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Was Minge fürs Dresdner Stadion hofft

Vor zehn Jahren wurde die neue Arena fertig - und sie ist längst mehr als die Spielstätte von Dynamo. Bei einem Festakt gibt es auch einige Ausblicke.

Dynamos Sportgeschäftsführer Ralf Minge (l.) und Axel Eichholtz vom Bauherrn sprachen zur Festveranstaltung.
Dynamos Sportgeschäftsführer Ralf Minge (l.) und Axel Eichholtz vom Bauherrn sprachen zur Festveranstaltung. © Nicole Urban

Dresden. Das eigentliche Jubiläum ist schon eine Weile her. Am 15. September 2009 wurde das neue Dresdner Fußball-Stadion mit dem Spiel von Dynamo gegen Schalke 04 (1:2) eingeweiht. Die Festveranstaltung wurde jetzt nachgeholt und am Mittwochabend in den Vip-Räumen der Spiel- und Veranstaltungsstätte vor allem zurückgeschaut: auf den Kampf um den Standort, den Bau und die Höhepunkte der vergangenen Jahre.

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Ob Geisterspiel, Konzerte oder andere Sportarten auf dem Rasen - in den zehn Jahren seit der Eröffnung ist im Dresdner Stadion viel passiert.

"Am Ende siegte die Tradition", sagte Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert. Die Stadt hatte unter Herbert Wagner, einem seiner Vorgänger, die Bewerbung für die Fußball-WM 2006 verpasst und favorisierte den Umbau des Heinz-Steyer-Stadions zu einer Multifunktionsarena. Dieser Plan hätte zwar auch eine lange Tradition bedient. Hier hatte vor dem Zweiten Weltkrieg die deutsche Nationalmannschaft gespielt, war der Dresdner SC Meister geworden, Dynamo am 20. September 1967 sein erstes Europapokalspiel gegen die Glasgow Rangers bestritten (1:1), es waren zu DDR-Zeiten Weltrekorde in der Leichtathletik aufgestellt worden.

Doch die emotionalere Geschichte hatte das Rudolf-Harbig-Stadion durch Dynamos Sternstunden im Europapokal und die erfolgreichen Zeiten des "Dresdner Kreisels". Und so dankte Ralf Minge der Fan-Initiative "Pro RHS", die sich ab 2003 stark gemacht hat für den Neubau an der alten Stelle. "Sie haben unsere Fans und Mitglieder zusammengeführt mit der klaren Botschaft, dass der Verein hier seine Heimat haben soll. Das kann man nicht hoch genug einschätzen", erklärte der Sportgeschäftsführer, der als Stürmer für die Schwarz-Gelben im alten Stadion viele wichtige Tore erzielt hatte. Dass es tatsächlich gelungen ist, die damaligen politischen Entscheidungsträger zu überzeugen, spiegele die Wucht wider, die der Verein hat, wenn Einigkeit besteht. "Wir können uns alle nur gratulieren - es ist ein absoluter Volltreffer."

Axel Eichholtz, Geschäftsführer des Bauträgers HBM, nannte das Stadion die "gute Stube des emotionalen Fußballs", was vor allem auch etwas mit der Bauweise zu tun hat: Es ist das steilste Einrang-Stadion in Deutschland. Mehrere Podiumsgäste erinnerten an herausragende Spiele wie im DFB-Pokal gegen RB Leipzig, das im Elfmeterschießen gewonnen wurde, oder Bayer Leverkusen, als Dynamo nach einem 0:3 noch mit 4:3 in der Verlängerung gewonnen hatte. OB Hilbert erinnerte aber auch daran, dass sich "dieses wunderbare Stadion über zehn Jahre in unseren Veranstaltungskalender der Stadt eingepflegt hat". Er riet allerdings dazu, es an diesem nasskalten Abend nicht den Toten Hosen nachzumachen, die nach ihrem Auftritt ins Arnhold-Bad eingestiegen waren, um schwimmen zu gehen.

