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Dresden: Kritik an Kita-Öffnungszeiten

Die Kindergärten in der Stadt schließen ab Montag teilweise deutlich früher als sonst, das stellt viele Eltern vor Probleme. Kritik kommt auch an der Organisation.

Die Kitas schließen nach der Wiederöffnung teilweise deutlich früher als sonst.
Die Kitas schließen nach der Wiederöffnung teilweise deutlich früher als sonst. © dpa/Monika Skolimowska

Dresden. Wochenlang waren die Kitas geschlossen und nur Kinder, deren Eltern in systemrelevanten Berufen arbeiten, durften in die Notbetreuung gehen. Nun öffnen sie im Zuge der Lockerungen der Corona-Beschränkungen am Montag wieder für alle Kinder. Doch die teilweise eingeschränkten Öffnungszeiten stellen Eltern vor neue Probleme. Manche Dresdner Einrichtungen haben nur bis 15.30 oder 16 Uhr geöffnet - kaum zu schaffen, wenn beide Eltern voll berufstätig sind. 

"Ein eingeschränkter Regelbetrieb heißt nicht, dass die Einrichtungen wieder normal zur Verfügung stehen", erklärt Sabine Bibas, Dresdens Kitachefin. Die Vorgaben der Allgemeinverfügung würden den Normalbetrieb für die rund 55.000 in Dresdner Kitas und Horten betreuten Kinder derzeit nicht zulassen. "Die strikten Vorgaben zur Betreuung der Kinder in festen Gruppen mit möglichst festem Personal können die Einrichtungen nur leisten, wenn sie ihre Öffnungszeiten einschränken. Mir ist kein Träger bekannt, der es anders schafft", so Bibas. Eine Vorgabe der Stadt zur Einschränkung der Öffnungszeiten gebe es nicht. Die Einrichtungen und Träger würden selbst entscheiden, welche Öffnungszeiten in den Kitas und Horten möglich sind. 

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Für den Brückentag am 22. Mai, dem Freitag nach Christi Himmelfahrt, hat der Eigenbetrieb Kindertageseinrichtungen für die kommunalen Kitas und Horte einen außerordentlichen Schließtag angeordnet. Das absehbar zur Verfügung stehende Personal reiche laut interner Planungen nicht aus, um die Betreuung aller Kinder in den festgelegten Gruppen absichern zu können. Bibas: "Den Kitas und Horten ist absolut bewusst, dass die eingeschränkten Öffnungszeiten Familien und Arbeitgeber vor immense Herausforderungen stellen. Die Einrichtungen werden deshalb immer mit Augenmaß entscheiden."

Die städtischen Kindertageseinrichtungen wurden alle mit Schutzmasken und Desinfektionsmitteln ausgestattet, so die Stadt. Eine besondere Herausforderung sei aber die vom Land vorgegebene Betreuung in festen Gruppen und Räumen mit fest zugeordnetem pädagogischen Personal. Einerseits sind, wie Bibas betont, viele Kitas rein baulich auf offene und teiloffene Betreuungskonzepte ausgerichtet. Andererseits sei eine solche Betreuung sehr personalintensiv. Vor allem deshalb, weil gruppenübergreifende Früh- und Spätdienste nicht erlaubt sind. 

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Den Eltern sollen laut Stadt keine finanziellen Nachteile aus den Einschränkungen entstehen. Sie können ihre vertraglich geregelten Betreuungszeiten reduzieren und demnach weniger zahlen.

"Regeln im Alltag teilweise nicht umsetzbar"

Kritik an den Regelungen in den Kitas kommt von den Dresdner Johannitern. "Die Regeln des Kultusministeriums sind im Alltag teilweise nicht umsetzbar. Unter anderem müssen Gruppengrößen, die Regeln für die Übergabe der Kinder und die Betreuungszeiten auf den Prüfstand", so Sprecher Danilo Schulz.

Ein Problem: Die Gruppen dürfen nicht gemischt werden. Erzieher sind fest an eine Gruppe gebunden. "Dennoch soll diese eine Erzieherin alle Kinder an der Gebäudetür in Empfang nehmen, weil die Eltern die Einrichtung nicht betreten dürfen. Aber was wird dann aus den Kindern, die bereits im Gruppenraum sind?", fragen die Johanniter, die unter anderem Kitas und Altenheime betreiben.  

"Voller Sorge sehen wir den Augenblick, wenn die Kinder an die Fachkraft übergeben werden. Nach neun Wochen zu Hause brauchen sie hier besonderes Fingerspitzengefühl. Die Vorgaben vom Freistaat sind da aus unserer Sicht nicht sensibel genug", so Anja Hadler, zuständige Fachbereichsleiterin Kinder- und Jugendarbeit im Johanniter Landesverband Sachsen. Die Johanniter regen Veränderungen in der Gruppenstruktur an, sie müsse vergrößert werden. Dies lässt sich durch die Trennung in Krippen- und Kindergartenbereich umsetzen. 

Außerdem regen die Johanniter an, dass Eltern die Einrichtungen betreten können, um ihre Kinder zu bringen oder abzuholen –  unter Einhaltung der Hygieneregeln mit Mundschutz und Abstand zu allen anderen. So lassen sich unnötige psychische Belastung bei Kind, Erziehern und Eltern minimieren.

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