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Sachsen

CoronaCast: Erst der Tweet, dann die Spritze

Der Weg zum Überwinden der Corona-Krise führt über Aufklärung. Landärztin Ulrike Koock und der Psychologe Hendrik Berth tun das offline und vor allem online.

Der Dresdner Psychologe Hendrik Berth und die Landärztin Ulrike Koock sind zu Gast im CoronaCast.
Der Dresdner Psychologe Hendrik Berth und die Landärztin Ulrike Koock sind zu Gast im CoronaCast. © [M] Hochschulmedizin DD/Wiegand/Fingerfoto.de/SZ

Eigentlich würde sie jetzt schon im Impfzentrum in Büdingen in der Nähe ihres Wohnortes im hessischen Wetteraukreis Menschen gegen das Coronavirus impfen. Doch es kommt zunächst anders. „Geimpft bin jetzt erstmal nur ich selbst“, sagt Ulrike Koock im CoronaCast, dem Podcast von Sächsische.de zur Pandemie. Die Landärztin hat sich im November freiwillig für den Einsatz gemeldet, der nun nicht wie geplant beginnt, weil auch in ihrem Bundesland nicht genug Impfstoff für eine flächendeckende Abgabe vorhanden ist.

Als Hausärztin wäre sie eigentlich noch gar nicht an der Reihe. Auf der Prioritätenliste steht ihre Berufsgruppe in Kategorie 3 von 4, also ziemlich weit hinten. "Das kann man eigentlich nicht verstehen, weil wir täglich an vorderster Front stehen und potenzielle Erstkontakte mit Infizierten haben." Doch statt darüber zu schimpfen, findet Koock einen anderen Weg, mit diesem Problem umzugehen: einen charmanten, konstruktiven und vor allem öffentlichkeitswirksamen.

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Ulrike Koock ist nämlich nicht nur eine Hausärztin, die es aufs Land zog, sondern auch Goldene Medizin-Bloggerin des Jahres 2019, Journalistin und auf Twitter für mehr als 38.000 Follower da. Sowohl in ihrem Blog als auch in Sozialen Medien firmiert sie unter dem Namen "Schwesterfraudoktor". Sie schreibt meist über ihre Erfahrungen im Praxisalltag. Seit Beginn der Corona-Pandemie klärt sie zu diesem Thema auf und findet dabei eine Mischung aus Information, Witz und Alltagsdoku. So wie in dem Tweet Ende November, als sie ihre Anmeldung in einem Impfzentrum bekannt macht und dafür mehr als 6.000 Likes bekommt. Sie schreibt: "Ich habe mich gerade als Ärztin für die Impftzentren angemeldet. Ich werde euch alle chippen."

Um mal ein neues Wort zu schöpfen: Koock könnte sich auch als "Impfluencerin" bezeichnen. Doch um Ruhm und Ehre im Netz geht es der 40-Jährigen nicht. Sie nutzt die verschiedenen Plattformen neben ihrer Praxis auch als Ort für medizinische Aufklärung. Und aktuell ist der Bedarf daran sehr groß - vor allem beim Thema Impfung. "Da muss man den Menschen Dinge erläutern. Wir reden schließlich bei den RNA-Impfstoffen über eine neue Technologie."

Finden wir nach Corona wieder schnell in den Alltag?

In den Sozialen Medien wird Koock für ihre Beiträge zum Impfen jedoch auch attackiert. "Da gilt anscheinend bei manchen der Grundsatz: Du hast deine Fakten, ich meine Meinung." Hendrik Berth, Psychologie-Professor an der TU Dresden, bestätigt in dem Podcast Koocks Eindruck. "In der aktuellen Debatte ist es leider so, dass es Menschen gibt, die man auch mit den besten Absichten und Erklärungen nicht mehr erreichen kann", so Berth.

Doch der Psychologe schätzt trotz der on- wie offline spürbaren gesellschaftlichen Spannungen die aktuelle Lage eher optimistisch ein. "Es gibt einen wirksamen Impfstoff und wir Menschen haben bewiesen, dass wir es schaffen, uns innerhalb eines Jahres an eine Ausnahmesituation zu gewöhnen." Genauso schnell wie man sich auf die Abstandsregeln, Maßnahmen oder Geisteratmosphäre in Stadien eingestellt habe, werde es auch umgekehrt funktionieren.

Außerdem spricht der Psychologe im CoronaCast über die gesellschaftlichen Folgen der Coronakrise und wie Menschen mit dem erlittenen Schicksal einer eigenen Ansteckung oder einem schweren bis tödlichen Fall im eigenen Umfeld umgehen können.

Das Podcast-Gespräch wurde über einen Videoanruf aufgezeichnet. Alle am Gespräch beteiligten Personen saßen ausreichend weit voneinander getrennt an verschiedenen Orten.

Hier sind ergänzende Links zu Themen, auf die in der Folge Bezug genommen wird:

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