenheit des Hauses, die Anzahl der Bewohner, Dachausrichtung, Heizkörper oder Fußbodenheizung und viele andere Faktoren spielen bei der Wahl des Heizsystems eine Rolle. Eine Wärmepumpe ist zum Beispiel nicht in jedem Bestandsbau einsetzbar, auch wenn die Hersteller in den vergangenen Jahren vermehrt Modelle für höhere Vorlauftemperaturen entwickelt haben. Je nach Zustand des Hauses muss aber die Dämmung von Dach, Fassade, Fenster oder Kellerdecke verbessert werden oder es müssen Flächenheizungen eingesetzt werden. Und für die Sole-Wasser-Variante spielt zum Beispiel der Zugang zum Garten eine Rolle, denn es sind dafür Erdbohrungen mit schweren Baugeräten nötig.

Bei einer Pelletheizung ist eine Voraussetzung der Platz für das Pelletlager. „Deswegen ist ja auch der klassische Tausch Ölheizung gegen Pelletkessel“, sagt Geßler. Man kann das alte Öllager umrüsten.

Rechnet sich die hohe Investition in eine neue Heizung?

Die Heizungsalternativen ermöglichen eine größere Unabhängigkeit von Öl und Gas. Die hohen Kosten lassen sich durch eine hohe staatliche Förderung verringern: Bei Tausch eines Ölkessels durch eine Wärmepumpe oder eine Holzzentralheizung werden 45 Prozent der Investitionskosten erstattet, beim Austausch von Gas-Heizungen 35 Prozent.

„Allerdings steigen alle Energiebezugspreise derzeit – ob es jetzt Gas, Öl, Fernwärme oder Strom, Pellets oder Hackschnitzel sind“, sagt Norbert Azuma-Dicke vom Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie. „Die Energiepreissteigerung wird man also ohnehin haben.“ Sie ließe sich mit den Umrüstungen aber dämpfen.

Wechselwillige müssen sich zum Beispiel auch im Klaren sein: „Die Wärmepumpe muss in meinem Haus effizient arbeiten können, damit sich bei den aktuellen Stromtarifen für die Wärmepumpe auch Einsparungen bei den laufenden Kosten ergeben“, so Norbert Azuma-Dicke.

Was bringt die Erweiterung der Öl- oder Gas-Heizung zur Hybridheizung?

Eine Hybridheizung nutzt mehrere Energiequellen, in der Regel Öl oder Gas zusammen mit erneuerbaren Energien. Vergleichbar ist das System mit Hybrid-Autos, die mit Strom sowie Benzin oder Diesel betrieben werden. Zuerst werden bei den Heizungen die erneuerbaren Energien für die Erzeugung von Wärme und Warmwasser genutzt. Erst in Zeiten mit sehr hohem Wärmebedarf, wenn diese Energie nicht ausreicht, werden Öl oder Gas zugeschaltet. Deren Verbrauch sinkt damit deutlich.

„Die klassische Hybrid-Lösung, die auch staatlich gefördert wird, ist die Kombination eines Öl- oder Gas-Brennwertkessels plus Solarthermieanlage“, sagt Tim Geßler. „Wer eine funktionierende Heizungsanlage hat und ein bisschen was tun möchte, für den ist Solarthermie eine Option.“

Lohnt sich die Investition in Solarthermie?

Eine Solarthermieanlage, die Wasser für den alltäglichen Gebrauch über Sonnenenergie erhitzt, kann man laut Tim Geßler ab etwa 5.000 Euro bekommen. „Zwar sind damit die Investitionskosten im Vergleich zum Austausch der Öl- oder Gasheizung geringer, man spart aber auch weniger Energie ein“, sagt er. „Packt man größere Anlagen aufs Dach, die auch die Heizung unterstützen, kommt man schnell auf 15.000 Euro und mehr.“

Bei einem älteren Einfamilienhaus könne die Ergänzung eines bestehenden Gaskessels um eine solare Warmwasserbereitung je nach Dämmstandard zu etwa zehn bis 20 Prozent weniger Gasverbrauch führen. Unterstützt die Solarthermieanlage zusätzlich die Wärmegewinnung für die Heizung, seien „30 Prozent und natürlich mehr möglich“.

