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Güntzbad: Schwimmen, Heilen, Genießen

Das vor 115 Jahren in Dresden erbaute Güntzbad war bei der Eröffnung das größte und modernste Hallenbad der Stadt.

Die Herrenschwimmhalle des Güntzbades um 1910. Der Bau wurde im Krieg beschädigt und 1964 abgerissen.
Die Herrenschwimmhalle des Güntzbades um 1910. Der Bau wurde im Krieg beschädigt und 1964 abgerissen. © Sammlung H. Naumann

Dresden. Seit rund 20 Jahren ist die Schwimmhalle an der Steinstraße in der Pirnaischen Vorstadt geschlossen. Sie war baufällig geworden. Eine neue Halle ist an jener Stelle nicht in Sicht. Dabei war der Standort einst bewusst gewählt, war das Bad doch der Ersatz für das vor 115 Jahren am 2. Januar 1906 an der nahen Carolabrücke eröffnete Güntzbad. Es war damals das größte und modernste Hallenbad Dresdens und architektonisch ein wichtiger Jugendstilbau. Nach der teilweisen Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wurde es allerdings nicht wieder aufgebaut.

Der Entwurf stammte von dem Architekten Edmund Bräter, der sich unter anderem mit der Friedrichstädter und der Neustädter Markthalle sowie dem Krankenhaus Johannstadt einen Namen gemacht hatte. Stadtbaurat Hans Erlwein ließ den fünfgeschossigen Bau zwischen 1903 und 1905 hochziehen. Die Fassade schmückten Ornamente, Detaildarstellungen, Figuren und Balkone. Es gab getrennte Damen- und Herrenschwimmhallen. Das Becken für die Männer maß 25 mal 11 Meter, das für die Frauen war mit 18 mal 9 Metern nicht ganz so groß. Es gab 150 Umkleidekabinen.

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Ein Bad mit Wannen und Hunden

Wie in Volksbädern damals üblich, wurden 50 Wannen für Einwohner aus der Nachbarschaft aufgestellt, denn viele von ihnen hatten in ihren eigenen vier Wänden kein eigenes Wannenbad. Zudem gab es ein irisch-römisches Schwitzbad, einen Erfrischungsraum und sogar ein Bad für Hunde im Keller sowie eine Wäscherei.

Die rund 1,65 Millionen Mark für den Bau hatte die Güntz-Stiftung aufgebracht. Der aus Wurzen stammende Rechtsanwalt Justus Friedrich Güntz war 1836 nach Dresden gekommen, hatte ein Jahr später den 1730 gegründeten "Dresdner Anzeiger" übernommen und war 1839 dessen Herausgeber geworden. Er machte ihn zum Amtsblatt der Stadt. Von 1856 an flossen die Erlöse der Zeitung in die von Güntz gegründete und vom jeweiligen Oberbürgermeister verwaltete Stiftung zugunsten wohltätiger Zwecke und zur Verschönerung der Stadt.

Das Güntzbad stand bei den Dresdnern hoch im Kurs. Trotz des für damalige Verhältnisse hohen Eintrittspreises von 40 Pfennigen für Erwachsene und 30 Pfennigen für Kinder kamen schon im Eröffnungsjahr mehr als 195.000 Badelustige. 1914 waren es rund 372.000 und 1926 sogar 775.000 Besucher. An "Volkstagen" war der Eintritt nur halb so hoch.

Von 1925 bis 1927 wurde das Bad unter Stadtbaurat Paul Wolf erweitert und modernisiert. Die Zahl der Wannen- und Schwitzbäder verdoppelte sich, Heilbehandlungen durch Bestrahlungen, Packungen und Massagen wurden möglich. "Eine universale Badeanstalt, die allen alles bietet, was auf dem Gebiet des Badewesens möglich ist, ist vornehme Pflicht eines großen Gemeinwesens", hieß es in einer Werbeschrift von 1928.

Nach 1945 eine Ruine

Mit dem Aufzug ging es zum Sonnenbaden auf die Dachterrasse, wo sich Liegestühle und Turngeräte befanden und ein Erfrischungsraum für das gastronomische Wohl der Badegäste. Zum Service gehörte die Ausleihe von Badebekleidung und Badetüchern sowie das Reinigen und Bügeln von Kleidung einschließlich Krawatte und Hut. Das Haus verfügte über einen Damen- und Herrenfriseursalon. Das damals neue Medium Rundfunk war über eine zentrale Anlage erlebbar. Besucher konnten in den Ruheräumen bei Musik über Kopfhörer entspannen. Zur Ausstattung gehörten Kunstkeramik, Solnhofener Platten für Fußboden und Wände, Marmor aus Carrara und Plastiken von Georg Wrba.

Das Wasser in den Becken und die Temperatur des Fußbodens betrugen durchschnittlich 22 Grad. Das Wasser wurde umgewälzt, gefiltert und desinfiziert. Die Wasserwerke kontrollierten täglich die chemischen und bakteriologischen Werte. Zur technischen Ausstattung zählten eine Unterwasserbeleuchtung der Schwimmbecken sowie eine elektrische, zentral gesteuerte Uhrenanlage mit sechzig Uhren. Ein siebzehn Meter tiefer Brunnen und eine eigene Stromversorgung sicherten Wirtschaftlichkeit und Unabhängigkeit.

Nach Schluss der öffentlichen Badezeit um 19.30 Uhr standen beide Hallen den Schwimmvereinen bis Mitternacht zur Verfügung. Für Schwimmfeste verfügte das Bad über die erforderlichen, leicht einzubauenden Einrichtungen wie Startbalken, Schiedsrichterturm, Stühle, Galerien und Absperrungen. Trotz der Teilzerstörung 1945 war die Ruine aufbaufähig und war bis 1960 auch zum Wiederaufbau vorgesehen. Dennoch wurde sie 1964 abgerissen.

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