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Freiberger Recycler finden Rohstoffe in Solaranlagen

Da steckt Silizium drin und auch etwas Silber: So nutzt Luxchemtech in Freiberg Produktionsreste aus Norwegen und Frankreich.

Kann man daraus noch etwas machen? Ausgediente Solarmodule aus runden und eckigen Zellen hängen zur Anschauung im Freiberger Recycling-Betrieb Luxchemtech.
Kann man daraus noch etwas machen? Ausgediente Solarmodule aus runden und eckigen Zellen hängen zur Anschauung im Freiberger Recycling-Betrieb Luxchemtech. © Georg Moeritz

Freiberg. Chemiker wie Wolfram Palitzsch brauchen nicht mal eine Brille, um die Welt mit besonderen Augen zu sehen: Für den Freiberger Palitzsch besteht alles aus Molekülen und Atomen. Ihm ist nicht wichtig, „ob etwas Erz ist oder Abfall“.

Im Besprechungsraum „Nairobi“ seines Unternehmens hat der Geschäftsführer ausgediente Solarmodule aufgehängt, eines davon mit runden Scheiben der Marke Belgosolar. Die Antiquität erinnert an eine Butzenscheibe. Doch der Inhalt lässt sich nutzen.

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Unser Datenschatz, zukunftssicher gemacht
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Das Verwahren, Strukturieren und Transparent machen von Forschungsergebnissen auf nationaler Ebene ist ein Mammutprojekt – bei dem die TU Dresden ganz vorn mit dabei ist.

Mit seinem Studienfreund Ingo Röver führt Palitzsch die Geschäfte des Unternehmens Luxchemtech GmbH mit 17 Beschäftigten. Die beiden Chemiker haben Anlagen des ehemaligen Solaranlagen-Herstellers Solarworld sowie von Loser Chemie übernommen. Sie wollen künftig verstärkt für den neuen Nachbarn Meyer Burger arbeiten, der gleich in der Nachbarschaft wieder Fotovoltaikmodule in großem Stil produziert.

Ihr wichtigstes Produkt: Silizium, wiedergewonnen aus Produktionsabfällen. „Das Silber ist alle“, sagt Wolfram Palitzsch trocken über die Vergangenheit der Bergbaustadt Freiberg. Doch mit Recycling lassen sich auch heute Rohstoffe gewinnen.

Chemiker sprechen von Recycling 4.0

In den Industriegebieten am Rande der Stadt beschäftigen sich mehrere Betriebe damit. Bei schlechtem Wetter sehen manche aus, als würde vor ihren Kulissen bald der nächste Olsenbanden-Krimi gedreht. Das Unternehmen Pyral gewinnt Aluminium aus Abfällen, Befesa Zink beschäftigt sich mit zinkhaltigen Lieferungen aus Galvanik-Industrie, Gießereien, Elektrostahlwerken und Abwasserbehandlungsanlagen.

Anfang September hat das Helmholtz-Institut Freiberg für Ressourcentechnologie zu seinem zehnten Geburtstag ein neues Metallurgie-Technikum eröffnet. Das Ziel der Forscher: Flexible Anlagenkonzepte in der Versuchshalle sollen erstmals Metalle auch aus Schlacken und Flugaschen zurückgewinnen.

Die Chemiker Palitzsch und Röver betonen, für sie bedeute Recycling 4.0 nicht sortieren und schreddern, sondern Rückbau. Ausgediente Fotovoltaikmodule seien klassischer Abfall, aber schon bei der Produktion fielen nutzbare Stoffe an.

Die Luxchemtech-Geschäftsführer Wolfram Palitzsch (von links) und Ingo Röver zeigen ihre Recycling-Anlagen in Freiberg dem sächsischen Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD).
Die Luxchemtech-Geschäftsführer Wolfram Palitzsch (von links) und Ingo Röver zeigen ihre Recycling-Anlagen in Freiberg dem sächsischen Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD). © Ronald Bonß

Corona hat Lieferungen zunächst gebremst

Kernpunkt der Arbeit von Luxchemtech ist derzeit das Recycling von Produktionsabfällen aus kristallinem Silizium, angeliefert aus Frankreich, Norwegen und Deutschland. Voriges Jahr bremste Corona die Lieferkette. Mit dem Umsatz von anderthalb Millionen Euro ist Palitzsch nicht zufrieden, „wir rechnen mit dem Doppelten.“ Erst einmal habe er Investitionsmittel verwendet, damit der Betrieb überlebte.

Die Schmelzanlagen in Freiberg, ehemals für Solarworld in Betrieb, können Blöcke von 20 Kilo bis fast eine Tonne Gewicht formen. Außerdem im Maschinenpark der Freiberger: die Siebkugelmühle und der Einschwingen-Backenbrecher. Ein Schild warnt beim Hallenrundgang: „Vorsicht, ätzende Stoffe!“

Glasplatten aus Solaranlagen komplett erhalten

Etwas Silber ist immer noch dabei, wenn Fotovoltaikmodule zerlegt werden. Scherzhaft sprechen die Recycling-Experten sogar von „Goldwäsche“, wenn sie aus Elektronikmaterial Verbindungen wie Galliumarsenid herausholen. Doch sie finden es gut für die Umwelt, wenn sie Glasplatten aus Solaranlagen per Wasserstrahlverfahren wieder als hochwertiges Flachglas in den Produktionsprozess bringen können.

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In einem Jahr soll die zweite Betriebsstätte in Tangermünde in Sachsen-Anhalt die Arbeit aufnehmen, mit drei Beschäftigten. Das Werk dort, auf dem Dach bestückt mit Solaranlagen, soll in großem Stil Fotovoltaikmodule zerlegen. Ein Glaswerk und ein Glasfaserwerk seien in der Nähe, betont Palitzsch. Das Material müsse nicht über weite Strecken gefahren werden. Die Wiederverwertung sei weltweit einmalig: „Das hier ist kein Recycling von der Stange.“

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