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Ski-Weltcup in Dresden: "Das war das Sahnehäubchen"

Tag zwei des City-Sprints am Elbufer ist ein einziges Strahlen. Die Bilanz des Rennleiters fällt euphorisch aus. Er denkt an die Kinder und lobt den Mehrwert.

Und los geht's. Das Team-Sprint-Finale der Männer - erwartungsgemäß ohne deutsche Beteiligung.
Und los geht's. Das Team-Sprint-Finale der Männer - erwartungsgemäß ohne deutsche Beteiligung. © dpa

Der große Franzose hat Wort gehalten, und nicht nur er. Direkt nach seinem eindrucksvollen Sieg am Samstag im Einzel beim Ski-Weltcup in Dresden kündigte Lucas Chanavat seinen nächsten Erfolg am Elbufer an: den Sieg auch im Team-Sprint am Sonntag. Und so kam es dann auch. Mit seinem Mannschaftskollegen Renaud Jay setzte sich der 25-Jährige in einem spannenden Rennen knapp vor Schweden und Russland durch.

Recht behalten sollte aber auch Rennleiter Georg Zipfel. Am Donnerstag bei der Streckenpräparation sagte er einen Weltcup mit höchster Qualität voraus, trotz Dauerregens und Temperaturen mit fast zweistelligen Plusgraden. Doch der 66-Jährige hatte Vertrauen in seine Fähigkeiten, zu den vielen Helfern - und auch in die Wetterprognose. Bei Sonnenschein und Temperaturen nahe des Gefrierpunktes verfolgte Zipfel die Siegerehrung. "Ich bin extrem zufrieden", sagte er. "Die Strecke hat gehalten, und dank kleiner Tricks und Kniffe hatten wir total weißen Schnee. Schon der Samstag war fantastisch, der Sonntag aber das Sahnehäubchen."

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So ähnlich formulierte das kurz zuvor auch Linn Svahn. Die Schwedin machte es wie der Franzose Chanavat und gewann nach dem Einzel auch den Team-Sprint, zusammen mit der Vortagesdritten Maja Dahlqvist. 0,09 Sekunden, nicht mehr also als eine Skispitze, lag das Duo vor der Schweiz nach insgesamt zwölf Runden auf dem 650 Meter langen Rundkurs zwischen Augustus- und Carolabrücke, die von den zwei Athleten eines Teams abwechselnd zu absolvieren waren. 

Bei den Männern war die Sache klarer. Chanavat war an diesem Wochenende in Dresden auf der Zielgeraden einfach unschlagbar. „Ich bin zum dritten Mal hier, und es ist wie immer eine tolle Atmosphäre. Die Strecke war etwas anders als in den letzten Jahren, hat das Rennen aber noch besser gemacht", sagte Chanavat. Schon beim Einzel war er immer der Schnellste: in der Qualifikation, dem Viertel- und Halbfinale sowie im Endlauf.

Auf den Heimvorteil setzten die deutschen Skilangläuferinnen - und hatten Erfolg. Mit dem Erreichen des Finals erzielten  Anne Winkler aus Sayda und die Oberstdorferin Sofie Krehl jedenfalls schon eine kleine Überraschung - und durften sogar von mehr träumen. Aber nur kurz: Als im Finale der Frauen richtig schnell wurde, waren sie doch chancenlos - und am Ende unter den zehn Finalisten auf Platz acht. "Das war zum Schluss brutal schnell. Aber ich denke, wir haben uns gut verkauft und können zufrieden sein", sagte Winkler. 

Bei den Männern bestätigte sich der Eindruck von den Einzelrennen, als alle fünf deutschen Starter bereits in der Qualifikation scheiterten. Auch im Team-Sprint waren sie chancenlos. "Was wir im Männerbereich erleben, ist absolut unzufriedenstellend. Das gefällt uns allen nicht", sagte Bundestrainer Peter Schlickenrieder. 

Mit Blick auf die Frauen relativierte er das, nachdem es vier der sechs Athletinnen zumindest bis ins Viertelfinale schafften. "Da sind wir sehr positiv gestimmt. Das ganze Damen-Team hat sich gut verkauft", meinte der frühere Weltklasse-Athlet, ehe er sich am Abend aus Dresden verabschiedete und auf den Weg ins bayerische Hirschau machte - zum Deutschlandpokal mit den besten Nachwuchsläufern.

