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Welche Folgen die 2G-Regel für Sachsens Profivereine hat

Weniger Zuschauer, weniger Einnahmen – die Klubs befürchten, dass sie nun Verluste machen. Freiwillig komplett auf Fans verzichten will jedoch niemand.

Von Daniel Klein & Michaela Widder
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So leer wie auf diesem Foto aus dem Frühjahr ist die Margon-Arena bei den Heimspielen des Dresdner SC derzeit zwar nicht. Sie ist aber auch nur zu einem Drittel gefüllt.
So leer wie auf diesem Foto aus dem Frühjahr ist die Margon-Arena bei den Heimspielen des Dresdner SC derzeit zwar nicht. Sie ist aber auch nur zu einem Drittel gefüllt. © Matthias Rietschel

Dresden. Bis zuletzt hatten sich die Profivereine gegen 2G gewehrt. Erfolglos. Selbst die Initiative Teamsport Sachsen, in der 23 Klubs zusammengeschlossenen sind, konnte nicht verhindern, dass seit vergangener Woche nur noch Zuschauer zu den Spielen kommen dürfen, die geimpft oder genesen sind. Welche Folgen hat das und wie gehen die Vereine damit um?

Dynamo Dresden erlebt am kommenden Sonntag beim Heimspiel gegen Fortuna Düsseldorf die 2G-Premiere. Auf seiner Internetseite erläutert der Fußball-Zweitligist ausführlich, warum er sich den Vorschriften der Landesregierung beugt – wenn auch nur zähneknirschend. „Wir können festhalten, dass es mit dem von uns ausgearbeiteten und umgesetzten Hygienekonzept in unseren bisherigen acht Heimspielen in dieser Saison keinen bekannten Corona-Fall im Rudolf-Harbig-Stadion gegeben hat,“ betont Geschäftsführer Jürgen Wehlend. Die Betonung könnte dabei auf „bekannten“ liegen, denn bei wem und welcher Gelegenheit sich Infizierte angesteckt haben, lässt sich in den meisten Fällen nur schwer nachvollziehen.

Wehlend verweist zudem auf eine „Analyse zur Wiederzulassung von Zuschauern“, die die Deutsche Fußball-Liga (DFL) kürzlich veröffentlicht hatte. Demnach seien von den insgesamt 2.057.432 Stadionbesuchern der bis Mitte Oktober ausgetragenen 145 Erst- und Zweitligaspiele neun Personen im Nachgang positiv getestet worden. Das entspricht einem Anteil von 0,0035 Prozent. Und das alles unter 3G-Bedingungen.

"Zunehmende Vorsicht bei Zuschauern zu spüren"

Dynamo hat das Hygienekonzept nun angepasst. „Die aktuelle Lage macht 2G offensichtlich unabdingbar“, so Wehlend am Ende der Mitteilung. Das wiederum klingt nach Einsicht ins Unabwendbare. Der Widerstand gegen die Verschärfung der Zulassungsbeschränkungen bei Großveranstaltungen hat vor allem finanzielle Gründe. Bei der niedrigen Impfquote in Sachsen werden viele Fans ausgeschlossen. Damit droht ein Einbruch bei den Zuschauerzahlen. Eine Auslastung ist ohnehin nur zu 50 Prozent möglich. Ob zu Dynamos Duell am Sonntag gegen Düsseldorf 16.000 Fans kommen, ist jedoch unwahrscheinlich. Die Ultras der Schwarz-Gelben haben bereits angekündigt, die Spiele zu boykottieren. Mit der verpflichtenden Einführung von 2G sei „eine rote Linie überschritten“ worden, teilten sie auf ihrer Homepage mit.

Die Volleyball-Frauen des Dresdner SC bestritten am vergangenen Samstag gegen Straubing ihr erstes 2G-Heimspiel. In die 3.000 Zuschauer fassende Margon-Arena kamen 913 Zuschauer, also deutlich weniger als 50 Prozent. „Die maximale Auslastung der Halle liegt laut unserem Hygienekonzept zwar bei 1.400“, erläutert Geschäftsführerin Sandra Zimmermann. „Doch sie ist letztlich abhängig vom Buchungsverhalten, zum Beispiel, ob viele Familien und Gruppen Tickets kaufen oder mehr Einzelpersonen.“

Prinzipiell sei eine zunehmende Vorsicht bei den Zuschauern zu spüren. „Die Beweggründe und Einstellungen sind sehr unterschiedlich, deshalb sind wir da komplett im Blindflug unterwegs“, so Zimmermann, die hofft, dass „trotzdem so viele Zuschauer wie möglich kommen“. Plakate an den Dresdner Straßen werben weiterhin für die Auftritte des deutschen Meisters.

Zu den Heimspielen der Dresdner Eislöwen dürfen weiterhin maximal 2.206 Fans kommen, zuletzt schauten dem Eishockey-Zweitligisten unter 3G im Schnitt 1.500 zu. Ändern würde sich daran auch nichts, wenn Sachsen die Überlastungsstufe erreicht, womit am kommenden Wochenende gerechnet wird. Allerdings könnte die Landesregierung mit der neuen Corona-Schutzverordnung weitere Verschärfungen beschließen.

„Den Verein stabil durch den Winter bringen“

Die Bundesliga-Handballer des SC DHfK Leipzig sind abgesehen vom Fußball der Zuschauerkrösus im Freistaat. Gegen Hannover und Wetzlar, nicht gerade die attraktivsten Gegner, kamen vergangene Woche jeweils rund 2.700 Zuschauer. Dennoch sorgt sich Geschäftsführer Karsten Günther. „Wir versuchen mit unseren Mitgliedern, Fans und Sponsoren gemeinsam Wege zu finden, den Verein stabil durch den Winter zu bringen“, erklärt er.

Das Problem, mit dem alle Profiklubs zu kämpfen haben, ist das Verhältnis zwischen dem organisatorisch-finanziellen Aufwand bei den Heimspielen und den Einnahmen. Ein Gewinn bleibt wohl nur noch selten hängen. Die einzige Alternative, komplett und freiwillig auf Fans zu verzichten, ist jedoch für keinen Verein eine Option. Die Bundesliga-Fußballer von RB Leipzig hatten schon länger auf 2G umgestellt, um ihr Stadion zu 100 Prozent füllen zu können. Auch sie dürfen jetzt nur noch die Hälfte der Tickets verkaufen und prüfen deshalb wohl eine Klage.