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Wie Gastro-Ketten Dresdens Innenstadt erobern

Sausalitos, Hacker Pschorr, Peter Pane - gleich drei weitere Ketten eröffnen in der City. Woran das liegt und was Dresdner Gastronomen dazu sagen.

Adrian Barunovic führt das neue mexikanische Restaurant Sausalitos, das am Altmarkt eröffnet hat. Am Standort sind andere gescheitert.
Adrian Barunovic führt das neue mexikanische Restaurant Sausalitos, das am Altmarkt eröffnet hat. Am Standort sind andere gescheitert. © Marion Doering

Dresden. Der Dresdner Altmarkt ist für Gastronomen ein Traum. Mitten in der Altstadt, direkt gelegen an der Verbindung zwischen Prager und Frauenkirche, ein Touristen-Hotspot. An einer Adresse jedoch fahren regelmäßig die Umzugsautos vor: Nach dem Braufactum versucht sich im Restaurant am Altmarkt 5 innerhalb kurzer Zeit nun schon die zweite Gastro-Kette. Was auffällt: Immer mehr gastronomische Filialisten erobern das Dresdner Stadtzentrum - ein Überblick auch für die Zeit nach dem Lockdown.

Sausalitos folgt auf Braufactum und Café Central

Das Sausalitos betreibt mehr als 40 Restaurants und Bars in Deutschland, hat 1994 das erste Restaurant in Ingolstadt eröffnet und expandiert nun auch in die sächsischen Landeshauptstadt. Es ist der erste Standort des Unternehmens in Ostdeutschland, Anfang September wurde Eröffnung gefeiert, im zweiten Lockdown ist es nun wie alle anderen Kneipen geschlossen. Neben Cocktails gibt es im Sausalitos vor allem Speisen aus der kalifornischen und mexikanischen Küche.

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Vielen Dresdnern ist das großzügige Ecklokal mit der geschwungenen Treppe vor allem aus jener Zeit bekannt, als hier das Café Central seine Gäste bewirtete. Die Dresdner Gastronomen Ralph und Rastislav Krause mussten es 2017 allerdings schließen, weil der Vermieter ihnen den Vertrag gekündigt hatte. Ein Jahr später eröffnete das Braufactum, das zur Berliner BMB Gruppe gehört und mit selbstgebrauten Bierkreationen und deftigen Rippchen punkten wollte. Allerdings ohne Erfolg: Schon nach wenigen Monaten machte das Braufactum dicht, eine Anfrage zu den genauen Gründen ließ die BMB Gruppe unbeantwortet.

Stillstand bei Kentucky Fried Chicken

Etwas geheimnisvoll geht es direkt neben dem neuen Sausalitos zu. Seit Monaten kündigt dort die Kette Kentucky Fried Chicken (KFC) an, eine neue Filiale zu eröffnen. Getan hat sich bislang aber nichts. Auf Nachfrage teilt das Unternehmen lediglich mit, dass man sich zu Neueröffnungen nicht äußere.

Wirtshauskette eröffnet im ehemaligen Barococo

Seit Ende August wird im ehemaligen Barococo, das zum Jahresanfang zumachte, wieder ausgeschenkt. Dafür wurde das Restaurant Hacker Pschorr von der Münchner Brauerei Hacker Pschorr in ein bayrisches Wirtshaus verwandelt. Es erstreckt sich über drei Stockwerke. Im Erdgeschoss wurde die "Dresdner Schwemme" mit knapp 100 Sitz- und Stehgelegenheiten eingerichtet. Im Obergeschoss finden sich 220 Plätze mit Blick über den Altmarkt sowie auf den Kulturpalast und die Frauenkirche. Für Veranstaltungen gibt es noch einen historischen Gewölbekeller für 80 Gäste, auf der Terrasse finden rund 200 Gäste Platz. Auf der Speisekarte stehen, na klar: typisch bayrische Gerichte, Haxe zum Beispiel.

Für die Brauerei und Wirtshauskette ist es eine Art Rückkehr, denn schon im 19. Jahrhundert gab es einige Ausschankstellen in Dresden, unter anderem auch in der Schreibergasse am Altmarkt. Das Wirtshaus schloss kurz vor dem Zweiten Weltkrieg.

Im ehemaligen Barococo hat im Sommer eine Filiale des Hacker-Pschorr-Wirtshaus eröffnet.
Im ehemaligen Barococo hat im Sommer eine Filiale des Hacker-Pschorr-Wirtshaus eröffnet. © René Meinig

Burgerkette startet mit Lieferdienst

Die Burgerkette Peter Pane zieht an den Postplatz und startet aufgrund des Lockdowns erstmal mit einem Lieferdienst. "Auch in herausfordernden Zeiten" blicke das Team von Peter Pane weiter nach vorne und gehe am 26. November in Dresden zunächst mit "Peter Bringt’s" an den Start, so das Unternehmen.

Bis die Pforten zum neuen Restaurant im Lebendigen Haus am Postplatz öffnen dürfen, können die Dresdner ab dann die Burgerkreationen im Onlineshop unter peter-bringts.de bestellen. Auf der Karte stehen neben den Burgern auch Pommes, Salate und Cocktails.

