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Dresdner Eiskunstläuferin tritt mit 21 Jahren zurück

Lea Johanna Dastich galt als größtes deutsches Talent, startete bei der EM. Doch zuletzt hatte sie Probleme, bei der ihr auch der Arzt der Stars nicht helfen konnte.

Von Alexander Hiller
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Ihren letzten Wettkampf bestritt Lea Johanna Dastich vor drei Jahren.
Ihren letzten Wettkampf bestritt Lea Johanna Dastich vor drei Jahren. © dpa/Fabian Sommer

Dresden. In diesem Alter starten andere Leistungssportler erst durch. Eiskunstläuferin Lea Johanna Dastich beendet hingegen mit 21 Jahren ihre Karriere. Ihr Körper zwang sie dazu. Die junge Athletin vom Eislauf-Verein Dresden galt lange als die talentierteste deutsche Einzelläuferin. Bei zwei Junioren-Weltmeisterschaften hatte sie mit den Rängen acht und zehn Platzierungen erreicht, wie lange keine Läuferin hierzulande – und damit ihr außergewöhnliches Potenzial angedeutet. Doch der Sprung in den Frauenbereich verlief nicht so reibungslos wie erhofft, er wurde immer wieder von Verletzungen begleitet. Ein 16. Platz bei der EM 2018 bei ihrer ersten und einzigen EM-Teilnahme wurde ihr wertvollstes internationales Ergebnis.

Eine hartnäckige Verletzung sorgte nun für das sich abzeichnende Ende der noch jungen Karriere. Nach dem EM-Start vor vier Jahren plagten Dastich Schmerzen am rechten Fuß, deren Ursache zunächst fälschlicherweise als Entzündung diagnostiziert worden war. Mithilfe des prominenten Sportlerarztes Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt, der die deutsche Fußball-Nationalmannschaft, den FC Bayern München und viele Superstars betreut hat, wurde zumindest die Diagnose spezifiziert: Eine Blockade, die sich immer wieder entzündete.

Trotz Behandlungen durch Physiotherapeuten und Osteopathen schlichen sich die Probleme immer wieder ein. Alle Comebackversuche scheiterten. „Wahrscheinlich haben wir aufgrund der ersten Diagnose zu lange falsch ge- und behandelt. Der Fuß hat ihr das leider übel genommen und meldet sich immer mal“, sagte ihre Trainerin Anett Pötzsch vor dem erneut gescheiterten Comeback beim Zwingerpokal im Oktober in Dresden.

Die erste EM-Teilnahme blieb der größte Erfolg von Lea Johanna Dastich an der Seite ihrer berühmten Trainer Anett Pötzsch
Die erste EM-Teilnahme blieb der größte Erfolg von Lea Johanna Dastich an der Seite ihrer berühmten Trainer Anett Pötzsch © Shutterstock

Dastich gab sich trotz der vielen Rückschläge nie auf. „Meine dunklen Tage haben mich stark gemacht. Oder vielleicht war ich schon stark, und sie zwangen mich, es zu beweisen“, postete die Athletin unter einem Foto, das sie als Eiskunstläuferin zeigt. Dieser Eintrag auf ihrem Instagram-Account ist 17 Wochen alt. Seither ist in dem Leben der Medizinstudentin einiges passiert. Zu Weihnachten grüßte dann Pötzsch via Kurznachricht – versehen mit dem kurzen Satz: „Lea hat ihre Laufbahn beendet.“

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Die Deutsche Eislauf-Union (DEU) hat auf ihrer Internetplattform vom Rücktritt allerdings noch nichts berichtet. In der aktuellen Bundeskaderliste für die Saison 2021/22 wird Lea Johanna weiter als sogenannter Ergänzungskader geführt. Die Meisterschaften Anfang Dezember hatte sie absagen müssen. Dabei machte Dastichs Arzt Müller-Wohlfahrt weiterhin Hoffungen auf eine komplette Heilung. Allerdings bestritt die gebürtige Dresdnerin seit nunmehr drei Jahren keinen vollständigen Wettkampf mehr.

„Für ein ,irgendwie weiter‘ sind wir nicht die Typen. Wenn man dann noch überlegt, wo sie schon einmal stand“, hatte Pötzsch, Olympiasiegerin von 1980, bereits im Oktober unterstrichen. Der Weg in die Weltspitze wäre noch ein weiter gewesen.

Die wird derzeit von extremen Leichtgewichten und Teenagern angeführt. Die Russin Anna Schtscherbakowa (17 Jahre und 1,57 Meter groß) gewann den letzten WM-Titel vor ihren Landsfrauen Jelisaweta Tuktamyschewa (25/1,57 m) und Alexandra Trussowa (17/1,55 m). Lea Johanna Dastich überragt dieses Trio mit ihren 1,75 Metern um einen Kopf – und hatte es vor allem bei den Sprüngen schwerer.

Darauf kommt es nun nicht mehr an, jetzt bleibt ihr mehr Zeit für die zweite Karriere im medizinischen Bereich. 2019 war sie als Eliteschülerin des Jahres am Mannheimer Ludwig-Frank-Gymnasium geehrt worden. Dorthin war sie 2017 ihrer Trainerin gefolgt.