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Dynamo präsentiert neuen Geschäftsführer

Jürgen Wehlend kümmert sich ab sofort ums Kaufmännische und erklärt, warum Dynamo so schnell wie möglich aufsteigen sollte - und was ihn mit Dresden verbindet.

Auf einer Videopressekonferenz stellte Jürgen Wehlend am Montag sich und seine Ziele vor.
Auf einer Videopressekonferenz stellte Jürgen Wehlend am Montag sich und seine Ziele vor. © Foto/Screenshot Sächsische.de

Dresden. 90 Minuten dauert sie nicht ganz, die Vorstellung des Neuen an der Spitze von Dynamo. Am Ende fehlt nur eine Viertelstunde, dann hätte die Online-Pressekonferenz die Länge eines Fußballspiels erreicht. Bevor der Neue zu Wort kommt, wird er erst einmal mit Lob überschüttet. Das übernimmt Jens Heinig. Der Aufsichtsratschef bezeichnet Jürgen Wehlend, der an diesem Montag seine Stelle als neuer kaufmännischer Geschäftsführer antritt, nicht nur wie üblich als Wunschkandidaten. Er spricht auch von einer "neuen Ära, die nun bei Dynamo beginnt". Größer geht es kaum.

Bevor Wehlend loslegen kann, musste sein Vorgänger gehen. Michael Born wurde bereits Anfang September vergangenen Jahres beurlaubt, der Vertrag läuft jedoch noch bis zum Saisonende - und so lange erhält er auch weiter sein Gehalt, stellt Heinig klar. "Wir kommen da all unseren Verpflichtungen nach." Als Grund für die vorzeitige Trennung nach mehr als vier Jahren nennt Heinig "unterschiedliche Meinungen in der strategischen Ausrichtung". Der Verein habe sich in den vergangenen Jahren entwickelt - mehr Umsatz und mehr Mitglieder. "Aber bei der Struktur und Organisation hat sich nichts entwickelt", erklärt er.

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Michael Born war mehr als vier Jahre Dynamos kaufmännischer Geschäftsführer. Für Vereinsverhältnisse eine lange Zeit.
Michael Born war mehr als vier Jahre Dynamos kaufmännischer Geschäftsführer. Für Vereinsverhältnisse eine lange Zeit. © dpa/Timm Schamberger

Das soll sich unter Wehlend nun ändern. Und das Strategische, das wird in den 75 Minuten deutlich, liegt ihm. Die komplizierte Struktur der Stadionnutzungsverträge aufzulösen, sieht er als eine seiner dringlichsten Aufgaben. Doch er denkt schon viel weiter. Dynamo sieht er in der Bundesliga, nennt auch die im Vereinsleitbild verankerte Rückkehr in den Europapokal als Ziel. "Aber das ist ein langer Weg mit vielen, vielen Schritten. Da gibt es auch keine Abkürzung. Und das kann ich nicht alleine schaffen, das geht nur gemeinsam - mit der Politik und den Unternehmen in der Region. Ich will da kein falscher Prophet sein, habe auch keinen Zauberstab. Doch das Potenzial ist da, Dynamo hat eine unheimliche Strahlkraft. Dresden kann das schaffen." Um in die erste Liga aufzusteigen, müssten die Umsätze gesteigert werden. Derzeit würden die zwischen 30 und 35 Millionen Euro liegen, bei den Spitzenteams in der 2. Liga seien es 50 bis 55 Millionen Euro.

Vorher muss es für den Drittliga-Spitzenreiter aber erst einmal mit der Rückkehr in die 2. Bundesliga klappen - und das "so schnell wie möglich", verdeutlicht Wehlend. "Jedes Jahr in der 3. Liga kostet extrem Substanz." Mit den Corona-Einschnitten verstärkt sich der Effekt nun. "Wir werden am Ende dieser Saison ein negatives Ergebnis haben", kündigt Heinig bereits an und hofft auf ein baldiges Ende der Geisterspiele. "Ob wir so eine weitere Saison durchstehen würden, würde ich bezweifeln." Das finanzielle Minus wird mit dem in den vergangenen Jahren angesparte Eigenkapital ausgeglichen. Vor dem Corona-Ausbruch lagen zehn Millionen Euro auf dem Vereinskonto.

Erste Anfrage von Dynamo sagt er ab

Für Wehlend ist es nicht nur eine Rückkehr in seine Heimatstadt, sondern auch eine Art zweiter Anlauf bei Dynamo. Bereits im April 2016 sollte er Geschäftsführer bei den Schwarz-Gelben werden, sagte aber ab. Seit 2013 war er in gleicher Funktion beim VfL Osnabrück tätig. Zum Zeitpunkt der Dynamo-Anfrage lasteten "9,8 Millionen Euro Schulden auf dem Verein. Wir standen damals am Anfang einer Entwicklung", begründet er rückblickend seine Absage. "Jetzt ist die Mission beendet."

Wehlend setzte sich unter 60 Bewerbern durch. Da sein Vertrag in Osnabrück aber noch länger lief und er erst zum Jahreswechsel nach Dresden kommen wollte, leitete zuletzt interimsweise Enrico Kabus, bisher Leiter Finanzen, die Geschäfte. Wehlend war bereits vor dem Mauerfall in den Westen gegangen, studierte in Osnabrück, war von 1998 bis 2008 Gründungsgeschäftsführer des regionalen Telekommunikationsunternehmens Osnatel.

Seine 86 Jahre alte Mutter lebt in Dresden, erzählt er, seine Geschwister wieder. Wann seine Frau, die in Niedersachsen eine Fachschule im Gesundheitswesen leitet, mit nach Dresden ziehen wird, steht noch nicht fest. Auch da gilt bei ihm: Schritt für Schritt.

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Eine ausführliche Analyse zur Vorstellung des Geschäftsführers lesen Sie später hier bei Sächsische.de.

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