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Klappt das mit dem Impfen beim Hausarzt?

Sie sollen bald die erste Anlaufstelle fürs Impfen sein. Viele tun es jetzt schon mit viel Einsatz, manche zögern. Über Gründe dafür, Kritik, Dankbarkeit und Zahlen.

"Jede Impfe hilft", argumentiert der Herrnhuter Hausarzt Kay Herbrig, der im Ärztehaus schon länger auch gegen Corona impft.
"Jede Impfe hilft", argumentiert der Herrnhuter Hausarzt Kay Herbrig, der im Ärztehaus schon länger auch gegen Corona impft. © Matthias Weber

Wenn Kay Herbrig könnte, wie er wöllte, würde seine Doppelpraxis wöchentlich locker für bis zu 500 Corona-Schutzimpfungen die Spritze ansetzen. Doch der Elan des Herrnhuter Hausarztes, der mit seinem Kollegen Thomas Pfefferkorn schon seit Längerem beim Impfen dabei ist, wurde bislang ausgebremst: "In manchen Wochen haben wir 20 Impfdosen pro Arzt zugebilligt bekommen. Wenn wir Glück haben, sind es aber auch mal 170 für die Doppelpraxis", skizziert Herbrig die vergangenen Wochen. Die Unstetigkeit der Lieferungen sei ein Punkt, der momentan das zügige Impfen erschwere.

Herbrig hofft, dass es nun im Mai tatsächlich mehr Impfstoff für Praxen gibt. Bisher bestellen die Hausärzte bei der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen (KVS) die gewünschten Dosen von Woche zu Woche. Die KVS teilt im Gegenzug mit, wie viel tatsächlich geliefert werden kann - ein enges Korsett.

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Impfzentrum? Muss nicht sein

Mit seinem Team hat Kay Herbrig das Impfen komplett vom Praxisalltag getrennt und sogar eine extra Telefonnummer eingerichtet, bei der sich Patienten zur Impfung anmelden können. "Die Nummer ist geschaltet, wenn Impfstoff da ist, da werden auch Termine vergeben", erklärt er. Dass das Impfzentrum in Löbau in einigen Wochen seine Pforten schließen wird, findet er nicht besonders dramatisch. Man sei vorbereitet.

Doch unter Regionalpolitikern, Medizinern und Impfwilligen im Landkreis wird genau das derzeit stark diskutiert. Viele wünschen sich, dass Löbaus Impfzentrum noch deutlich länger als bis Ende Juni als zentrale Anlaufstelle bleibt, vor allem dann, wenn die Priorisierung im Juni aufgehoben wird und jeder sich impfen lassen kann. Dann werden sich noch mehr Menschen - auch solche, die keinen festen Hausarzt haben - anmelden wollen. Manche zweifeln, ob die Hausärzte es überhaupt so schnell schaffen, alle Willigen rasch gegen das Corona-Virus zu immunisieren. Skepsis gibt es zudem, ob genügend Hausärzte mitmachen. Eine erste Reaktion des Freistaates gibt es inzwischen: Die 13 Impfzentren in Sachsen bleiben einen Monat länger bis Ende Juli geöffnet. Der Schwerpunkt bleibt aber in Zukunft bei den Hausärzten.

Zwei Drittel der Hausärzte impfen schon

Was die Impfbereitschaft der Hausärzte im Landkreis Görlitz betrifft, kann die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen (KVS) Zahlen nennen: Insgesamt impfen hier aktuell 134 Mediziner - 114 davon sind Hausärzte, auch eine hausärztlich tätige Kinderärztin ist dabei. Zur Erinnerung: Mitte März war es gerade einmal ein niedergelassener Arzt. Bei einer Gesamtzahl von 170 Hausärzten im Kreis beteiligen sich also jetzt reichlich zwei Drittel an den Schutzimpfungen, Tendenz steigend. Das Potenzial ist noch größer, wenn auch ein Teil der 297 Fachärzte im Landkreis mitmacht. Was auf diese Weise maximal an Impfungen pro Woche möglich wäre, kann die KVS zwar nicht beziffern. Aber deutlich mehr als derzeit wäre es definitiv: So wurden in der letzten Aprilwoche insgesamt 5.963 Impfen über Hausärzte vergeben - davon 4.605 mal Biontech und 1.358 Mal Astrazeneca. Zum Vergleich: Im Löbauer Impfzentrum wurden seit Jahresbeginn insgesamt 70.000 Impfdosen verabreicht.

