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Stadtfest Canaletto 2022: So war Dresdens größte Party

Drei Tage lang verwandelt sich Dresdens Innenstadt zum Stadtfest "Canaletto" wieder in eine Feiermeile. Was dabei so alles passiert, berichten wir im Newsblog.

Von Dominique Bielmeier & Nadja Laske & Georg-Dietrich Nixdorf
 20 Min.
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Ein letzter Rock 'n' Roll: Stadtfest-Rausschmeißer The Firebirds auf der Theaterplatz-Bühne. Das Konzert der Leipziger ist der Schlusspunkt der diesjährigen Party.
Ein letzter Rock 'n' Roll: Stadtfest-Rausschmeißer The Firebirds auf der Theaterplatz-Bühne. Das Konzert der Leipziger ist der Schlusspunkt der diesjährigen Party. © René Meinig

Dresden. Es ist wieder Stadtfestzeit in Dresden: Am Freitagabend hat die größte Party der Stadt begonnen. Sie dehnt sich von der Innenstadt auch über die Elbe auf Neustadtseite aus. "Ein Stadtfest wie früher", versprechen die Veranstalter, das heißt: wie vor Corona.

In Zahlen ausgedrückt: acht Bühnen, 18 Flächen, über 1.000 Künstlerinnen und Künstler, nicht wenige davon von internationaler Bekanntheit, und wie immer kostenfreier Eintritt. Einziger Unterschied zu den Vorjahren: Wegen der wochenlangen Trockenheit und hohen Waldbrandgefahr wurde das geplante Abschlussfeuerwerk vorsorglich abgesagt.

Alles, was Sie vorab zum Stadtfest wissen müssen und was am Wochenende in Dresden so passiert, erfahren Sie in diesem Newsblog.

Dresdner Stadtfest Canaletto 2022 - das Wichtigste in Kürze:

Das passiert auf dem Dresdner Stadtfest 2022 - alle News im Liveblog:

Sonntag, 20.50: Finale und "Rock Around the Clock"

Finale mit "Rock Around the Clock": Die Feuervögel lassen Arme und Beine zappeln und ersetzen mit ihrem Konzert das traditionelle Feuerwerk, das es in diesem Jahr wegen der zu hohen Waldbrandgefahr nicht gibt.

Sonntag, 20.40 Uhr: The Final Countdown

Gewirbel auf der Bühne vor der Semperoper. Kaum sind die letzten gefühlvollen Zeilen des Singer-Songwriters Joel Brandenstein verklungen, rüsten sich The Firebirds für ihr Konzert. Sie geben dem Dresdner Stadtfest mit ihrer Version des Rock’n’Roll-Sounds der 50er und 60er Jahre einen furiosen Abschluss.

Die Leipziger haben auch in Dresden eine riesige Fangemeinde, die nun den Theaterplatz bevölkern, neben all denen, die hier fröhlich erschöpft einfach in Bierwagen- und Weinstandnähe hängengeblieben sind und das Wochenende ausklingen lassen.

Sonntag, 19.30 Uhr: Plauderstündchen mit Frank Schöbel

Frank Schöbel plaudert pünktlich halb acht darüber, wie es dazu kam, dass er seine Biographie schrieb und daraus nun ein Theaterstück entstanden ist. Seine Fans rücken so dicht wie nur möglich an die Bühne heran. Sogar auf dem Pflaster sitzen sie und hängen dem Sänger förmlich an den Lippen.

"Im ersten Teil des Stückes spiele ich den jungen Frank Schöbel ja nicht selbst und kann mir sozusagen mein eigenes Leben anschauen."

Auch die Scheidung von Chris Doerk komme darin auf der Bühne vor. "Da verdrückt doch mancher im Publikum ein Tränlein, weil es sehr zu herzen gehend ist und man sich vielleicht auch an die eigene Scheidung erinnert."

"Kann mir sozusagen mein eigenes Leben anschauen", DDR-Star Frank Schöbel auf dem Neumarkt.
"Kann mir sozusagen mein eigenes Leben anschauen", DDR-Star Frank Schöbel auf dem Neumarkt. © René Meinig

Sonntag, 19.15 Uhr: Drängeln auf dem Neumarkt

Dicht gedrängt lassen sich die Stadtfestbesucher auf dem Neumarkt vom Boulevardtheater belustigen. Das Ensemble stellt in einem bunten Potpourri seine Produktionen vor. Halb acht wird hier auch Frank Schöbel zu erleben sein.

In "Die Frank Schöbel Story" spielt er sich selbst - zumindest in späteren Jahren.

Sonntag, 15.45 Uhr: rausgelassene Emotionen auf der Bühne

Um kurz nach halb vier betritt der Leipziger Sänger Mayberg die Bühne neben der Semperoper. Ein wenig schüchtern fast angesichts des großen Publikums auf dem Theaterplatz, das der Newcomer so offenbar gar nicht gewohnt ist. Um große Liebe, Betrug, Herzschmerz drehen sich seine Lieder, die er auf Deutsch singt und sich dabei auf der Gitarre begleitet.

Neu auch für ihn: Ein DJ-Duo gibt seinen tiefgründigen Songs einen tanzbaren Beat und spätestens beim Mitsingen der Liedzeilen "Bei Politik und Tinder bist du links / ja da gehörst du hin" hat er das überwiegend junge Publikum in der ersten Reihe endgültig für sich gewonnen.

