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Welche Wohnungen braucht Bautzen? Das sagen die Stadtratskandidaten

In Bautzen stehen zwar etliche Wohnungen leer, trotzdem fehlt es an geeignetem Wohnraum für verschiedene Zielgruppen. So bewerten die Spitzenkandidaten für die Stadtratswahl 2024 die Lage.

Von Tim Ruben Weimer
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Geräumige Ikea-Wohnung? Sanierung von Häusern in der Kurt-Pchalek-Straße? Neubau-Siedlung in Oberkaina? Umbau von Wohnblöcken zu geräumigen Wohnungen? In Bautzen bewegt sich einiges beim Thema Wohnen.
Geräumige Ikea-Wohnung? Sanierung von Häusern in der Kurt-Pchalek-Straße? Neubau-Siedlung in Oberkaina? Umbau von Wohnblöcken zu geräumigen Wohnungen? In Bautzen bewegt sich einiges beim Thema Wohnen. © BWB

Bautzen. Rund 24.000 Wohnungen gibt es im Stadtgebiet Bautzens, von denen laut den aktuellsten Daten der Stadt im Jahr 2022 knapp 3.000 leer standen. Das sind rund zwölf Prozent - Wohnungsnot in Bautzen sieht, zumindest auf dem Papier, anders aus, zumal die Zahl der Haushalte (analog zur Einwohnerzahl) kontinuierlich sinkt.

Wohnungsleerstand wegen Ukrainern gesunken

Probleme ergeben sich dennoch aus zwei Gründen: Aufgrund der Aufnahme ukrainischer Flüchtlinge ist der Wohnungsleerstand bei der Bautzener Wohnungsbaugesellschaft (BWB) inzwischen auf rund 3,5 Prozent gesunken. Für die gesamte Stadt dürfte der Leerstand laut BWB-Chefin Kirsten Schönherr deshalb inzwischen bei ungefähr acht Prozent liegen.

Zudem nimmt die Zahl der Haushalte mit drei oder vier Kindern langfristig betrachtet zu. Laut einer Studie des Kommunalpolitik-Magazins "Kommunal" belegte Bautzen 2020 Platz 23 der familienfreundlichsten Städte Deutschlands. Gesucht sind also vor allem große Wohnungen mit drei oder vier Zimmern, und das ist oft ein schwieriges Unterfangen: Zweieinhalb Jahre hatte etwa eine 26-jährige Bautzenerin gesucht, bis sie für ihre Familie eine Vier-Raum-Wohnung gefunden hatte, wie sie gegenüber Sächsische.de berichtete.

BWB und Genossenschaften sanieren Wohnungen

"Die Lage auf dem Wohnungsmarkt stellt sich als durchaus schwierig dar", bilanziert auch die Bautzener Stadtverwaltung. Neubauten seien momentan aufgrund der Preisbedingungen schwierig. Es wird auch Aufgabe des neu gewählten Stadtrates sein, mit der Stadt am neuen Flächennutzungsplan zu arbeiten, der die Rahmenbedingungen für potenzielle Bauflächen schafft.

Dabei ist es nicht so, dass die Stadt in Sachen Wohnungen nichts täte: Auf der Kurt-Pchalek-Straße will die BWB zum Beispiel 26 Wohnungen sanieren lassen, darunter auch große Wohnungen mit bis zu fünf Zimmern. An der Ecke Friedrich-Ebert-/Otto-Nagel-Straße im Stadtteil Gesundbrunnen hat die Wohnungsbaugenossenschaft Einheit erst vor einem Jahr 20 Wohnungen so umgebaut, dass aus Ein-Raum- Vier-Raum-Wohnungen entstanden. Und in Oberkaina soll gleich ein ganz neues Wohngebiet mit 30 Eigenheimen entstehen - Baubeginn allerdings noch unbekannt.

Bautzen hat vergleichsweise günstige Mieten

Dabei profitieren Mieter in Bautzen auch von einer auf den gesamten Landkreis betrachtet recht geringen Durchschnittsmiete. Laut Immobilienscout24 betrug diese im ersten Quartal dieses Jahres 5,95 Euro kalt pro Quadratmeter. Nirgendwo sonst im Landkreis waren die Mieten in den vergangenen vier Jahren in solch gemächlichem Tempo nach oben geklettert wie in der Stadt Bautzen - ganz im Gegensatz etwa zur Region Kamenz.