Der krasse Mengen-Unterschied zwischen den beiden Impfstoffen liegt nicht nur in der Empfehlung für über 60-Jährige begründet. Er ist auch eine Folge der Unsicherheit vor seltenen Nebenwirkungen. "Oh ja, die Skepsis ist groß", bestätigt Ute Taube, Allgemeinmedizinerin und Vorsitzende der Kreisärztekammer. Auch in ihren Praxen in Berthelsdorf und Herrnhut bedarf es viel Aufklärungsarbeit, um Astrazeneca den Patienten nahe zu bringen. "Das ist schade, denn der Impfstoff wirkt sehr gut", betont sie. Wenn sie den Patienten die Dinge erkläre, lenkten viele auch ein und verlören ihre Bedenken. Gravierende Nebenwirkungen habe sie noch nicht beobachtet: "Es ist alles im Rahmen des Üblichen bei Impfungen", sagt sie.

Höheren Beratungsaufwand bei Astrazeneca

Dass man bei Astrazeneca etwas mehr Beratungsaufwand und vielleicht auch mal einige Dosen auf Lager habe, bestätigt sie. Aber Berichte, Ärzte bekämen das Präparat nicht los und horteten es in Mengen im Keller, kenne sie nicht. Ute Taube ist überzeugt, dass es beide Impfstoffe brauche, um auf dem Weg zurück in die Normalität voranzukommen - und eben auch möglichst viele Ärzte sowie das Löbauer Impfzentrum: "Je mehr Kapazitäten, desto schneller kommt man voran", argumentiert sie.

Eine Praxis, die seit dieser Woche ganz frisch die Kapazitäten in Zittau erweitert, ist die Doppelpraxis Cizkova/Pätzold. "Wir impfen diese Woche das erste Mal", bestätigt Katja Pätzold. Viele Kollegen in Zittau böten den Covid-Schutz schon an. Mit Blick auf Juni, wo das Impfen mehr in die Praxen verlagert werden soll, wollten die beiden Medizinerinnen nun ebenfalls Routine und Übung bekommen. "Der Aufwand ist beherrschbar", bilanziert Frau Pätzold die ersten Eindrücke. Und die Patienten nähmen es gern an, zumal Impfungen ohnehin Hausarzt-Sache seien.

"Wir sollten dankbar sein, was alles möglich ist"

Das sieht auch Holm Wunderlich so. Der Löbauer Mediziner, der mit Frau und Tochter in der Breitscheidstraße eine Gemeinschaftspraxis betreibt, impft ebenfalls seit rund drei Wochen und hat beobachtet, dass die Patienten darauf warten, beim Hausarzt an die Reihe zu kommen. Das erlebt auch seine Löbauer Kollegin Heide Reimer, deren Patienten ebenfalls lieber zu ihr kommen wollen, obwohl sie das Impfzentrum in ihrer Stadt haben. Dort sei oftmals die Online-Anmeldung die große Hürde, sagt sie. Wie die Praxis Wunderlich ist auch Dr. Reimer von Anfang an dabei, das Impfen habe sich gut eingependelt. Etwas mehr Aufwand als eine Grippeschutz-Impfung ist es aber durchaus, vor allem, weil die Patienten nach der Impfung noch 15 Minuten unter Beobachtung in der Praxis bleiben müssen. "Diesen Platz muss man haben", sagt Holm Wunderlich. Daher müsse man zwangsläufig die Impfen außerhalb oder an den Rand der Sprechzeiten legen.

Auch Heide Reimer opfert fürs Impfen einen Teil ihrer Freizeit, bleibt länger in der Praxis - zum Wohle aller: "Das dient doch etwas Gutem, dafür sollten wir dankbar sein", gibt sie sich überzeugt. Vom steten Meckern hält die Löbauer Medizinerin ohnehin nichts: "Wir sollten auch einmal dankbar sein, dass alles gut läuft und jetzt schon so viel möglich ist - wer hätte das vor einem Jahr erwartet?", fragt sie.

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