Wer eine Solarthermieanlage einbaut, bekommt 30 Prozent aus der Bundesförderung für effiziente Gebäude erstattet. Weitere regionale Förderoptionen lassen sich zum Beispiel über die Förderdatenbank des Bundes recherchieren.

Wie effizient sind modernere Öl- und Gasheizungen?

Neue Gas- und Ölheizungen arbeiten in den meisten Fällen mit Brennwerttechnik. Dabei werden die Abgase so weit abgekühlt, dass der darin enthaltene Wasserdampf teilweise zu flüssigem Wasser kondensiert. So kann neben der normalen Ausbeute zusätzlich die Energie, die im Dampf enthalten ist, zur Raumheizung genutzt werden. „Die Brennwerttechnik hat sehr hohe Wirkungsgrade. Das heißt, der eingesetzte Energieträger wird sehr effizient genutzt mit wenig Verlusten“, sagt Frederic Leers, Sprecher des Bundesverbands der Deutschen Heizungsindustrie.

Die Abgaben zu den Einsparpotenzialen schwanken, was wiederum an den Gegebenheiten der jeweiligen Anlage im jeweiligen Haus abhängt. Laut Verbraucherzentrale NRW nutzt so ein modernes Brennwertgerät unter den richtigen Voraussetzungen im Haus die Brennstoffe um zehn Prozent besser aus. „Wenn Sie eine veraltete Gasheizung modernisieren und gegen eine moderne Brennwert-Anlage tauschen, haben Sie eine Einsparung von 15 bis 20 Prozent“, sagt Leers. Tim Geßler hält zehn bis 20 Prozent Ersparnis für möglich. „Es kann aber auch weniger oder mehr werden. Das kann man schlecht isoliert betrachten, weil der Brennwerteffekt zum Beispiel von der Rücklauftemperatur im Heizsystem abhängt.“

Und Geßler ergänzt: „Man muss sich im Klaren darüber sein, dass das nicht die nachhaltigste Lösung ist.“ Man bliebe schließlich beim Energieträger Gas. „Auf die Gaspreise gibt momentan keiner Wetten ab, wie hoch die noch steigen.“

Die Variante hat aber einen großen Vorteil: Die notwendige Infrastruktur ist bereits vorhanden. Ein Tausch kann – wenn man das Gerät und Handwerker bekommt – daher schnell gehen. Aber ganz ohne ein Nachrüsten kommt man trotzdem nicht immer aus. Zum Beispiel muss wegen der niedrigen Abgastemperaturen, die bei der Brennwerttechnik entstehen, womöglich der Schornstein umgerüstet werden.

Eine Brennwertanlage bekommt man laut Geßler für circa 8.000 Euro – plus die Kosten für Umbauten.

Kann ich eine ältere Heizung behalten und um Solarthermie ergänzen?

Norbert Azuma-Dicke rät in so einem Fall, möglichst in einem ersten Schritt den alten Niedertemperaturkessel gegen Brennwerttechnik zu tauschen. „Damit realisieren Sie eine Energieeinsparung von ungefähr 15 Prozent.“ Wird direkt oder später Solarthermie ergänzt, sind bis zu 30 Prozent Energieersparnis möglich. Auch Tim Geßler würde über die Ergänzung einer Solarthermieanlage nur nachdenken, wenn „die bestehende Heizung noch relativ jung“ ist.

Geht das alles schnell genug bis zum Beginn der nächsten Heizperiode?

Für alle Heizungstechnologien muss man derzeit Geduld mitbringen. So sind die Auftragsbücher der Handwerker voll, Leers spricht Mitte Juli von einem Vorlauf von mindestens 17 Wochen. „Dazu kommen mitunter Engpässe in der Produktion, einerseits wegen der gesteigerten Nachfrage, aber auch aufgrund von derzeit gestörten Lieferketten.“

In manchen Segmenten sieht es besonders schlimm aus. Laut Geßler liegen die Lieferzeiten der Wärmepumpen-Hersteller derzeit bei sechs Monaten bis zu einem Jahr. „Es gibt zwar kleine Anbieter, die noch lieferfähig sind. Aber die Frage ist natürlich, wie lange noch.“ Wenn jemand seine Öl- oder Gas-Heizung noch vor dem Winter gegen eine Wärmepumpe tauschen könne, habe er Glück. (dpa)