An anderer Stelle scheiterten Bauvorhaben jedoch zuletzt: Ein Investor, der westlich von Rattwitz auf der nördlichen Seite der Dresdener Straße ein Gebiet für 200 bis 220 Eigenheime erschließen wollte, sprang Mitte 2022 ohne Angabe von Gründen wieder ab. Den Plan zur Bebauung der Fläche gibt es bereits seit den 1990er-Jahren. Ob es einen neuen Investor gibt, ist bislang nicht bekannt. Auch die ehemalige Globus-Fläche auf der gegenüberliegenden Seite der Dresdener Straße wurde bereits als Bauland für Eigenheime ins Gespräch gebracht, der Flächennutzungsplan lässt dort jedoch nur Gewerbe zu.

Immer mehr barrierefreie Alterswohnungen nötig

Menschen, die zum Beispiel Arbeit in der neuen Dresdner Chipfabrik finden und in Bautzen wohnen möchten, "werden nicht mehr in unsere DDR-Wohnungen ziehen", sagt BWB-Chefin Schönherr. Deshalb müssten in Bautzen mehr Wohngebiete in Autobahnnähe gebaut werden. Nicht nur Bund und Länder, sondern auch die Stadt könnte Fördergelder für den Wohnungsbau ausschreiben, so Schönherr. Wichtig sei in den kommenden Jahren zudem, die bestehenden Wohnungen barrierefrei auszubauen, da sich nicht mehr alle Rentner einen Platz im Pflegeheim leisten könnten. Eine neue Wohnanlage für Senioren ist zuletzt beispielsweise im Greenpark entstanden.

Das sagen die Spitzenkandidaten für den Stadtrat Bautzen:

Katja Gerhardi (CDU), 52 Jahre, Gymnasiallehrerin:

"In Bautzen fehlen Wohnraum und Bauplätze. Um Familien in Bautzen zu halten, hatten wir das damalige Stadtoberhaupt 2020 mit einem Sofortprogramm beauftragt. Leider ist nichts passiert. Bürgerbündnis und AfD haben verhindert, dass Geld für Flächenankäufe eingestellt wurde. Durch das Bauforschungszentrum und die Chipfabrik in Dresden muss jetzt Zukunftsdenken einsetzen: Quartiere müssen saniert und mit den Umlandgemeinden Wohngebiete entwickelt werden. Wir setzen hier auf den neuen Baubürgermeister."

Katja Gerhardi (CDU)
Katja Gerhardi (CDU) © privat

Ralph Nitschke (AfD), 54 Jahre, Versicherungsmakler:

"Obwohl nicht immer die passende Wohnung oder ein Traumhaus zur Verfügung steht, hat Bautzen dennoch eine hohe Wohnqualität. Die Zukunftsaufgaben sehen wir in der Gestaltung der entsprechenden Bedarfe wie zum Beispiel altersgerechte Wohnungen, Freiflächen und Spielplätze etc. Wir möchten junge Familien zudem ermutigen, die bestehenden Immobilien in den Eigenheimstandorten zu erhalten, zu modernisieren und nach ihren Wünschen zu gestalten. Hier haben wir den Generationenwechsel im Blick."

Ralph Nitschke (AfD)
Ralph Nitschke (AfD) © privat

Steffen Tech (Bürgerbündnis Bautzen), 48 Jahre, Sozialversicherungsfachangestellter:

"Hochwertiger Wohnraum ist wichtig für den Zuzug von Familien. Hier gibt es Defizite. Sanierung, Um- und Neubau auf Brachen und Randflächen durch die BWB sind wichtig, ebenso private Initiativen für Wohnungsneubau. Hier muss die Stadt stärker unterstützen. Innovative Aufstockung schafft Wohnfläche im Zentrum. Die umstrittene Gewerbefläche in Stiebitz südlich der Dresdner Straße kann Eigenheimstandort werden, ebenso die Fläche südlich vom Herrenteich. Auch das Spreetal am Kupferhammer kann aufgewertet werden."

Steffen Teich (BBBz)
Steffen Teich (BBBz) © privat

Andrea Kubank (Die Linke), 55 Jahre, Diplomagraringenieurin:

"Umbau vorhandenen Wohnraums im Sinne von barrierefrei und -arm, familien- und altersgerecht, aber dabei bezahlbar. Neubau eines städtischen Pflegeheimes, Stärkung des kommunalen Wohnungsunternehmens BWB, Förderung von Mehrgenerationenwohnprojekten, ein Wohnheim für Studenten. Sofortiger Bau der Turnhalle der Allendeschule nach vorliegendem Bauplan, dann Sanierung der Schule. Modernisierung Kurt-Pchalek-Straße, öffentliche Räume in allen Stadtteilen schaffen und durch die Stadt finanzieren."