©  Christian Juppe

Nadine Herrmann dagegen, die am Samstag die schnellste Zeit aller deutschen Starterinnen lief, hat noch lange nicht genug. Als Titelgesicht dieses Weltcups, zu sehen unter anderem auf Plakaten und dem Programmheft, steht die 24-Jährige zudem besonders im Fokus. "Ein tolles Event. Wenn man mich fragt, die bisher beste Auflage des Sprint-Weltcups in Dresden mit der bisher besten Streckenführung.  Meine Motivation für den zweiten Teil am Sonntag ist hoch", sagte die Schwester von Biathlon-Weltmeisterin Denise Herrmann, die am Samstagabend unweit des Weltcup-Geländes im Dresdner Kongresszentrum zu Sachsens Sportlerin des Jahres 2019 gekürt wurde.

Für die erhoffte Endlauf-Teilnahme reichte es jedoch nicht. Als Halbfinal-Siebente verpasste Herrmann zusammen mit Alexandra Danner knapp das Finale der besten zehn Teams.

Sie ist das Gesicht des Ski-Weltcups in Dresden: Nadine Herrmann, zu sehen auf Plakaten und dem Programmheft.
Sie ist das Gesicht des Ski-Weltcups in Dresden: Nadine Herrmann, zu sehen auf Plakaten und dem Programmheft. © SZ/Archiv

Direkt nach den Team-Sprint sorgten die paralympischen Athleten im Sitzski für ein Novum. Zum ersten Mal überhaupt waren sie Teil eines Ski-Weltcups des Weltverbandes Fis. Rund 100 Athleten hatten sich für den "Altenberg & Dresden 2020 World Para Nordic Skiing World Cup" angemeldet, der am Montag in Altenberg fortgesetzt wird.

"Wir sind davon überzeugt, dass Spitzensportler - mit oder ohne Handicap - die vor Dresdens einmaliger Silhouette um Punkte und Siege kämpfen, eine wichtige Botschaft in die Welt senden. Sie steht für die Stärken der Stadt, wie sie die Mehrheit der Einwohner lebt: innovativ, Sport begeistert und weltoffen", sagte Klaus-Dieter Schaser, Ärztlicher Direktor der Orthopädie und Unfallchirurgie des Uniklinikums Dresden, im Vorfeld dem MDR. Sein Ärzte-Team wiederum kümmerte sich um die medizinische Betreuung während des Weltcups.

Impressionen vom Elbufer:

Noch vor der offiziellen Bilanz durch die Organisatoren zog schließlich Rennleiter Zipfel sein Fazit. "Mir hat es in Dresden wieder großen Spaß gemacht, vielen Dank an alle, die mitgeholfen. Und was mich besonders freut: die vielen Zuschauer. Überall haben sie gestanden, auf der Tribüne, an der Strecke und auf der Brücke. Das wünsche ich mir. Dass die Leute hautnah dabei sind, unseren Sport erleben und cool finden, was wir machen. Und dass die Kinder Lust bekommen, sich zu bewegen", sagte Zipfel, der am Mittwoch schon seinen nächsten Einsatz hat bei den Olympischen Jugendspielen in Lausanne.

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Doch auch in Dresden geht es weiter. Die Weltcup-Strecke wird ab Montag intensiv genutzt. Zunächst absolvieren Schüler der Klassenstufen 1 bis 3 ihren Sportunterricht auf Schnee, angeleitet vom Olympia-Medaillengewinner Tobias Angerer. Am Donnerstag findet ein Firmenlauf statt, und am nächsten Wochenende wird der internationale Sachsencup ausgetragen. "Das macht einen City-Sprint aus. Wenn Behörden, Einwohner und Veranstalter den Mehrwert sehen, den Schnee, der einmal da ist, auch weiter zu nutzen. Das ist in Dresden wirklich vorbildlich", meinte Zipfel - und kündigte seine Rückkehr noch in diesem Jahr an, zur vierten Auflage des Ski-Weltcups am Elbufer am 19. und 20. Dezember. "Wenn man mich dann wieder hier haben möchte..."

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