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Dynamos Knipping widmet das Tor seiner Mutter

Nach einem Schicksalsschlag zum Ende der vorigen Saison schießt der Kapitän nun sein erstes Tor für Dynamo. Seine emotionale Achterbahnfahrt.

Schon beim 3:0-Heimsieg gegen Ingolstadt gehörte Tim Knipping (r.) zu Dynamos Stützen, beim 1:1 in Hamburg erzielte er das Tor für die Dresdner.
Schon beim 3:0-Heimsieg gegen Ingolstadt gehörte Tim Knipping (r.) zu Dynamos Stützen, beim 1:1 in Hamburg erzielte er das Tor für die Dresdner. ©  dpa/Robert Michael

Dresden. Nach dem Schlusspfiff im Hamburger Volksparkstadion ließ Tim Knipping seinen Emotionen freien Lauf. Der Abwehrspieler von Dynamo Dresden ballte seine Fäuste, schrie seine Erleichterung heraus. Nur wenige Minuten später wirkte der 28-Jährige schon wieder sehr gefasst. "Zum Glück hat mein Schädel geholfen", sagte er nach seinem Ausgleichstor beim 1:1 gegen den HSV fast schon lapidar.

Es war Knippings erstes Tor für die Schwarz-Gelben, das er zugleich seiner Mutter Birgit widmete. "Die hat heute Geburtstag und es sich sehr gewünscht", erklärte er. "Tim wollte vorige Saison schon immer nach einer Ecke mal ein Tor schießen. Dass es jetzt in Hamburg sein erstes Tor macht, ist besonders", meinte Stürmer Christoph Daferner.

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Es ist kein Zufall, dass ausgerechnet Knipping seine Mannschaft zu einem Punktgewinn beim HSV führte. Denn der Innenverteidiger ist ein Vorbild an Einsatz und Leidenschaft. Seit Monaten ist der 28-Jährige Leistungsträger, was auch Teamkollegen und Trainer anerkennen. In Abwesenheit von Sebastian Mai, der nach einem Muskelfaserriss wieder mit der Mannschaft trainieren kann, führt Knipping Dynamo in dieser Saison als Kapitän auf den Platz. "Das ist definitiv eine spezielle Verantwortung. Das ehrt mich sehr", erklärte er.

Therapiehund für einen krebskranken Jungen

Knipping ist ein Musterprofi, der nicht nur während der 90 Minuten auf dem Platz vorangeht. Auch abseits engagiert er sich für Menschen, "die unverschuldet ins Abseits geraten sind." So wie für den 14-jährigen Leon, der zum dritten Mal an Krebs erkrankt ist. Ihn hatte er während der Sommerpause in der Nähe von Chemnitz besucht, hat ihm seine Freundschaft angeboten und Unterstützung versprochen.

Beim Heimsieg gegen Ingolstadt springt Tim Knipping auf Dynamos Jubeltraube.
Beim Heimsieg gegen Ingolstadt springt Tim Knipping auf Dynamos Jubeltraube. ©  dpa/Robert Michael

Denn Leon braucht einen Therapiehund. Dafür hat der Fußballprofi unter anderem eine Auktion ins Leben gerufen, die 2.000 Euro einbrachte. Er ruft zu Spenden auf und möchte den Jungen auch weiterhin unterstützen. "Ich habe der Familie versprochen, dass ich alles in meiner Macht stehende tun werde, um für sie da zu sein. Dass der Junge auf jeden Fall diesen Hund bekommt und wenn ich ihn am Ende selbst bezahlen muss", sagte Knipping. Und er erklärte, warum: "Ich habe auch die eine oder andere Sache in meinem Leben durchmachen müssen. Jetzt vor kurzem erst eine, auf die ich gern verzichtet hätte."

Stiefvater stirbt nach einer Corona-Infektion

Im Mai verstarb sein Stiefvater Michael an den Folgen einer Corona-Erkrankung. Knipping reiste noch am Vorabend des letzten Drittliga-Spiels bei Wehen Wiesbaden zu seiner Mutter, verbrachte anschließend fast die komplette Sommerpause bei ihr. "Er hatte einen unglaublich großen Stellenwert in meinem Leben. Familie bedeutet für mich alles, denn sie ist zusammen mit meinen Freunden mein Leben."

Nach seinem Tor zum 1:1 beim Hamburger SV kniet Tim Knipping (l.) jubelnd auf dem Rasen. Moris Schröter, Yannick Stark und Heinz Heinz Mörschel (v. l.) freuen sich mit dem Kapitän.
Nach seinem Tor zum 1:1 beim Hamburger SV kniet Tim Knipping (l.) jubelnd auf dem Rasen. Moris Schröter, Yannick Stark und Heinz Heinz Mörschel (v. l.) freuen sich mit dem Kapitän. © dpa/Daniel Reinhardt

Auch seine Teamkollegen sind für Knipping so etwas wie Familie geworden. Sein erstes Jahr in Dresden war für den gebürtigen Kasseler ein Neuanfang. Denn nach einer schweren Verletzung drohte ihm 2018 aufgrund einer Blutvergiftung eine Beinamputation.

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Diese Phase machte ihm noch einmal bewusst, in welch privilegierter Situation er sich als Fußballprofi befindet. "Dadurch, dass wir in der Öffentlichkeit stehen, können wir etwas Gutes bewegen", erklärte Knipping. "Die Social Media-Plattformen werden heutzutage viel zu wenig dafür benutzt, kleine schöne Dinge zu tun." Es muss nicht immer etwas Finanzielles sein, "es reicht manchmal schon, wenn man einfach für jemanden da ist und seine Freundschaft anbietet." (dpa)

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