Andrea Kubank (Linke)
Andrea Kubank (Linke) © PR/Kreisverband Bautzen Die Link

Martin Nedo (FDP), 38 Jahre, Wirtschaftsfachwirt:

"Es bedarf dringend Vier-Raum-Wohnungen für Familien, welche sich gern für einen Job in Bautzen entscheiden würden. Wir möchten den Bebauungsplan für das Gewerbegebiet Stiebitz ändern und so direkt vor den Toren der Stadt mit unmittelbarer Autobahnanbindung neuen Wohnraum schaffen. Gerade vor dem Hintergrund des neu entstehenden Forschungszentrums sehen wir dies als primäre Aufgabe, um der Stadt eine zukunftsfähige Entwicklungschance zu geben."

Martin Nedo (FDP)
Martin Nedo (FDP) © privat

Claus Gruhl (Bündnis 90/Die Grünen), 65 Jahre, Verwaltungsleiter:

"Bautzen leidet glücklicherweise nicht unter Wohnungsmangel. Geeigneter Wohnraum für junge Familien in attraktiver Lage fehlt dennoch. Innerstädtisch verfügen wir nur noch über wenige passende Flächen, diese sollten vorrangig für den mehrgeschossigen Wohnungsbau genutzt werden. Wir wollen insbesondere die sogenannte Perfecta-Brache entwickeln. Der Bautzener Wohnungsbaugesellschaft kommt dabei eine Schlüsselrolle zu. Weitere Möglichkeiten sind Lückenschließungen und Verdichtung durch Aufstockung."

Claus Gruhl (Grüne)
Claus Gruhl (Grüne) © privat

Astrid Riechmann (SPD), 63 Jahre, Diplom-Ingenieurin und Geschäftsführerin von Willkommen in Bautzen e.V.:

"Es gibt sicher genügend, aber nicht immer passenden Wohnraum in Bautzen. Es fehlen kleine, bezahlbare Ein-Raum-Wohnungen, aber auch kostengünstige Vier- und Fünf-Raum-Wohnungen. Gut sanierte, große Wohnungen sind von jungen Familien kaum zu bezahlen. Die Folge: Abwanderung ins Umland. Für Sanierung und Ausbau in der Pchalek-Straße und des Hochhauses im Allendeviertel werden wir uns stark machen. Neue Ideen für Wohnprojekte wie Tiny Houses und attraktives Mehrgenerationenwohnen sind gesucht."

Astrid Riechmann (SPD)
Astrid Riechmann (SPD) © privat

Mike Hauschild (Freie Wähler - Zukunft für Bautzen), 51 Jahre, Handwerksmeister:

"Wir wollen in allen Stadtteilen gleichermaßen die Wohnqualität verbessern! Dazu gehören auch Fuß- und Radwege. Das wichtigste Zukunftsprojekt ist die Ansiedlung des Bauforschungszentrums. Damit kann Bautzen ein Magnet für junge Menschen und die Wirtschaft werden. Die Allende-Schule kann das als Neustart nutzen, wenn tatsächlich internationale Fachkräfte nach Bautzen kommen. Es braucht einen Neubau statt teuer rumzusanieren. Hochwasserschutz und Gewerbeflächen sind weitere wichtige Aufgaben."

Mike Hauschild (Freie Wähler - Zukunft für Bautzen)
Mike Hauschild (Freie Wähler - Zukunft für Bautzen) © privat

Hagen Schuster (Die Partei), 43 Jahre, Filialleiter im Einzelhandel:

"Wann gab es zuletzt eine fundierte Bedarfsermittlung, anhand derer Bautzen eine seriöse Planung für die Zukunft erstellt hat? Immerhin gelingt es der Stadt seit Jahren recht erfolgreich, junge Familien mit ihren Kindern ins Umland zu vertreiben, um freien Wohnraum zu schaffen. Aber im Ernst: Zukünftige Bauprojekte müssen sich zwingend an modernem, ökologisch sinnvollem Städtebau orientieren. Und nennt mich gerne verrückt: Vielleicht sogar an den Bedürfnissen junger Menschen und Familien."

Hagen Schuster (Die Partei)
Hagen Schuster (Die Partei) © privat

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