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Frank Schöbel kommt in Dresden auf die Bühne

Der erfolgreichste Solokünstler der DDR spielt sich im Boulevardtheater selbst, und verrät vor der lang erwarteten Premiere, warum er rote Teppiche hasst.

Reise in die Vergangenheit: Christin Deuker (l.) verkörpert im Stück an Frank Schöbels Seite sowohl Chris Doerk als auch Aurora Lacasa.
Reise in die Vergangenheit: Christin Deuker (l.) verkörpert im Stück an Frank Schöbels Seite sowohl Chris Doerk als auch Aurora Lacasa. © PR/Robert Jentzsch

Dresden. Ohne seine braune Ledertasche trifft man ihm kaum. Auch heute hat Frank Schöbel sie dabei. Nach der Probe im Boulevardtheater nimmt er noch mal im Foyer Platz, öffnet die Tasche und zieht ein Einkaufsnetz heraus, das er immer noch gern benutzt. "Hm, riecht nach Osten", sagt der 78-Jährige.

In der DDR war Schöbel der erfolgreichste Solokünstler. Hits wie "Komm, wir malen eine Sonne" und "Wie ein Stern" konnte damals jeder mitsingen. Die 1985 erschienene Platte "Weihnachten in Familie" ist gar das meistverkaufte Album der DDR-Geschichte. Seine Liebes- und Leidensgeschichten mit den Ehefrauen Chris Doerk und Aurora Lacasa gingen vielen zu Herzen.

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Bereits 1998 brachte Frank Schöbel sein Leben im Buch "frank und frei" zu Papier. Zehn Jahre später machte er daraus eine Bühnenversion, für die er gemeinsam mit Regisseur Jürgen Mai 42 seiner Lieder in die Handlung einband. Gespielt werden die nun live von einer fünfköpfigen Band.

Im Hintergrund werden immer wieder originale Szenen eingespielt.
Im Hintergrund werden immer wieder originale Szenen eingespielt. © PR/Robert Jentzsch

Ob das deswegen nun ein Musical ist oder Musiktheater, das weiß niemand so genau. Vermutlich ist es ein ganz neues Genre, eine musikalische Zeitreise, bei der Jahreszahlen und Originalvideos eingeblendet werden und Schöbel aus dem Hintergrund den Erzähler gibt. Er ist sich sicher, dass es dabei viel zu Lachen gibt, so mancher an einigen Stellen aber wohl auch einige Tränchen verdrücken wird.

"Die Songs haben sich inhaltlich wie von allein an der Stelle in meinem Leben wiedergefunden, an der sie auch entstanden sind", sagt Schöbel. Das sei natürlich nicht so geplant gewesen, zeige jedoch, wie ehrlich und authentisch die Lieder zu seiner eigenen Biografie passten.

In der "Frank-Schöbel-Story" wird der junge Frank von Schauspieler Oliver Morschel gespielt, aber auch der echte Frank Schöbel wollte auf keinen Fall nur zuschauen. "Nach der Wende übernehme ich die Rolle selbst", verrät er. Und wer dabei erschrecke, wie alt er plötzlich aussehe, den fragt er direkt: "Sahen wir damals nicht alle bissel alt aus?"

Neues Album trägt passenden Titel

Premiere feiern sollte das Stück ursprünglich schon im März vergangenen Jahres. Alles war bereit, ein Monat voller Proben absolviert. Der junge Hauptdarsteller hatte sich sogar ein fast perfektes Sächsisch angeeignet. Doch wenige Tage vor der ersten Vorstellung kam der Corona-Lockdown. Das Stück wurde schnell noch mit der Kamera aufgenommen und erst vor wenigen Tagen wieder gemeinsam angeschaut.

Die viele freie Zeit nutzte Frank Schöbel, um ein Weihnachtsbuch auf den Weg zu bringen, das noch in diesem Jahr erscheinen soll, genauso wie sein neues Album mit dem passenden Titel "Ich bin wieder da".

Wie überall in der Kulturlandschaft wusste zwischenzeitlich niemand, wann es wie weitergehen kann. Die Frank-Schöbel-Story wurde zunächst auf den Juni 2020, dann auf den Februar 2021 und dann noch einmal auf den September 2021 verschoben. Nachdem die ersten Auftritte noch abgesagt worden waren, was sich als Fehler herausstellte, verlegte das Theater alle weiteren Termine, sodass die Karten ihre Gültigkeit behielten.

Bühnenpremiere für den Altmeister: Frank Schöbel wollte sich unbedingt selbst spielen.
Bühnenpremiere für den Altmeister: Frank Schöbel wollte sich unbedingt selbst spielen. © PR/Robert Jentzsch

Wenn Frank Schöbel nun im vierten Anlauf endlich seine Bühnenpremiere feiert, gibt es dafür noch Restkarten, doch viele Fans haben Geduld bewiesen und gemeinsam mit ihrem Idol gewartet. Einige von ihnen besuchen jede einzelne Aufführung, heißt es.

Glücklicherweise steht das gesamte Ensemble auch für die nun hoffentlich endgültigen Termine zur Verfügung. "Alle waren so gut vorbereitet, dass wir viel weniger proben mussten, als gedacht", sagt Schöbel. "Man merkt, wie alle in diesem Haus darauf brennen, dass es endlich losgeht."

Einen roten Teppich zur Premiere lehnte Schöbel allerdings ausdrücklich ab. "Mit so was kann ich gar nichts anfangen. Ich will, dass sich das normale Publikum gut unterhalten fühlt."

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Zunächst werden im Boulevardtheater neun Aufführungen gespielt, im kommenden Februar dann weitere sieben. Die geplante Tournee wurde angesichts der immer noch unsicheren Pandemielage zunächst verschoben, soll aber unbedingt nachgeholt werden.

Tickets für "Die Frank-Schöbel-Story" gibt es hier.

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