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Berzdorfer See: Badegäste hinterlassen Müllberge

Das erste schöne Badewochende ist vorbei. Geblieben sind eine Menge Kartons, Flaschen, anderer Müll. Wie die Stadt Görlitz dem Problem beikommen will.

Jedes Jahr aufs Neue Thema: die Hinterlassenschaften am Berzdorfer See.
Jedes Jahr aufs Neue Thema: die Hinterlassenschaften am Berzdorfer See. ©  privat

Görlitz. In den vergangenen Tagen sah man sie häufiger, etwa in Görlitzer Facebook-Gruppen: Fotos von Müll am Berzdorfer See. So postete eine Frau zwei Fotos vom Nordstrand, ein Unterwasser-Bild und eines vom Ufer. Das Wasser scheint eine gute Qualität zu haben, findet sie, "der Strand weniger. Leute, was ist los mit euch?", schreibt sie. Das zweite Foto zeigt einen Müll-Haufen mit Flaschen, Kartons, Verpackungen.

Man findet mehr solcher aktueller Bilder, kürzlich zum Beispiel ein Foto von Glasscherben im Sand. Es ist kein neues Problem. Müll, den Badegäste am See hinterlassen, ist alljährlich aufs Neue ein Thema.

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Erstes schönes Wochenende sorgte für viel Müll

Das weiß auch Ronny Hasler vom Sicherheitsdienst K9. Aber gerade voriges Wochenende - das erste richtig schöne der Saison - sei es ihm auch besonders aufgefallen, erzählt er. "Ich habe schon den Eindruck, es ist dieses Jahr besonders heftig." K9 ist am See zuständig dafür, die Parkgebühren an der Zufahrt zu kassieren, auf die Parkordnung und Verkehrssicherheit an der Strandpromenade zu achten. Früher waren Hasler und seine Kollegen auch zuständig für die Müllentsorgung am Nord- und Nordoststrand.

So schön badete es sich am Wochenende.
So schön badete es sich am Wochenende. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Seit vorigem Jahr ist es anders. Die Stadt Görlitz wollte die Strandpromenade am Berzdorfer See als öffentliche Straße widmen - Grundlage für einen Bebauungsplan. So sollten etwa, weil eine öffentliche Straße immer frei zugänglich sein muss, Parkautomaten entlang der Promenade die Kassierstation an der Zufahrt ablösen. Im März vorigen Jahres dann die Rolle rückwärts im Stadtrat: Die öffentliche Widmung wurde mit Stimmen aus CDU und AfD zurückgenommen. Der Konzessionsvertrag der Stadt mit K9 war zu der Zeit aber bereits aufgehoben und die Aufgaben - darunter die Reinigung der Toilettenanlagen, Müllentsorgung, Strand- und Parkplatzreinigung - wurden neu ausgeschrieben, auch dieses Jahr wieder.

Zu wenig Papierkörbe?

Begeistert war K9 über die Kündigung vor reichlich anderthalb Jahren nicht gerade. Das Unternehmen hatte sich aber wieder auf den Verkehrsbereich beworben und erhielt den Auftrag für das Einnehmen der Parkgebühren und auf die Parkordnung und Sicherheit zu achten. Das DRK übernahm zum zweiten Mal die Badeaufsicht am Nord- und Nordoststrand, mehrere Unternehmen kümmern sich um den Müll.

Zwei Probleme sieht Hasler: "Es fehlen Papierkörbe", sagt er. Über Jahre standen an der Promenade größere Müllcontainer. Nicht hübsch, aber eine zentrale Möglichkeit für die Badegäste, ihren Müll zu entsorgen. Die sind nun fort. "Es war auch immer ein Papierkorb am Hundestrand, den gibt es auch nicht mehr", ist Hasler aufgefallen.