Konzerte von Helene Fischer über Herbert Grönemeyer bis Rammstein und der inzwischen traditionelle Auftritt des Kreuzchores vor Weihnachten gehören zu den Höhepunkten der zehn Jahre, 2020 folgen Auftritte von Udo Lindenberg und Peter Maffay. Am 4. Januar wird zum zweiten Mal nach 2016 Eishockey im Stadion gespielt, das Derby der Dresdner Eislöwen gegen die Lausitzer Füchse aus Weißwasser, danach gibt es sogar eine Partie der tschechischen Liga zwischen Litvinov und Sparta Prag.

Minges Traum: Und sei es am Rollator

Alle in Gelb - das war das Motto der Fans bei Dynamos Heimspiel im DFB-Pokal gegen RB Leipzig im August 2016 - und die Dresdner drehten ein 0:2 zum 2:2, gewannen im Elfmeterschießen. Ein emotionaler Höhepunkt in zehn Jahren neues Stadion.
Alle in Gelb - das war das Motto der Fans bei Dynamos Heimspiel im DFB-Pokal gegen RB Leipzig im August 2016 - und die Dresdner drehten ein 0:2 zum 2:2, gewannen im Elfmeterschießen. Ein emotionaler Höhepunkt in zehn Jahren neues Stadion. © Robert Michael

Aus einer sehr knappen Entscheidung im Stadtrat für den Bau sei kein Dauerstreit geworden, erklärte Dresdens Sportbürgermeister Peter Lames. Nachdem der zusätzliche Zuschuss der Stadt zu den Betriebskosten in Höhe von je 1,5 Millionen Euro für die nächsten beiden Jahre bestätigt wurde, sei man "auf dem besten Wege, eine vernünftige Stadionmiete als dauerhafte und verlässliche Grundlage" zu finden. Die Kosten und deren Verteilung waren von Anfang an ein Streitthema zwischen den drei Vertragspartnern: Stadt, Verein, Stadionprojektgesellschaft. "Wir haben verstanden, dass wir einen starken Verein brauchen", sagte Eichholtz, "aber der Verein braucht auch einen starken Stadionbetreiber." Man sei, betonte auch Minge, auf einem guten Weg, miteinander Doppelpass zu spielen.

Er war im April 2009 als Geschäftsführer zurückgetreten, weil er die Stadionverträge nicht unterzeichnen wollte und konnte. Im Vorfeld hatte er sich intensiv, aber letztlich erfolglos bemüht, die Verantwortlichen von Finanzierungsmodellen zu überzeugen, die anderswo angewendet worden waren wie beispielsweise in Düsseldorf.

Die Aussagen zur Zukunft blieben eher vage, geprägt von Wünschen. Wenn Dynamos Profis im nächsten Sommer ins neue Trainingszentrum im Ostra-Gehege ziehen, sei das eine Gelegenheit, das Gelände so weiterzuentwickeln, "dass es wirklich eine Heimstätte des Vereins wird", meinte Minge. Und Eichholtz versprach: "Wir wären ein schlechter Stadionbetreiber, wenn wir den Zustand in den nächsten 20 Jahren nur verwalten würden. Wir müssen investieren." Gespräche mit Stadt und Verein über die neuen Pläne fürs Dresdner Stadion laufen nach seiner Aussage, eine Geschäftsstelle, ein Museum und auch "etwas für die Fans" sei denkbar.

Eine Erweiterung um bis zu 10.000 Plätze sei dagegen eine Vision, "aber man muss realistisch bleiben". Für eine partielle Aufstockung der Kapazität habe man aber bereits eine Idee entwickelt, die Eichholtz im Detail nicht verraten wollte.

Minge versprach, alles zu tun, damit auch nächste Saison Zweitliga-Fußball in dem Stadion gespielt wird. Als einen Wunsch nannte er, "dass wir mit dem neuen Stadion-Nutzungsvertrag eine Situation schaffen, die für alle Seiten akzeptabel ist und die Grundlage bildet, damit wir irgendwann unseren Traum umsetzen können, dem wir uns mit unserem Leitbild verschrieben haben". 98 Spiele im Europapokal hat Dynamo bestritten, das 100. soll kein Traum bleiben. "Ich hoffe, dass ich es erlebe, und sei es am Rollator", so Minge.

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