merken
PLUS Dresden

Dresden: Tausende bei Demo gegen Rassismus

Am Sonnabend finden in Dresdens Zentrum zwei Versammlungen statt. Bei der mit Abstand größten wird ein Zeichen gegen Rassismus gesetzt.

In Dresden gingen am Samstag während einer "Silent Demo" zur Erinnerung an den gewaltsamen Tod von George Floyd Tausende auf der Albertstraße entlang.
In Dresden gingen am Samstag während einer "Silent Demo" zur Erinnerung an den gewaltsamen Tod von George Floyd Tausende auf der Albertstraße entlang. © Sebastian Kahnert/dpa

Dresden. Auch an diesem Sonnabend haben Demonstranten die Dresdner Innenstadt im Griff. Dieses Mal sind die Gründe für die Versammlungen nicht ausschließlich Protest gegen die Corona-Regeln.

Die erste Demo richtet sich gegen Rassismus. Auslöser ist der mutmaßliche Mord an dem Schwarzen George Floyd durch einen Polizisten in den USA, der seit Tagen für Entsetzen und massive Proteste sorgt. Ab 14 Uhr versammeln sich linke Gruppierungen auf dem Altmarkt. Dazu haben sie in sozialen Netzen aufgerufen. Unter anderem heißt es, es solle "ein Zeichen gegen Rassismus gesetzt werden, ohne dies für eigene politische Zwecke zu instrumentalisieren".

Anzeige
Der Palais Sommer 2020 kann stattfinden!
Der Palais Sommer 2020 kann stattfinden!

Jetzt die Zukunft des Festivals mit Spenden sichern.

Die Demo wurde demnach von dem Zusammenschluss "Critique 'n' Act" initiiert. Dieser wolle linksradikale Akteure in Dresden "verbindlicher zusammenbringen", heißt es. 

Auf dem Altmarkt versammelten sich dann die  Teilnehmer. Darunter viele junge Dresdner, Schüler und Studenten. Die Veranstalter schätzen die Zahl auf zwischen 3.000 und 4.000 Demonstranten.

Teilnehmer der "Silent Demo" auf dem Dresdner Altmarkt.
Teilnehmer der "Silent Demo" auf dem Dresdner Altmarkt. © Sebastian Kahnert/dpa

Auf Transparenten waren Namen zu lesen, dazu der Hinweis "getötet von deutschen Polizisten". Anmelderin ist Rita Kunert, die auch regelmäßig Demos gegen Pegida organisiert. Es geht gegen Polizeigewalt. Ein Marsch über die Wilsdruffer Straße, vorbei an der Polizeidirektion an der Schießgasse in die Neustadt. Kunert rief dazu auf, dass es friedlich bleibt.

Als der Demo-Zug sich in Gang setzte, musste die Wilsdruffer Straße zeitweise in Richtung Pirnaischer Platz gesperrt werden. Auf dem Weg in die Neustadt gab es weitere Verkehrseinschränkungen. Vor der Polizeidirektion skandierten einige Teilnehmer: "Ganz Dresden hasst die Polizei."

Demoteilnehmer gehen über die Carolabrücke.
Demoteilnehmer gehen über die Carolabrücke. © Sebastian Kahnert/dpa

Zwischendurch wurden innerhalb des Aufmarsches Feuerwerkskörper gezündet. Versammlungsleiterin Rita Kunert sagte per Lautsprecher: "Hört auf damit. Es sind Familien mit Kindern dabei."

Um 15.30 Uhr versammelten sich einige Dutzend Menschen im Großen Garten am Palaisteich. Sie warteten auf das Treffen, das dort seit mehreren Wochen immer sonnabends stattfand und sich unter anderem gegen die Corona-Auflagen richtete. Die Polizei war nicht vor Ort, eine Kundgebung wie zuletzt mit Rednern an einem Mikrofon fand nicht statt. Ein Teil der dort versammelten Menschen zog schließlich weiter zum Neumarkt.

Der Dresdner Henry Mattheß hatte zur "5. Grundrechte-Kundgebung" aufgerufen. Das Motto lautete: "Coronadebatte - Manipulation und Spaltung." Dazu werde es mehrere Redebeiträge und Musik geben, hieß es vorab. Mattheß erwartete bis zu 150 Teilnehmer.

