Radebeul
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Neue Boulderhalle entsteht zwischen Coswig und Radebeul

Im Mega-Drome gibt es bald nicht nur Bier und Fitness, sondern auch Boulderwände. Ein erfahrenes Berliner Paar baut die Kletterhalle in der Ex-Großraumdisko auf.

Von Martin Skurt
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Fabian Ludwig und Leonie Gildein bauen gemeinsam eine Boulderhalle im Radebeuler Mega-Drome.
Fabian Ludwig und Leonie Gildein bauen gemeinsam eine Boulderhalle im Radebeuler Mega-Drome. © Arvid Müller

Radebeul/Coswig. Wo früher Bässe wummerten, kehrt nun wieder neues Leben ein. Zwar wird es keine nächtelangen Partys mehr im Mega-Drome geben – die Zeiten sind vorbei –, dafür können jedoch bald Jung und Alt in der 2.000 Quadratmeter großen Halle klettern gehen. Ein Berliner Unternehmerpaar zwischen 34 und 37 Jahren pachtet die alte Großraumdisko und wollen ihre Boulderhalle Ende des Jahres eröffnen. So lautet zumindest der aktuelle Plan von Fabian Ludwig und Leonie Gildein, beide Geschäftsführer der neu gegründeten Radebeuler Gesellschaft Boulderdrome. Doch bis dahin müssen beide noch ordentlich anpacken.

"Ab der kommenden Woche stehen alle Kletterwände", sagt Fabian Ludwig. In den letzten Tagen sind drei Lkws gekommen, beladen mit Schaumstoffmatratzen, um die Stürze der Kletterinnen und Kletterer in der Halle sicher abzufangen. Und das ist absolut notwendig. Denn im Dezember sollen Menschen im Mega-Drome bouldern können. Bouldern, das ist Klettern ohne Sicherheitsseil und -gurt. Das Ziel ist dabei, eine Wand mit etwa 4,50 Meter an den künstlichen "Bouldern", zu Deutsch Felsblöcken, hochzuklettern. Als Hilfe ist dafür nur die eigene Muskelkraft erlaubt. Dafür braucht es Übung.

Bouldern lebt von Kraft und dem Miteinander

Interessanterweise sind Fabian Ludwig und Leonie Gildein durch einen Urlaub im vergangenen Jahr auf das Mega-Drome aufmerksam geworden. Ihre Tochter hat zufällig mit den Enkeln des aktuellen Eigentümers gespielt. Wenige Wochen später besuchten sie Coswig, um sich die Halle näher anzuschauen. Beide waren sofort Feuer und Flamme. "So eine Architektur findet man sonst nicht, sie ist sehr eigen und charaktervoll. Wir wollen das Mega-Drome wiederbeleben und weiterentwickeln", sagt Ludwig. Seitdem haben Ludwig und Gildein fast eine Million Euro investiert.

Davor hat das Paar zwei Boulderhallen in Berlin erfolgreich eröffnet und später an die Boulder-Kette Urban Apes verkauft. In einer von beiden ist Leonie Gildein weiterhin Geschäftsführerin. Beide besitzen also ausreichend Erfahrung, eine Boulderhalle zu führen. Zudem sei die Lage zwischen Coswig und Radebeul perfekt, meint Fabian Ludwig. "Die Menschen der Region sind äußerst sportbegeistert."

So sah es Anfang Oktober in der Halle aus. Gemeinsam mit einem Architekten haben Fabian Ludwig und Leonie Gildein die Halle entworfen. Die Boulderhalle wird nicht komplett neu gestaltet, sondern in die alte Architektur integriert. So bleiben das Messing u
So sah es Anfang Oktober in der Halle aus. Gemeinsam mit einem Architekten haben Fabian Ludwig und Leonie Gildein die Halle entworfen. Die Boulderhalle wird nicht komplett neu gestaltet, sondern in die alte Architektur integriert. So bleiben das Messing u © Arvid Müller

Aber die Boulderhalle ist nicht nur für Kletterverrückte gedacht. "Wir wollen alle ansprechen", sagt der Geschäftsführer. Strecken sind an Anfänger und Experten angepasst. "Man muss bei uns nicht superfit sein. Wir gestalten die Wände bewusst einsteigerfreundlich." So können sich auch Besucherinnen und Besucher ausprobieren, die bislang eher wenig Berührung mit Sport hatten.

Fabian Ludwigs Wunsch sei es außerdem, dass die Menschen, statt Badminton zu spielen, eben bouldern. "Das geht wunderbar gemeinsam und auch am Feierabend." Zudem lebe diese natürliche Kletterform ohne Seil vom gegenseitigen Austausch. Wenn jemand klettert, können andere ihm oder ihr bei Hürden von unten helfen und eine neue Sicht auf die Kunststofffelsbrocken geben.

Bouldern trendet in Deutschland

Die soziale Komponente als auch das Krafttraining an der Wand sind offensichtlich für viele anziehend, sodass es seit Jahren einen Bouldertrend in Deutschland gibt. Mehr als 300.000 Boulderinnen und Boulder sind aktiv dabei, laut Zahlen des Deutschen Alpenvereins (DAV). Im Vergleich: Etwa doppelt so viele Menschen klettern mit Seil in Hallen, 1990 waren es nur etwa 70.000. Im Jahr 2021 gab es etwa 535 Boulder- und Kletteranlagen, 1990 waren es nur 20 mit einer Kletterfläche von mehr als 100 Quadratmetern.

Auf diesen Trend will Fabian Ludwig mit Boulderdrome aufspringen. Er wünscht sich täglich 100 Besucherinnen und Besucher, "sonst ist die Boulderhalle nicht wirtschaftlich". Sie habe jedoch Platz für knapp 200 Personen gleichzeitig. Daneben bietet die Halle auch einen großen Kinderbereich mit Rutsche zu einer anderen Etage, Gastronomie und Platz für Kindergeburtstage. Die Kletterwände eignen sich für Kinder ab sechs Jahren. Dazu bewirtet noch ein weiteres Café neben dem Kinder- und Familienbereich auch die anderen Gäste.

Ab Frühjahr soll zusätzlich der Außenbereich mit Biergarten und Gastronomie entwickelt werden. Das müsse die Stadt Radebeul allerdings erst genehmigen. Aber wenn der Boulder-Trend an der Grenze zwischen Radebeul und Coswig ankommt, könnte sein Ziel in Erfüllung gehen. Bis dahin muss nur der Estrich mit Fußbodenheizung im Erdgeschoss trocknen, damit Fließen verlegt werden können. Das dauert reichlich einen Monat.