Das Restaurant Peter Pane eröffnet am 26. November im Lebendigen Haus auf der Kleinen Brüdergasse - zunächst allerdings nur mit einem Lieferservice.
Das Restaurant Peter Pane eröffnet am 26. November im Lebendigen Haus auf der Kleinen Brüdergasse - zunächst allerdings nur mit einem Lieferservice. © Sven Ellger

Diese Ketten gibt es noch

Vor allem rund um den Altmarkt scheint sich die Systemgastronomie zu etablieren. Neben den kürzlich eröffneten Restaurants gibt es dort außerdem die Kette Hans im Glück und Wilma Wunder. Bei Hans im Glück gibt es ebenso wie bei Peter Pane Burger und Pommes, Wilma Wunder steht für leichtere Gerichte wie Salat und verschiedene Frühstücksangebote und Snacks.

Schaden die Ketten den anderen Gastrononem?

Ein klares Nein dazu kommt von Axel Klein, Dresdens Dehoga-Chef. "Man darf diese Ketten nicht verteufeln, sie gehören zur Gastroszene in Dresden dazu", sagt er. Vielmehr könnten die Einzel-Wirte von den Schritten etwa bei der Digitalisierung profitieren. "Wir müssen mit der Zeit gehen und etwa Online-Tischreservierungen anbieten", so der Chef vom Hotel-und Gaststättenverband. Um aber auch die alteingesessenen Restaurants zu fördern, startet die Dehoga gemeinsam mit dem Freistaat ihre Initiative "Lokalhelden-Sachsen". Auf der Internetseite sollen die Gäste Restaurants und deren Angebot in Dresden und anderen sächsischen Städten finden.

Auch Johannes Lohmeyer, Chef des Dresdner Tourismusverbandes, sieht in den Ketten keine Gefahr für Dresdner Einzelunternehmen. "Jedes gastronomische Angebot ist gut für die Stadt", findet der Hotelier. Die Ketten hätten hohe Bekanntheit und der Gast wisse, was ihn dort erwartet. Es müsse aber ein guter Mix auch mit unverwechselbaren Dresdner Gastronomen gelingen, so Lohmeyer.

Einer dieser Dresdner Gastronomen ist Ralph Krause, der das Café Central am Altmarkt aufgrund der Kündigung aufgeben musste. Er betreibt seit vielen Jahren das Rauschenbach in der Weißen Gasse und vier weitere Lokale, darunter auch Rackwitz Neue Welt, einen Biergarten im Großen Garten. Ob die großen Ketten ihm schaden, könne er gar nicht so leicht beantworten. Er sieht das eher pragmatisch: "Die Systemgastronomie ist offenbar etwas, was die Kunden mögen." Das könne man den großen Ketten nicht vorwerfen. Dennoch beobachtet auch Krause, dass es insbesondere rund um den Altmarkt große Veränderungen gibt und es für Dresdner Gastronomen zunehmend schwerer wird, sich dort durchzusetzen.

Dadurch verliere die Dresdner City aber auch ihre Individualität. "Die deutschen Innenstädte ähneln sich immer mehr. Das finde ich als Gast nicht so spannend." Seit vier Jahren, so Krause, entdecken die Ketten zunehmend auch Dresden, weil sich das Geschäft hier inzwischen lohne. Ohnehin habe sich das gastronomische Angebot im Zentrum vervielfacht, meint Krause mit Blick auf neue Restaurants an der Wilsdruffer Straße und am Postplatz. Wie sich die Innenstädte weiter entwickeln, auch durch die Auswirkungen der Corona-Krise, sei derzeit völlig offen.

Können sich nur noch die Ketten die Mieten in der Innenstadt leisten?

Axel Klein sieht das klar als eine Ursache. "Ja, die Mieten sind sehr gestiegen rund um den Altmarkt." Doch er betont, dass es nicht so sei, dass Wilma Wunder oder Aposto nur von ihren Mutterfirmen Geld bekommen würden, ohne wirtschaftlich zu arbeiten. "Die müssen sich genauso strecken." Vor allem in begehrten Lagen, wie am Theaterplatz oder am Altmarkt, sind die Mieten hoch.

Uwe Wiese, der Ex-Wirt des italienischen Dörfchens häufte zuletzt Mietschulden in sechsstelliger Höhe an. Der Club- und Restaurantbetreiber Christian von Canal sah bei seinem Abschied aus dem Enchilada an der Wilsdruffer Straße die hohe Preisspanne zwischen Innenstadt und Randlage als Problem. In der Innenstadt zahle man schnell rund 27 Euro pro Quadratmeter Miete, am Stadtrand nur zehn Euro.

Zu einem anderen Ergebnis kam noch 2017 eine gemeinsame Studie von Industrie- und Handelskammer (IHK) und Dehoga. Demnach macht die Pacht damals nur zwischen acht und zehn Prozent der Kosten eines Gastronomen aus.

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Gastronom Ralph Krause findet die hohen Mieten heute ebenfalls problematisch. "Eine Kette, die finanziell stark aufgestellt ist, kann sich das auch leisten, wenn es mal nicht so gut läuft."

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