Sonntag, 15 Uhr: Veranstalter ziehen erstes Fazit.

Veranstaltungschef Frank Schröder gibt die ersten Zahlen bekannt. 400.000 Menschen seien in etwa beim diesjährigen Stadtfest gewesen, etwas mehr als beim letzten Mal, sagt er. Die Zahlen beruhten auf Schätzungen der Polizei.

Auch der Sonderfahrplan der Dampfschifffahrt und die Dampferparade hätten sich gelohnt. Insgesamt seien sie gut besucht worden, auch wenn es am Samstag auf manchem Schiff nur eine Handvoll Gäste waren.

Dennoch: Inzwischen habe man zwar wieder lächelnde Gesichter, "doch der Samstag hat uns sehr traurig gemacht. Das Wetter hat alle Prognosen über den Haufen geworfen".

Dabei war die aktuelle Ausgabe demnach mit 350 Händlern ein gut bestelltes Stadtfest. Im vergangenen Jahr war das ein Thema, weil viele Händler schon andere Engagementes oder Corona nicht überlebt hatten.

Trotzdem kommt Schröder noch auf etwas Schönes zu sprechen. Silly habe am Abend für einen "knallgefüllten Theaterplatz und Gänsehautstimmung" gesorgt. Unter der Hand ist aus Veranstalterkreisen allerdings zu hören, die frühere Rosenstolz-Sängerin AnNa werde bald bei Silly aussteigen und eigenes Projekt entwickeln. Das Konzert am Sonnabend war demnach eins ihrer letzten mit der Band.

Mengenschieben am Mittag: Auf der Handwerkermeile in Richtung Landtag wird es voll.
Mengenschieben am Mittag: Auf der Handwerkermeile in Richtung Landtag wird es voll. © René Meinig

Sonntag, 14.45 Uhr: Hoffnung und gute Laune bei den Händlern

Martin und seine Tochter Linda aus Teplice verkaufen gewebte Taschen und Schmuck in der Schlossstraße. Trotz des krassen Regens haben die beiden den ganzen Samstag in ihrem kleinen Stand ausgehalten und - trotz allem ganz gut verkauft. Martin ist zufrieden. Seine Ware sei halt etwas Besonderes und locke die Festbesucher auch bei schlechtem Wetter an, sagt er.

Auch Waffelbäckerin Lilien in ihrem Stand am Kulturpalast mag nicht klagen. Das miese Wetter habe den Gästen den Appetit nicht verdorben. Ihre belgischen Süßigkeiten gehen weg wie warme Semmeln.

Köstliches nach belgischen Rezepten: Waffelverkäuferin Lilien Schreier macht am Sonntag ein gutes Geschäft.
Köstliches nach belgischen Rezepten: Waffelverkäuferin Lilien Schreier macht am Sonntag ein gutes Geschäft. © René Meinig

Reik Taubert ist nicht ganz so zufrieden. Er lehnt auf die Unterarme gestützt auf dem Tresen seines Standes. Der Leipziger ist mit seinem Verkauf historischer Blechschilder zum Stadtfest gekommen und nicht das erste Mal hier. "Gestern lief der Verkauf wegen des vielen Regens katastrophal. Heute ist das Wetter zwar besser, aber die Leute sind sehr verhalten". In früheren Jahren sei das deutlich besser gewesen.

Nicht so beschäftigt wie sonst: Reik Taubert aus Leipzig handelt mit alten Blechschildern und anderen Dingen.
Nicht so beschäftigt wie sonst: Reik Taubert aus Leipzig handelt mit alten Blechschildern und anderen Dingen. © René Meinig

Sonntag, 14.15 Uhr: Warten auf Laufkundschaft

Wo gehobelt wird, fallen bekanntlich Späne. Tischlermeister Toralf Glöckner stellt sein Gewerk in seiner historischen Tischlerei vor - in der Hoffnung, junge Leute dafür zu interessieren und nach Möglichkeit künftige Auszubildende zu gewinnen.

Der verregnete Samstag war dafür leider ein verlorener Tag. Um so mehr hofft er auf Neugierige am Sonntag, die vom Theaterplatz in Richtung Landtag an seiner Schauwerkstatt vorbeikommen.

Auf Lehrlingssuche: Tischlermeister Toralf Glöckner in seiner Schauwerkstatt.
Auf Lehrlingssuche: Tischlermeister Toralf Glöckner in seiner Schauwerkstatt. © René Meinig

Sonntag, 13.30 Uhr: Großes Interesse an der Blaulichtmeile

Die Stadtfestgäste werden belohnt und mit milder Sonne entschädigt für den verregneten Samstag. So füllt sich ab Vormittag die Blaulichtmeile am Sächsischen Landtag und ist am Nachmittag voller Familien mit Kindern.

Sie bewundern Feuerwehren, Rettungswagen, Polizeiautos, THW-Technik und Militärfahrzeuge. Kristian läuft stolz mit seiner großen Schwester Katja und seinen Eltern an blinkenden Warnleuchten vorbei.

Der Vierjährige ist ein großer Polizei-Fan und trägt eine passende Uniform - stilecht mit Ausweismarke, Funkgerät, Pistole und Handschellen am Gürtel. Was er so toll an Polizisten findet? Kristian muss nicht lange überlegen: "Dass sie Diebe Fangen!"