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Sie hat die DVB-Wartehäuschen entworfen

Christine Lehnert hat die Fahrgastunterstände "Typ Dresden" entwickelt, die das Bild der Stadt prägen. Wird dieses Lebenswerk nun zerstört?

Christine Lehnert hat die Unterstände mit den runden Dächern für Dresden entworfen. Und eine Idee, wie sie auch künftig genutzt werden könnten.
Christine Lehnert hat die Unterstände mit den runden Dächern für Dresden entworfen. Und eine Idee, wie sie auch künftig genutzt werden könnten. © Marion Doering

Dresden. Die ersten Entwürfe hat Christine Lehnert 1991 gestaltet, bis der erste moderne Fahrgastunterstand "Typ Dresden" an der Strehlener Straße in Dresden aufgestellt war, dauerte es noch eine Weile. Dazwischen lagen mehrere Dienstreisen nach Paris, enge Absprachen mit den Dresdner Verkehrsbetrieben (DVB) und der Stadt. Nun soll alles abgerissen werden.

Sie prägen das Bild der Stadt mit: die transparenten Glashäuschen mit dem gewölbten Dach an den DVB-Stationen. 92 der gut 900 Wartehallen wurden als "Typ Dresden" extra für die Stadt entwickelt, vor allem für den Bereich der Innenstadt.

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Das Design stammt von Christine Lehnert, die Anfang der 1990er-Jahre von der Stadt als eines von mehreren Planungsbüros beauftragt wurde, Vorschläge einzureichen. "Es ging darum, ein Design zu entwickeln, das sich ins Stadtbild einfügt", so Lehnert. "Flache Dächer wären vor den historischen Gebäuden zu modern gewesen."

"Ich habe den Eindruck, dass da niemand mehr ist, der die Zusammenhänge kennt"

Aber es sind nicht nur die Dächer, die Lehnerts Unterstände besonders machen. "Sie sind hell, es gibt keine dunklen Ecken", erklärt die Designerin. Dazu ist zusätzliches Licht eingebaut und die typischen zurückgesetzten Säulen, die die Konstruktion tragen, und vorne eine kürzere Glasscheibe als an der Seite mit dem Werbeplatz. "Dadurch gibt es auch an schmalen Straßen und Plätzen keine Säulen, die im Weg stehen, sondern man kommt gut an den Unterständen vorbei." Auch die Bänke sollten möglichst kurz gehalten werden, damit sich dort niemand hinlegen kann, erzählt Lehnert.

Insgesamt war sie dreimal in Paris. Denn der Vertrag für die Außenwerbung der Stadt wurde damals mit der Firma Decaux aus der französischen Hauptstadt geschlossen. Mittlerweile hat das Unternehmen die deutsche Werbefirma Wall übernommen und unter anderem in Dresden werden die Geschäfte von Wall geführt.

Die Wartehäuschen waren für Christine Lehnert damals der erste Auftrag von der Stadt. Später, das war 1994, hat sie auch die DVB-Haltestelle Pirnaischer Platz mitgestaltet. Sie hat neben den typischen Wartehallen auch den Presseshop und den mittlerweile aufgegebenen DVB-Servicepunkt entworfen.

Als Lehnert nun erfuhr, dass alle Wartehäuschen Ende 2022 abgerissen werden müssen, konnte sie es kaum fassen. Grund dafür ist, dass die Stadt die Werbeverträge neu ausschreibt. Laut Vertrag müssen dann nahezu alle Fahrgastunterstände verschrottet werden, selbst wenn die gleiche Firma den Zuschlag erhält. Wall hat der Stadt zwar ein Angebot gemacht, die Unterstände zu kaufen, doch das wird als "taktisch und zu teuer" bewertet.

Hunderte Anlagen noch "sehr gut" bis "neuwertig"

"Ich möchte den Stadträten nicht zu nahe treten", sagt die Designerin. "Aber ich habe den Eindruck, dass da niemand mehr ist, der die Zusammenhänge kennt." Schließlich sei die Entscheidung fast 30 Jahre her. Aber die Fahrgastunterstände seien für die Dresdner wichtig, zudem kümmere sich der Betreiber um Wartung, Reparatur und Reinigung - im Gegenzug hat die Firma den Werbeplatz.

Klar sei es denkbar, dass die Stadt die Unterstände durch eine Tochter, beispielsweise die DVB, betreiben lasse. "Aber es wäre schade, wenn die Wartehallen alle abgebaut werden - nicht nur, weil sie für mich eine Art Lebenswerk sind", sagt die 73-Jährige. "Ich verstehe das nicht und wünsche mir einen Weg, die Unterstände zu erhalten."

Die Wartehäuschen abzureißen, sei einfach nicht sinnvoll, sagt die Designerin. Denn sie entsprechen im Grunde heute noch allen Anforderungen und sind vorwiegend in gutem Zustand. Das bestätigt auch die Firma Wall, der 800 der Unterstände gehören, darunter auch die von Designerin Lehnert.

700 der Anlagen werden als "sehr gut" bis teils "neuwertig" eingestuft, rund 100 müssten ausgetauscht werden. "Sanierungsbedarf besteht bei diesen Wartehallen für die Dächer aus Plexiglas, die mit den Jahren stark ausgeblichen sind", so Wall-Sprecherin Frauke Bank zu den von Lehnert entworfenen Häuschen.

Genau dort sieht die Designerin einen Ansatz, auch mit den alten und für Dresden typischen Glashäuschen den heutigen Ansprüchen gerecht zu werden. Denn vor allem die Grünen wollen die Häuschen mit Photovoltaikanlagen und Gründächern ausstatten. "Für Gründächer ist die Statik wahrscheinlich nicht geeignet, weil die zurückgesetzten Säulen das zusätzliche Gewicht nicht tragen könnten", so Lehnert.

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Aber transparente Photovoltaik-Folien könnten auf die gewölbten Dächer geklebt werden und so Energie speichern. Kommende Woche soll über die Ausschreibung entschieden werden; ob damit das Ende der Wartehäuschen besiegelt wird, ist noch nicht klar.

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