Rund 200 Menschen kamen, um zu hören, was Mattheß und die weiteren Redner zu sagen hatten. Sie forderten mehrfach einen Untersuchungsausschuss, der klären soll, ob die Corona-Einschränkungen nicht doch zu weit gingen. 

Der Veranstalter betonte, dass die Kundgebung eine private Initiative von Dresdnern sei, vorwiegend aus der Gruppe "Demokratischer Widerstand". Diese bezeichnet sich als "kritische Intelligenz" und stützt sich vor allem auf Meinungen, dass die Corona-Maßnahmen übertrieben seien. "Als Veranstalter widerspreche ich jeder parteipolitischen Vereinnahmung sowie Zuordnung", so Mattheß. Zuletzt hatte es Kritik gegeben, weil auffällig viele AfD-Politiker und Pegida-Anhänger bei der Kundgebung auftauchten. Auch an diesem Sonnabend kamen wieder Teilnehmer zur Grundrechte-Demonstration, die montags regelmäßig bei Pegida dabei sind. 

Bei der "Grundrechte-Kundgebung" gab es auch eine "Zeitung gegen die Angst" und viele krude Theorien.
Bei der "Grundrechte-Kundgebung" gab es auch eine "Zeitung gegen die Angst" und viele krude Theorien. © Marion Doering

Weiterführende Artikel

"Wir haben in Dresden ein Problem mit Rassismus"

"Wir haben in Dresden ein Problem mit Rassismus"

Eter Hachmann, Vorstandsvorsitzende des Ausländerrates, über ihre Erfahrungen und was sie sich von den Dresdnern, aber auch von Migranten wünscht.

Seien wir ehrlich beim Thema Rassismus

Seien wir ehrlich beim Thema Rassismus

Seit den US-Unruhen debattiert auch Deutschland wieder über Rassismus. Dabei verharmlosen viele das Thema. Das ist erklärbar, nur hilft es nichts. Ein Leitartikel.

Es ist auch bei uns Zeit für eine Revolution

Es ist auch bei uns Zeit für eine Revolution

Houston Thomas ist Tänzer an der Semperoper in Dresden. Der Amerikaner denkt viel nach über den Tod von George Floyd. Und was sich ändern muss.

Turbulente Debatte um Kretschmer und Corona

Turbulente Debatte um Kretschmer und Corona

Welchen Demonstranten hört der Regierungschef zu, welchen nicht? Der Landtag diskutiert die Frage kontrovers.

USA: Streit um Namen, Statuen und Flaggen

USA: Streit um Namen, Statuen und Flaggen

Den Rassismus bei der Wurzel packen - für viele US-Bürger bedeutet das auch, die Erinnerung an ihre Südstaaten-Vorfahren zu überdenken. Doch wie?

Latenter Rassismus bei der Polizei?

Latenter Rassismus bei der Polizei?

Rassistische Gewalt ist auch in Deutschland ein Problem, wie eine Attacke im Saarland zeigt. Bei der Polizei gebe es das aber eher nicht, meint die Union.

Biden trifft Floyds Familie, Trump die Polizei

Biden trifft Floyds Familie, Trump die Polizei

Die Proteste gegen Rassismus in den USA reißen nicht ab. Inzwischen hat sogar ein prominenter Republikaner demonstriert.

Zehntausende bei Demos gegen Rassismus

Zehntausende bei Demos gegen Rassismus

Der brutale Tod von George Floyd bei einem Polizeieinsatz in den USA bewegt auch Deutschland. Tausende Menschen gehen am Samstag auf die Straße.

Trump bringt sogar Militärs gegen sich auf

Trump bringt sogar Militärs gegen sich auf

Der US-Präsident inszeniert sich gegen die Proteste im Land als Hardliner, anstatt die Gesellschaft zu einen. Nun widersprechen selbst ranghohe Militärs - das ist rar.

Nachrichten und Hintergründe zum Coronavirus bekommen Sie von uns auch per E-Mail. Hier können Sie sich für unseren Newsletter zum Coronavirus anmelden.

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter "Dresden kompakt" und erhalten Sie alle Nachrichten aus der Stadt jeden Abend direkt in Ihr Postfach.

Mehr Nachrichten aus Dresden lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Dresden