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"Es wird so etwas wie einen Kalten Krieg geben"

Matthias Platzeck, Chef des Deutsch-Russischen Forums, spricht im Podcast über persönliche Enttäuschungen und die Folgen des Angriffs auf die Ukraine.

Von Fabian Deicke & Tobias Wolf & Annette Binninger
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Matthias Platzeck (SPD), Vorsitzender des Deutsch-Russischen Forums und ehemaliger Ministerpräsident Brandenburgs, ist zu Gast im Podcast "Politik in Sachsen".
Matthias Platzeck (SPD), Vorsitzender des Deutsch-Russischen Forums und ehemaliger Ministerpräsident Brandenburgs, ist zu Gast im Podcast "Politik in Sachsen". © [M] Kay Nietfeld/dpa/Sächsische.de

Dresden. Der frühere brandenburgische Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) hat nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine seine Sicht auf Russland korrigiert. "Ich habe mich getäuscht, weil ich das, was jetzt passiert ist, bis vor kurzem noch für undenkbar gehalten habe", sagt Platzeck im Podcast "Politik in Sachsen" bei Sächsische.de.

Dass ein russischer Präsident im 21. Jahrhundert so weit gehe, Panzer zu schicken und mit "Raketen das Nachbarland anzugreifen, das war außerhalb meiner Vorstellungswelt". Er spüre bei sich und Mitstreitern eine gewisse Sinnlosigkeit von vielen Lebensjahren.

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Der 68-Jährige ist seit 2014 Chef des Deutsch-Russischen Forums. Er gilt als einer der profiliertesten Russland-Kenner und hatte stets für eine stärkere Wahrnehmung russischer Interessen geworben.

Dem Westen warf er Ignoranz und Arroganz gegenüber dem Land vor. Er kritisierte die Nato-Ausdehnung nach Osten ebenso aus wie Sanktionen gegen Russland, die der Westen infolge der völkerrechtswidrigen Annexion der Krim verhängt hatte. Deshalb galt Platzeck teilweise als zu Russland-freundlich.

Durch den Einmarsch in die von Putin selbst als "Bruderland" bezeichnete Ukraine, befürchtet Platzeck nun einen nachhaltigen Schaden für die Friedenspolitik der vergangenen 30 Jahre.

"Putin hat Scholz und Macron ins Gesicht gelogen"

"Durch diesen Überfall könnten wir in eine neue Eiszeit geraten." Es werde so etwas wie einen Kalten Krieg geben. Platzeck rechnet schlimmstenfalls mit einem erneuten Rüstungswettlauf und einer "Rückkehr in dunkelste Kapitel des letzten Jahrhunderts", sagt er im Podcast-Gespräch.

Er habe nach Putins Anerkennung "dieser skurrilen Republiken" Donezk und Luhansk am Montag gehofft, dass noch "ein Rest Vernunft da ist", dass diese "dicke rote Linie" nicht von Putin überschritten werde. Vergeblich. "Wir werden in so eine Zeit wie die 50er- oder 60er-Jahre geraten, wo es ganz wenig Austausch, ganz wenig Kontakte, ganz wenige Brücken und Möglichkeiten gegeben hat und sehr, sehr viel Misstrauen."

Gleichzeitig betont Platzeck, dass er Russland nie als demokratischen Staat angesehen oder bezeichnet habe. "Mir war immer klar, dass wir es mit einem autokratischen System zu tun haben. Das haben wir ja auch gespürt, weil unsere Partner in ihrer Arbeit eingeschränkt oder deren Arbeit teilweise verboten wurde."

An eine schnelle Lösung des aktuellen Konflikts glaubt Platzeck nicht. "Wie will man auf einen Präsidenten wie Putin zugehen", fragt Platzeck offen und ergänzt: "Wenn er offenkundig - und das kann man nicht anders deuten - sowohl Emmanuel Macron als auch Olaf Scholz einfach ins Gesicht gelogen hat." Die beiden Staatschefs hatten Anfang Februar nacheinander Putin besucht. "Der Angriff ist nicht an einem Tag zu organisieren, das war also schon längst der Plan", so Platzeck.

Verhältnis zu Russland um eine Epoche zurückgeworfen

Putins Krieg werde auch das deutsch-russische Verhältnis auf Jahre, vielleicht um eine ganze Epoche zurückwerfen. Hoffnung schöpft der SPD-Politiker daraus, dass auch auf Russland nun "harte Zeiten" zukämen und dadurch ein Prozess in Gang komme. "Ein Prozess, der am Ende dann nicht mehr mit Putin an der Spitze versehen ist."

Für Matthias Platzeck ist der Angriff auf die Ukraine die wohl bitterste Erkenntnis seines Politikerlebens. Ob er sich weiter als Chef des Deutsch-Russischen Forums für das Verhältnis der beiden einsetzen könne, ist unklar.

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"Ich muss erst wieder auch eine Mitte finden und ins Schlafen kommen", sagt Platzeck. Es könne nie falsch sein, sich darum zu bemühen, Wege zu einem anderen Volk zu finden. Aber im Moment falle es schwer, "diese Motivation zu erzeugen, auch in einem selber".

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