So sieht es aktuell am Nordstrand aus.
So sieht es aktuell am Nordstrand aus. ©  privat

Das zweite Problem ist, dass um die vorhandenen Müllkörbe herum - also auch am Strand und den Rändern der Promenadenstraße, der Müll nicht weggeräumt wird, "das ist zumindest mein Eindruck. Die Müllkörbe werden geleert, aber drumherum bleibt ziemlich viel liegen." Darauf habe K9 die Stadt auch mehrfach hingewiesen. Nachdem die SZ mit ihm sprach, schickt er ein Bild vom See am gestrigen Mittwoch. Bestimmt 15 Müllsäcke liegen verteilt am Nordstrand. "Ich bin selten sprachlos."

Die Stadt will reagieren, sie kennt das Problem, "es gab mehrere Meldungen dazu", sagt Stadtsprecherin Sylvia Otto. Zum Beispiel auch, dass der Müllkorb am Hundestrand verschwunden ist. Der städtische Betriebshof wird bald einen neuen anbringen. Dass die Container weg sind, habe dagegen seinen Grund: Sie wurden entfernt, weil sie zu oft missbraucht wurden, um Hausmüll zu entsorgen, "und immense Kosten verursacht haben."

Reinigungsfirma an Belastungsgrenze

Es gibt mehrere Firmen, die sich in die Reinigung rund um den Berzdorfer See kümmern, erklärt Syvia Otto. Im städtischen Bereich - die Badestellen Nordost- und Nordstrand sowie Hundestrand - ist die Firma Piepenbrock beauftragt, mit fünf Stunden täglich. In Hagenwerder kümmert sich die Kommwohnen. "Die ehemalige Badestelle, rechts der Insel der Sinne, ist keine ausgewiesene Badestelle", erklärt Syvia Otto. Daher werde die Fläche auch nicht bewirtschaftet. Was offenbar mancher nutzt, Müll zu entsorgen: Auf dem angrenzenden Parkplatz bei Hagenwerder habe sich inzwischen auch eine Müllansammlung gebildet. An den Bushaltestellen sind die Görlitzer Verkehrsbetriebe zuständig, für die Papierkörbe am Parkplatz gegenüber dem Rundweg-Abzweig zum Nordstrand die Firma Sapos.

Dass an den städtischen Flächen, also Nordost- und Nordstrand - nicht um die Müllkörbe herum gereinigt werde, stimme aber nicht. "Hier ist ein größerer Umfang beauftragt", so Sylvia Otto. So gehört es auch zu den Aufgaben der Firma, am Strand und den Rasenflächen Müll, Vogel- und Hundekot, Flaschen, Verpackungen, Feuerstellen zu beseitigen. Das Problem: Es handele sich um ein 39.000 Quadratmeter großes Gelände, auf dem all das zu erledigen ist. "An hoch frequentierten Tagen ist die Reinigungsfirma an ihrer Belastungsgrenze." Daher würden in der Regel die Tage unter der Woche genutzt, um aufzuarbeiten, was sich an Wochenenden wie dem vorigen nicht schaffen ließ.

Appell an die Badegäste

Die Stadt will jetzt außerdem eine sogenannte Nachbeauftragung vornehmen: Zusätzlich soll wöchentlich die Parkplatzfläche im Bereich Nordoststrand Richtung Deutsch-Ossig gereinigt werden. Bei dem Parkplatz mit der illegalen Müllstelle Richtung Hagenwerder soll ein Müllcontainer aufgestellt werden.

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Alleine will die Stadt aber nicht die Verantwortung für Bilder - wie die aktuellen - übernehmen. Sie appelliert auch an die Badegäste: Das Problem könne nicht allein von der Stadtverwaltung gelöst werden. Sondern jeder sei gefragt, den See sauber zu halten, seinen Müll in die Müllkörbe zu entsorgen. Und nicht sogar noch Hausmüll mitzubringen. Besonders ärgert sich die Stadt über zerbrochene Glasflaschen, die nicht nur Müll, sondern vor allem eine große Verletzungsgefahr sind.

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